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Neue Freunde
Autor: Alexandra Black
Autor: Natall Geodis
Autor: Seeta Yadeel

Lee Adama von der Pegasus stand mit verschränkten Armen vor dem großen Panoramafenster eines Besprechungsraumes auf Deep Space 9.

Der Besprechungsraum war dem kleinen Flottenverband, der sich um die Katana geschart hatte, zur Verfügung gestellt worden, während die Reparaturen an dem Sovereign-Klasse-Schiff unbeirrt fortgeführt wurden. Zwar hatte die Brücke des Schiffes noch die geringsten Schäden davon getragen, dennoch musste zur Zeit mit Störungen im normalen Betriebsablauf gerechnet werden, da augenblicklich der Computerkern seiner Überholung unterzogen wurde.

Adama konnte keinen Unterschied zwischen den von hier aus sichtbaren Sternen und denen in seinem Universum erkennen und doch erschien ihm alles auf den ersten Blick ganz anders. Er bereute seine Entscheidung dem föderierten Flottenverband hierher zu folgen, keine Sekunde und schon gar nicht den Entschluss ihnen gegen die feindlichen Zylonen geholfen zu haben.

Die Galactica war nicht hier sondern immer noch in ihrem eigenen Universum, wo sie, hoffentlich gut versteckt, in einem Nebel auf die Rückkehr der Pegasus wartete.

Lee sah hier die einmalige Chance dauerhaft starke Verbündete gegen die Roboterwesen aus seinem Universum zu finden. Deshalb war er nun auch hier in diesem Besprechungsraum, wo er auf Captain Geodis wartete. Gleichzeitig fiel es ihm aber auch schwer, ruhig sitzen zu bleiben und sich in Geduld zu üben, denn es gab so viel, was er dem in seinem eigenen Universum verbliebenen Vater erzählen wollte.

Als er vor einigen Stunden zum ersten Mal kurz mit Geodis geredet hatte, hatte er zum Beispiel erfahren, dass sie einer Spezies namens Trill angehörte, deren Heimatplanet ebenfalls Trill hieß. Die Föderation, auf die sie gestoßen waren beheimatete Hunderte verschiedener Rassen. Und eben auch diese eine Spezies, deren Heimatplanet im Grunde auch sein eigener war. Die Erde.

Wie lange suchten sie nun schon nach diesem Planeten? Die Erde war unter den Leuten von der Galactica ein Mythos gewesen. Nicht wenige hatten zwar behauptet, nicht nur zu glauben, dass es die Erde wirklich gab, sondern es sogar spüren zu können. Doch tief im Inneren hatten die meisten doch viel eher geglaubt, dass die Erde eine Erfindung sei, um ihnen allen Hoffnung auf der Suche nach einem friedlichen, bewohnbaren Planeten zu geben. Oder doch nicht?

Lee Adama atmete tief durch und ließ seinen Blick auf das sich gerade öffnende bajoranische Wurmloch gleiten. Während er das prächtige Farbenspiel beobachtete, war er voller Zuversicht. Es spielte nun keine Rolle mehr, was sie irgendwann einmal gedacht oder vermutet hatten. Nun konnten sie sicher sein, dass es die Erde wirklich gab. Sie existierte. Geodis hatte ihm, auf seine Anfrage hin, ohne zu zögern ein Bild von dem blauen Planeten zeigen können. Schon auf der Abbildung war er wunderschön gewesen. Wie musste es sich erst anfühlen, die Erde in echt zu sehen oder sie gar zu betreten?

Das deutlich zu vernehmende hydraulische Geräusch der Stationstüren kündigte die Ankunft Captain Geodis’ und ihres ersten Offiziers an. „Commander.“, wurde er auch schon begrüßt. Trotzdem ließ er sich noch einen kurzen Augenblick Zeit, ehe er sich umdrehte, und beobachtete auch noch, wie sich das Wurmloch wieder schloss. Dann erst wandte er sich der eingetretenen Kommandantin zu.

„Captain Geodis.“, erwiderte er ihren Gruß und nahm ihr gegenüber an dem auf Hochglanz polierten Tisch platz.


