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Geködert

From PathfinderWiki

Geködert
Autor: TCR
Sternzeit: 55574.2
Datum: 28.07.2378


Überall auf Vela heulten Alarmsirenen. Fiona war in die provisorische Kommandozentrale im "Stützpunkt" geeilt und wies ihren Sicherheitsoffizieren die abgesprochenen Positionen zu. Dies war der erste Ernstfall, der erste Angriff der Piraten seit Der Katastrophe. So bezeichneten die Bewohner von Vela jenen schicksalshaften Tag, an dem so viele von ihnen ihre Leben verloren hatten oder verletzt worden waren. Doch im Gegensatz zu damals befand sich nun die USS Stingray im Orbit. Fiona hatte keinen Zweifel daran, dass das Schiff der Defiant-Klasse den Raidern der Piraten gewachsen sein würde, aber es konnte nie ausgeschlossen werden, dass es einem oder möglicherweise auch mehreren Angreifern gelang, die Verteidigungslinie, die die Stingray bildete, zu durchbrechen. Und falls die Piraten wieder Bodentruppen entsenden sollten, wie sie das zuvor immer getan hatten, wenn sie die Kolonie überfallen hatten, hatte Captain Gilbert sofortige Verhaftung angeordnet, sofern niemand unmittelbar dadurch gefährdet wurde.

Auch auf der Stingray heulten die Sirenen der Alarmstufe rot und die entsprechenden Indikatoren blinkten überall auf dem kleinen Schiff. Zufrieden registrierte Tess, dass ihre Crew in nur 36 Sekunden die Kampfstationen bemannt und das Schiff kampfbereit gemacht hatte. "Zwei Raider, Richtung 086.03", meldete Telev, die taktische Offizierin an der Waffenkonsole. Die Captain warf ihrem XO einen Blick zu. "Nur zwei?" Der Commander zuckte andeutungsweise die Schultern: "Ich hätte gedacht, sie wüssten von unserer Anwesenheit hier. Vielleicht wollen sie uns nur testen." Tess nickte zustimmend. MacArran an der OPS meldete: "Die Bautrupps haben 727 verlassen und sich auf die Oberfläche gebeamt, Captain. Lieutenant Shaw meldet Einsatzbereitschaft."

Tess richtete sich auf, dann befahl sie: "Abfangkurs, Waffen bereithalten, Kanal öffnen!" - "Ist offen", bestätigte Telev. Die Captain erhob sich: "Hier spricht Captain Tess Gilbert vom Föderationsraumschiff USS Stingray. An die beiden Schiffe, die gerade in dieses System eingedrungen sind: Sie befinden sich im Gebiet der Vereinten Föderation der Planeten. Identifizieren Sie sich und nennen Sie Ihre Absichten!" Nichts geschah. Telev meldete: "Die Raider setzen ihren Anflug fort und aktivieren jetzt ihre Waffen, Captain." Tess zog andeutungsweise eine Augenbraue hoch und setzte sich wieder. Dann sagte sie: "Deaktivieren Sie Ihre Waffen und brechen Sie den Anflug ab, ansonsten werde ich alle notwendigen Maßnahmen einleiten um die Vela-Kolonie, die im Bau befindliche Starbase 727 sowie mein Schiff und meine Besatzung zu verteidigen!" Erneut bekam das Sternenflottenschiff keine Antwort. "Wurde die Nachricht empfangen?" erkundigte sich Tess pflichtgemäß. Telev bestätigte: "Ja, Captain. Das Kom-System hat den Empfang bestätigt."

Die Kommandantin warf Reon einen Blick zu, dann meinte sie: "Nun, deren Problem." - "Sie feuern!" unterbrach Telev. Die Stingray erzitterte nur leicht und MacArran meldete: "Direkte Treffer, Schilde halten, keine Schäden." Telev ergänzte: "Sie setzen ihren Anflug fort." Tess schaute auf den Hauptschirm, der die auf die Stingray zu rasenden Raider zeigte. "Warnschuss mit den Phaserkanonen, mitten zwischen sie." - "Nur ein Warnschuss?" erkundigte sich Reon. Nun zuckte Tess die Schultern und deutete auf ihre taktische Konsole: "Die blasen wir doch mit fünf Schuss aus dem All, XO. Feuer!"

Die Phaserkanonen am Bug der Stingray feuerten und die Entladungen schossen präzise zwischen den beiden Angreifern hindurch. Diese brachen sofort aus und setzten einen Fluchtkurs. Tess und Reon tauschten einen Blick, während sich Mestral erkundigte: "Soll ich die Verfolgung aufnehmen, Captain?" Die Kommandantin schüttelte den Kopf: "Nein, Mr. Mestral. Das war nur ein Test. Sie wollten wissen, wie weit wir gehen. Und ob wir uns von hier weglocken lassen." Telev drehte sich um: "Vielleicht sollten wir zum Schein darauf eingehen, Captain? Dann werden sie möglicherweise beim nächsten Angriff eine Strategie einsetzen, die darauf aufbaut. Wir könnten dann eine entsprechende Gegentaktik wählen." Tess sah ihre Waffenoffizierin an: "Interessanter Vorschlag, aber ich denke, das Risiko für die Kolonie wäre dadurch zu hoch. Ich glaube nicht, dass wir ausschließen könnten, dass auch nur ein Angreifer erneut auf die Oberfläche feuert, wenn wir unsere Verteidigungsposition im Orbit aufgeben." Jhamel nickte und wandte sich wieder ihrer Konsole zu. "Roten Alarm beenden", befahl die Captain, "geben Sie Entwarnung für die Kolonie. Der große Angriff wurde vertagt."


