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Log 75

From PathfinderWiki

Ahnungen
Autor: Zhabia Velain

„Persönliches Logbuch Counselor Velain

Wir haben vor vier Stunden Babylon 5 verlassen und befinden uns zusammen mit dem Whitestarschiff Titans auf dem Weg nach Bulgur III. Bis zu unserem Eintreffen habe ich noch ein wenig Freizeit, in der ich meditieren möchte. Die letzten Ereignisse haben mich, zu meiner eigenen Überraschung mehr mitgenommen als ich dachte. Insbesondere betrifft dies natürlich den Tod Ariell Needas. Als ich davon erfuhr, war ich erschreckt. Erst jetzt jedoch bemerke ich, dass dies nicht nur ein schwerer Verlust für das Schiff ist, sondern dass auch ich diesen Verlust mehr bedauere, als ich gedacht hätte. Es ist ganz sicher nicht so, dass Tannier nicht in der Lage wäre, die Katana zu befehligen. Doch für die Crew ist in diesen schwierigen Zeiten eine sichere Führung sehr wichtig. Nach zahllosen Abenteuern und unruhigen und komplizierten Missionen sind viele Crewmitglieder müde und erschöpft. Das Schicksal – oder ist es tatsächlich das Sternenflottenkommando? - gönnt uns jedoch nur wenig Pause. Computer: Logbucheintrag hier unterbrechen und bis zur weiteren Bearbeitung abspeichern.“ Die delvianische Counselor stand von ihrem Stuhl auf und ging ein paar Schritte bis zum Fenster. Sie verfasste nur äußerst selten private Logbucheinträge. Die Dinge die sie beschäftigten, vereinbarte sie gewöhnlich mit sich selbst im Stillen ohne Aufzeichnungen davon zu hinterlassen. Doch in diesem Fall hatte sie das Gefühl, dass es ihr helfen würde, ihre Gedanken zu ordnen, wenn sie ein paar davon laut aussprach. Im Grunde war das etwas, was sie den Crewmitgliedern, die sie aufsuchten, stets riet. Ihre Probleme oder das was sie beschäftigte erst einmal laut auszusprechen. Man wurde sich dadurch selbst klarer über die Dinge, die einem das Herz beschwerten. Aber Zhabia war nie eine Person gewesen, die ihren eigenen Rat befolgt hatte und so hatte sie einige Tage gewartet, bis sie diesen Logbucheintrag gemacht hatte.

Dabei gab es noch einiges mehr, worüber sie sich Gedanken machte. Wohin zum Beispiel, sollte diese Mission sie führen? Die Bilder von der kybernetischen Lebensform hatten sie beunruhigt. Ebenso natürlich wie die unbeschreiblichen Bilder der toten Körper, für die der seltsame Roboter verantwortlich gewesen sein musste. Zuerst war sie annähernd beruhigt gewesen, dass es kein Borg gewesen war, wie zunächst vermutet, als der Begriff „kybernetisches Wesen“ gefallen war. Aber auf der anderen Seite – die Borg wären wenigstens ein bekannter Gegner gewesen, den man bereits einschätzen konnte. Dieses Wesen war völlig unbekannt.

Und dann war da noch Ensign Kellas. Er war am Vormittag bei ihr gewesen. Ensign Kellas suchte die Counselor der Katana regelmäßig auf. Anfangs war der Betazoid wegen des mentalen Trainings zu ihr gekommen. Es waren Übungen um sich gegen den Geist anderer abzuschirmen, da er nach einer Krankheit Schwierigkeiten damit gehabt hatte. Inzwischen hatte er seine Fähigkeiten wieder ganz gut unter Kontrolle, besuchte die Delvianerin aber noch weiterhin. Beide verstanden sich gut und tauschten sich gerne aus. Außerdem war es für Kellas sehr entspannend, da er die Gedanken der Counselor nicht emfpangen konnte. An diesem Morgen jedoch hatte er wohl einen Rückfall gehabt und war verwirrt zu Zhabia gekommen. „Sun, Sie sehen aufgewühlt aus.“, hatte Bia festgestellt. „Nehmen Sie doch erst einmal Platz.“ Der Betazoid folgte der Aufforderung. Ohne weiter zu warten, begann er zu reden: „Es ist nicht einmal der Rückfall an sich. Ich glaube, es waren auch starke Emotionen damit verbunden... Es ist eher der Inhalt des Gedankens.“ Zhabia seufzte leise und nahm dem jungen Ensign gegenüber Platz. „Haben Sie heute Morgen Ihre mentalen Übungen gemacht?“, fragte sie. „Ja, ja.“, antwortete er abwertend. „Ich muss wissen, ob es stimmt.“, fügte er dann mit mehr Nachdruck an. „Sun,... wir sind uns doch einig, dass Sie mir nicht mitteilen, wessen und welche Gedanken Sie da aufgefangen haben. Das haben wir so abgemacht.“, erinnerte Zhabia ihn. „Ich weiß, was wir vereinbart haben. Aber...“ Sun zögerte kurz und sah die Counselor abschätzend an. Sie musste es doch wissen... „Sie ist tot, nicht wahr? Die Captain. Sie müssen es wissen!“ Die Delvianerin sah ihr Gegenüber erschreckt an. Das waren in der Tat Gedanken oder ein Thema über das sie nicht sprechen wollte. Selbst wenn sie es gewollt hätte, hätte sie immer noch nicht die Erlaubnis dazu gehabt. Aber es stellte ein Problem dar. Denn niemand in der Crew sollte vorerst davon erfahren. „Wir hatten eine Abmachung und ich erwarte, dass Sie sich daran halten.“, begann die Counselor ruhig. Wie üblich war ihr der Ärger, den sie verspürte nicht im Mindestens anzumerken. „Davon aber einmal abgesehen – bevor Captain Geodis nach Trill gebeamt wurde, habe ich sie noch gesehen und es ging ihr den Umständen entsprechend gut.“ „Es gab Komplikationen. Das haben wir doch alle erfahren.“, widersprach Kellas. Es war das ertönende Türsignal, das Zhabia von weiteren Erklärungen befreite. Kellas sah sie noch einmal ernst an. „Ich glaube, dass es stimmt.“, sagte er leise. „Ich verstehe zwar nicht, warum man uns nicht informiert, aber ich glaube es ist wahr.“ „Sun,...“, setzte Zhabia noch einmal an, ehe sie die Tür öffnete, wurde jedoch von ihm unterbrochen: „Keine Sorge, ich werde es niemandem sagen.“ Dann war er gegangen und Bia hatte sich dem üblichen Tagesplan zuwenden müssen. Doch die Sache beschäftigte sie noch immer. Wäre es klüger gewesen ihm, entgegen der Anweisungen, die Wahrheit zu sagen? Er schien sie ohnehin zu kennen. Natürlich mit dem Hinweis, dass er mit niemandem darüber sprechen sollte. Sie hatte Tannier von dem Gespräch erzählen wollen, der war jedoch beschäftigt gewesen. Anstatt dessen war Toreen aufgekreuzt, um das Anliegen der Counselor herauszufinden. „Verstehe. Ich kümmere mich darum.“, war sein Kommentar gewesen, der Zhabia weder gefiel noch beruhigte.