Es war ein komisches Gefühl gewesen, sich Kirall Medion gegenüber zu sehen. Er hatte sich in den letzten Jahren nur wenig verändert, wenn man von den vereinzelten grauen Haaren absah, die seine Schläfen zierten. Seine Gesichtszüge hatten sich im Laufe der Jahre tiefer ausgeprägt, was ihm jedoch einen Eindruck von Weisheit verlieh.

Natall Geodis sah ihr Gegenüber an, das wortlos seinen Blick auf den ihm bisher unbekannten Betazoiden gerichtet hatte. Adama versuchte offensichtlich den anderen Mann einzuschätzen. Medion hingegen öffnete seine Geist wahrscheinlich gerade für den Commander am Tisch. Die Flotte hatte ihn geschickt, um die Absichten Adamas besser einschätzen zu können.

„Dies ist Kirall Medion“, erklärte die Captain der Katana. „Er wurde vom diplomatischen Corps geschickt. Er wird die weiteren Verhandlungen mit Ihnen führen“, führte sie weiter aus, während Kirall sich auf dem zweiten freien Stuhl neben ihr niederließ. Akida lehnte derweil beinahe etwas zu lässig an der Wand. Auf Geodis Seite des Tisches war kein Platz mehr frei, und so mußte er stehenbleiben.

„Commander Adama, es freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen. Ich hoffe, daß es zu einer dauerhaften Allianz zwischen der Föderation der Planeten und Ihnen kommen wird“, begann der Diplomat das Gespräch. Es war zwar noch recht früh, um dies schon jetzt mit Sicherheit sagen zu können, daß er hatte das eindeutige Gefühl daß Lee Adama genau das war, was er vorgab zu sein. Nach dem, was Geodis Berichte bisher enthalten hatten, waren die Menschen, auf die der Verband per Zufall getroffen war weniger weit entwickelt als die Föderation, aber sie würden gute Verbündete abgeben im Kampf gegen die Bedrohung, der die Föderation sich ausgesetzt sah.

Lee nickte. Er war ein Mensch, der sich häufig auf sein Bauchgefühl verließ und hier sagte ihm sein Bauch ganz eindeutig, daß er richtig gehandelt hatte. Diese Leute konnten ihnen helfen, aus genau dem Grunde hatte er die wenigen Informationen, die er über die Zylonen hatte mit ihnen geteilt. Er hatte einen ersten Schritt getan, nun waren die Bewohner dieses Universums an der Reihe, etwas für ihn und die wenigen seines Volkes, die verblieben waren zu tun. Noch immer fand er die Vorstellung, daß es in diesem Universum und offensichtlich in vielen anderen auch noch viele Menschen gab ungewohnt. Er mußte sich erst noch an ein Konzept der Multiversen gewöhnen. Wissenschaft war nie seine Stärke gewesen, aber er hatte gewußt, daß Wissenschaftler über die Existenz von unzähligen, parallel nebeneinander existierenden Universen spekuliert hatten. Aber das war vor dem Holocaust gewesen.

„Das hoffe ich auch. Wir können beide von einer solchen Allianz profitieren“, erklärte er. Er wußte allerdings, daß es schwierig werden würde seinen Vater von dieser Allianz zu überzeugen. Er würde wohl irgendeinen Hinterhalt vermuten. Der alte Mann war für seinen Geschmack manchmal etwas zu mißtrauisch, fast schon paranoid.

Kirall legte die Hände auf dem Tisch übereinander. „Ich bin ermächtigt, Ihnen Kartenmaterial zur Verfügung zu stellen. Vielleicht gelingt es Ihnen damit, die Erde von Ihrem Standpunkt aus zu lokalisieren“, sagte er.

Natall schob das Padd, das sie in ihrer Hand gehalten hatte, zu ihm hinüber. „Es enthält die gesamten von der Föderation kartographierten Sternensysteme. Vielleicht finden Sie darin einen Anhaltspunkt, der Ihnen bei einem Sprung zur Erde hilft“, erklärte sie.