"Warum hat sie die beiden Raider nicht verfolgt? Oder abgeschossen? Diese Verbrecher... diese Mörder haben über 60 Leute auf dem Gewissen!" Mr. Wilson hatte sich vor Fiona's Schreibtisch aufgebaut und ließ seinem Unmut freien Lauf. Die junge Lieutenant wartete, bis er sich Luft gemacht hatte und antwortete dann ruhig: "Captain Gilbert hat sich gemäß Sternenflottenprotokoll verhalten, Mr. Wilson. Wir sind an gewisse Gesetze gebunden und diese Gesetze verbieten es uns unter anderem, unsere Waffen nach Gutdünken auf irgendwen abzufeuern. Der Einsatz tödlicher Gewalt darf nur der allerletzte Ausweg sein."

Wilson sah sie aus großen Augen an: "Na, prima, dass Sie so hehren Zielen folgen, Lieutenant! Bedauerlich nur, dass diese Verbrecher offenbar erheblich andere Maßstäbe anlegen und sich einen feuchten Kehricht darum scheren, ob ihre Aktionen irgendwelche Opfer fordern! Und die Angreifer wenigstens zu verfolgen, bringt diese ja wohl kaum in tödliche Gefahr!" Jetzt beugte sich Fiona ein wenig vor: "Ganz recht, die Angreifer nicht, aber sehr wohl diejenigen, die Captain Gilbert beschützen soll. Ist Ihnen wirklich der Ausdruck 'jemanden ködern' kein Begriff, Bürgermeister? Wer hätte uns vor einem Angriff bewahrt, wenn die Stingray den beiden Raidern gefolgt wäre, während sich gleichzeitig vielleicht ein Dutzend weiterer Angreifer hinter unserem Mond in Lauerstellung befunden haben mag; nur darauf wartend, endlich freie Bahn für einen neuerlichen katastrophalen Angriff zu haben?!"

Wilson klappte den Mund mehrfach auf und zu, als er zu erfassen versuchte, was die junge Offizierin ihm da gerade gesagt hatte. Langsam wich die Farbe aus seinem Gesicht. "Sie meinen, das war eine Falle?" Fiona lehnte sich zurück und zuckte leicht die Schultern: "Das weiß ich nicht, Mr. Wilson. Und vermutlich werden wir es auch nie erfahren. Der Punkt ist, Captain Gilbert ist eine kampferfahrene Offizierin, die schon weiß, was sie zu tun oder zu lassen hat. Ihre Aufgabe ist es, uns hier unten zu schützen, und nicht Polizeiarbeit zu leisten. Und solange ihr diese Aufgabe nicht von der Starbase abgenommen werden kann, werden wir wohl oder übel darauf verzichten müssen, die Täter zu verfolgen, zu verhaften und vor Gericht einer ordentlichen Verhandlung zuführen zu können." Der Bürgermeister grummelte noch ein wenig, dann meinte er: "Es würde der allgemeinen Stimmung hier nur gut tun, wenn wir endlich einmal einen Erfolg gegen diese Bastarde vorweisen könnten!"

Fiona erhob sich und trat langsam um ihren Schreibtisch herum: "Da sind wir alle Ihrer Meinung, Bürgermeister, aber im Moment müssen wir schon froh sein, wenn den Piraten kein weiterer Angriff auf uns gelingt. Und sehen Sie es einmal so: Jetzt, wo die Stingray hier ist, dürfte es den Piraten sehr schwer fallen, unsere Minen hier noch einmal erfolgreich auszurauben. Das ist doch schon ein Fortschritt, finden Sie nicht?" Wilson seufzte leicht: "Ja, vermutlich haben Sie recht, Lieutenant."

Nachdem der Bürgermeister das improvisierte Büro der Leiterin der Starfleet-Sicherheitstruppe auf Vela wieder verlassen hatte, trat Crewman Thoris ein. "Alles in Ordnung, Ma'am?" erkundigte er sich. Fiona war ans Fenster getreten und drehte sich nun mit einem schiefen Lächeln zu dem jungen Mann um. "Ja, natürlich, Ghee." Sie begann mit einer kurzen Wanderung durch das Büro. "Die Leute hier sind seit Der Katastrophe einfach sehr verängstigt. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Und dann muss man halt auch einmal mit einem Blinden übers Sehen sprechen." Sie machte eine kurze Pause, dann sah sie den Crewman an: "Und wissen Sie was? Ein Teil von mir fühlt sogar genauso, wie er. Mir würde auch nichts mehr gefallen, als diese Bastarde für das, was sie uns hier angetan haben, bezahlen zu lassen."