Zwei Stunden später wurden die Führungsoffiziere zu einer neuerlichen Besprechung zusammengerufen. Die Analyse der Logbücher der Iclesia, dem Schiff dessen Schicksal hier untersucht wurde, waren inzwischen abgeschlossen. Der letzte Eintrag war kurz vor dem Eintritt in den Hyperraum gemacht worden, doch die erste Anlaufstelle für die beiden verbündeten Schiffe sollte Bulgur III sein, ein Planet mit keinem besonders guten Ruf, denn er galt weithin als Schmugglernest. Laut den Logbüchern der Iclesia war sie nach dem kurzen Aufenthalt nahe Bulgur III, auf direktem Weg nach Babylon 5 zurückgekehrt, obwohl sie noch von zwei Kolonien unweit des Bulgur-Systems erwartet worden war.

Zhabia hatte sich in tiefer Meditation befunden, als der Ruf zur Besprechung sie erreicht hatte. Daher kam sie nun auch als Letzte an und beeilte sich, zu ihrem Platz zu kommen. Tannier hatte gewartet, bis die Versammlung vollzählig war und ergriff nun das Wort. „Wie einige von Ihnen vielleicht schon bemerkt haben, haben wir vor zehn Minuten den Hyperraum verlassen. Bis nach Bulgur III brauchen wir keine 20 Minuten mehr... Die weitere Vorgehensweise: Commander Toreen und Lieutenant Lincoln haben zwei Teams zusammengestellt, die sich auf dem Planeten umsehen werden. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass wir uns wohl nicht auf die Unterstützung der Einheimischen verlassen dürfen. Mister Sulik, Sie untersuchen derweil den Asteroidengürtel um Bulgur IV. Die Iclesia ist sehr nahe daran vorbeigeflogen und wir sollten herausfinden, ob die Angreifer vielleicht dort gestartet sind und eventuell Spuren hinterlassen haben.“ Lew nickte. Endlich mal wieder eine sinnvolle Aufgabe für sein Team. Und der Flug durch ein Asteroidenfeld konnte durchaus interessant sein. Tannier hatte den Asteroidengürtel kurz auf dem Monitor darstellen lassen, ehe Lew den Befehl abgenickt hatte. Es sah nicht aus, als wäre die ganze Staffel nötig um das Feld abzusuchen, aber er würde sich hüten, eine derartige Bemerkung zu machen. Jeder seiner Jungs würde für diese Abwechslung dankbar sein.

„Gibt es noch irgendwelche Fragen?“ Schweigen antwortete dem Minbari. „Dann an die Arbeit.“ Er blieb kurz zurück, als die anderen den Besprechungsraum verließen. Er wusste bereits jetzt, dass all diese Leute ihm schon bald furchtbar fehlen würde. Bei seinem Dienstantritt auf der Katana hatte er vielleicht gehofft, dass er die Crew so gut kennen lernen konnte, dass er sie vermissen würde, würde sie nicht mehr um ihn sein. Und nun war es tatsächlich eingetreten. Doch er wusste auch, dass er eine wichtige Mission zu erfüllen hatte. Eine Mission die ihn mit großem Stolz erfüllte. Ja,... er würde die Katana vermissen.