Lee war hocherfreut. Es war ein großer Hoffnungsschimmer, den die Föderation ihm hier bat. „Das ist sehr großzügig von Ihnen. Es empfiehlt sich, in mein Heimatuniversum zurückzukehren, da ich nicht über die entsprechenden Legitimationen verfüge, für die 12 Kolonien von Kobol Verträge abzuschließen“, erklärte er.

Kirall Medion nickte. „Wir starten, sobald die letzten Schäden an der Katana behoben sind“, erklärte er. „Wir sollten uns unbedingt bald wieder treffen“, fügte er dann hinzu. Lee nickte. „Gerne, Mr. Medion. Sie sind mir jederzeit willkommen“, antwortete er.

Medion stand auf, und auch der Rest der Versammelten erhob sich. Akida stieß sich von der Wand ab. Dann verließ die Föderationsgruppe das Gästequartier von Lee Adama.


Es krachte geräuschvoll als einer der grau uniformierten Techniker eine der Wandkonsolen aus ihrer Verankerung hob und zu den anderen nicht wiederverwertbaren Teilen legte. Ein weiterer Techniker betrat den Raum, stellte seinen Werkzeugkoffer auf den Schreibtisch des Captains und stieß Natalls Tasse Cappuccino um. Die warme, bräunliche Flüssigkeit ergoss sich über die polierte Oberfläche und tropfte schließlich in langen Nasen über die Schreibtischkante auf den hellen Teppichboden. Geodis sah von ihrem Padd auf und ließ missmutig die Schultern sinken. Resignierend stellte sie die Tasse wieder aufrecht hin und zog ein Taschentuch aus der obersten Schublade. „Captain?“ Natall dreht den Kopf und musterte Lucas der in der offenen Tür stand. Resultierend aus den Schäden funktionierten größere Teile der Schiffstechnik nicht, eins davon war die Türautomatik des Bereitschaftsraumes und sie hatte sich daran gewöhnen müssen bei geöffneter Tür ihrer Arbeit nachzugehen. Auf ihrem Schreibtisch lagen die Versetzungsanträge und Beförderungen für das kommende Quartal, intensive Arbeit, mit der sie sich lieber in einem ruhigen Moment beschäftigt hätte. Die beiden Techniker hatten ihr den Rücken zugewandt und kümmerten sich um die Wiederherstellung einzelner Konsolenelemente. Wie gerne hätte sie die beiden aus ihrem Büro gejagt und die Tür mit Holzbrettern vernagelt, damit sie für eine halbe Stunde nicht dem geschäftigen Lärm aus allen Ecke lauschen müsste. Sie wurde sich Lucas wieder bewusst, der dort stand und wartete. „Mr. Lucas?“ – „Captain, Mrs. Parker möchte umgehend mit Ihnen sprechen.“ Die Trill schob die einzelnen Padds auf ihrem Schreibtisch zusammen. „Sofort, Ma’am.“ In Tomms Stimme schwang Dringlichkeit mit, die sie bisher nur selten an ihm bemerkt hatte. „Hat sie gesagt, was sie möchte?“ – „Nein, Captain, aber es sei wichtig. Es geht um Ihren Sohn.“ Natall hob eine Hand und Tomm verstummte. „Ich bin mir bewusst, dass Mrs. Parker die Lehrerin an Bord dieses Schiffes ist und meinen Sohn unterrichtet.“ Sie erhob sich und schob sich an Lucas vorbei auf die Brücke. Viele Augenpaare ruhten unvermittelt auf ihr und sie versuchte die fragenden Blicke möglichst nicht zu beachten, als sie in den Turbolift stieg. Die Crew war verunsichert. Und das hing nicht nur mit der neuen Bedrohung zusammen, der sie gegenüberstanden. Es hatte vor allem mit ihr zu tun. Ihre Seniorcrew unterhielt ein gespanntes Verhältnis zu ihr und sie bedachten sie stets mit der Erwartung, ihr würde ein zweiter Kopf wachsen, oder Tentakel kämen aus ihrem Rücken. Sie trug die Erinnerungen von Ariell Needa und trotzdem versuchte sie diese stetig auszuklammern. Viele der Besatzungsmitglieder erwarteten, dass sie den Mund aufmachte und klang wieder der alte Captain. Das sie die gleichen Scherze machte und verkündete, sie sähe nur anders aus, sei aber weiterhin die gleiche. Die Türen des Turbolifts öffneten sich und sie trat auf den Korridor der zu den Klassenräumen führte. Auch hier waren Techniker mit etlichen Arbeiten beschäftigt und es überraschte sie, dass die Schäden sich so weit bis ins Schiffsinnere gezogen hatten. Der Klassenraum war leer, lediglich Mrs. Parker saß an ihrem Pult und korrigierte Arbeiten. Geodis trat ein und räusperte sich. „Ah, Captain Geodis.“ Sie bedeute dem Captain Platz zu nehmen. „Schön, dass Sie es einrichten konnten.“ – „Nun, eigentlich wäre mir ein anderer Zeitpunkt lieber gewesen.“ Mrs. Parker lächelte wie nur ein Lehrer es konnte, und Natall fühlte sich augenblicklich an ihre Akademiezeit erinnert. „Ich verstehe, aber für eine Frau in Ihrer Position ist es sicherlich immer schwierig entsprechend Zeit zu finden.“ Es war ein Vorwurf den Natall sofort verstand und ihre Augenbrauen zogen sich zusammen als sie Mrs. Parker erwartungsvoll ansah. „Worum geht es also?“ – „Ich mache mir ein bisschen Sorgen um Ihren Sohn.“ – „Eragon? Weshalb?“ Die Trill schlug die Beine übereinander und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Sie war Captain auf diesem Schiff und keiner von Mrs. Parkers Schülern. „Er hat zwei Arbeiten abgeliefert in denen er mit einem Mangelhaft abschloss.“ – „Ich weiß, in Mathematik. Das Fach liegt ihm nicht besonders.“ Die leicht untersetzte Lehrerin erhob sich von ihrem Stuhl und schritt zur Tafel. „Aber er ist zur Hälfte Vulkanier, sollte ihm ein logisches Fach da nicht leicht fallen?“ Natall richtet sich zu ihrer vollen Größe auf. „Zur Hälfte, richtig. Und er ist Trill. Ihnen wird vielleicht nicht entgangen sein, dass er weniger gefühlskalt ist als die meisten Vulkanier. Und wenn Sie mich gerufen haben, um mir zu sagen, dass er ein schlechter Mathematiker ist, dann kann ich Sie beruhigen. Wenn ich eines bei meinem Sohn nie machen werde, dann ist es ihn unter aussichtslosen Druck zu setzten. Es liegt ihm nicht und das ist in Ordnung. Dafür spricht er aber fünf Sprachen, die ich selbst nicht einmal beherrsche.“ Sie erhob sich und sah Mrs. Parker in die Augen. „haben Sie mir außerdem noch etwas zu sagen?“ Amanda Parker war den Umgang mit ihren Schülern gewöhnt. Mit den cleveren, den langsameren, den ungestümen und den schüchternen. Sie kannte ihre Eltern und Familien, ihren Hintergrund. Sie wusste, wo sie im Zweifel welchen Hebel ansetzen musste. Doch aus Eragon wurde sie nicht schlau. Und trotzdem beunruhigte sie etwas an dem Jungen. Es ergab keinen Sinn sich mit Geodis anzulegen. Und anders als sie vermutet hatte, kannte sie ihr Kind scheinbar sehr gut. „Eins noch. Wir haben heute Nachmittag Deep Space Nine besucht. Eragon ist dabei in eine Rangelei gekommen.“ – „Was soll das heißen, eine Rangelei?“ Mrs. Parker suchte nach den richtigen Worten. „Er hat sich mit einem anderen Schüler geschlagen.“ Sie beobachtete wie Geodis’ Augen sich weiteten. „Es ist nichts passiert. Er hat sich eine Rippe gebrochen und...“ – „Wo ist er?“ verlangte die Trill zu wissen. „Auf der Krankenstation von DS9.“ Natall wandte sich ohne jedes weitere Wort um und verließ den Klassenraum.


Bashir legte den Scanner zurück auf den Ablagetisch und setzte ein verschmitztes Lächeln auf. „Gleich hast du’s geschafft.“ Eragon nickte und sah auf den dunkelblauen Fleck auf seinem Brustkorb der langsam zu verschwinden begann. „Es tut schon gar nicht mehr weh.“ bestätigte er und der Arzt nickte. „In einer halben Stunde können Sie Ihn auf das Schiff zurück bringen.“

Lincoln saß am Fußende der Medoliege auf einem Stuhl und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. „Das war dir hoffentlich eine Lehre!“ Frank versuchte autoritär zu klingen, was ihm nicht ganz gelang. Er selbst hatte sich oft mit irgendwelchen Nachbarsjungen geprügelt, als er in dem Alter war. Die Prügel, die er zur Strafe dann von seinem alten Herrn bezog, hatten daran nicht viel ändern können. Und irgendwie fand er, gehörte das zu dem Alter dazu. Außerdem, und das musste er widerstrebend feststellen, war er im Recht. Auch wenn er aus Erwachsenensicht verurteilte, was er tat.

Eragon sah den Sicherheitschef schuldbewusst an. „Ich werd mich nicht wieder Prügeln, Sir.“ Lincoln lächelte. „Werden Sies meiner Mum erzählen?“ Bashir trat wieder an die Liege. „Das muss ich.“ erklärte Lincoln und sah den Jungen mitfühlend an. „Sie wird wissen wollen, wo du bist und was passiert ist. Außerdem werden Darrens Eltern mit deiner Mutter darüber reden wollen.“ Auf Eragons Gesicht lag eine Spur Verzweiflung. „Sie schickt mich bestimmt wieder weg.“ - „Hey, sie wird dich nicht wegschicken, weil du eine kleine Rauferei hattest. Davon geht die Welt nicht unter.“ Geodis Sohn wandte den Kopf ab. „Doch, das will sie schon die ganze Zeit. Wenn sie nicht so schnell auf die Katana gemusst hätte, wäre ich schon längst wieder auf Vulkan, bei meinem Vater.“ Bashir tauschte mit Lincoln einen Blick und deutete zur Tür hinaus. „Da kommt sie.“ Lincoln erhob sich von seinem Stuhl. „Ich werde mal mit ihr reden.“


Geodis ließ ihren Blick über das schillernde Promenadendeck schweifen. Es war lange her, dass sie auf DS9 gewesen war und sich vom Farbenspiel dieser exotischen Station hatte beeindrucken lassen. Unweigerlich drängten sich ihr Ariells Erinnerungen auf. Augenblicke, die die Trill hier verbracht hatte. Die erste Mission der Katana war hier gestartet. Sie verweilte einige Sekunden vor dem Quarks und beobachtete einige ihrer Attack Fighter Piloten beim Dabo Spiel. Auch hier hatte sie etliche lustige und feucht-fröhliche Gelage gefeiert. Sie korrigierte sich. Ariell hatte dies getan. Natall musste zugeben, dass es ihr nicht gelang einen Draht zu ihrer neuen Crew aufzubauen. Sie hatte einen ersten Offizier, der sich seinen Pflichten zwar bewusst war, der aber nicht über die nötige Erfahrung und Routine verfügte um diese auch umzusetzen. Ihre Chefingenieurin lag auf der Krankenstation und ihr Sicherheitschef...Sie verdrängte den Gedanken. Es schien eine Front zu geben, die sie nicht zu durchdringen vermochte. Die Frage, ob es richtig war Captain dieses Schiffes zu sein, stellte sich ihr immer wieder. Sie war hin und her gerissen zwischen ihrer Pflicht und ihrem eigenen Zweifel. Um ein guter Captain zu sein, brauchte sie das Vertrauen ihrer Crew. Es war hoffnungslos. Und jetzt wartete ihr Sohn in der Krankenstation. Der Grund, warum sie überhaupt die Brücke verlassen hatte.

„Captain?“ Lincoln ragte unmittelbar neben ihr auf und seine sonore Stimme überdeckte plötzlich den umliegenden Lärm. Sie musste sich beherrschen um nicht zusammenzufahren. Ein Umstand, der dem aufmerksamen Sicherheitschef kaum entgehen mochte. Ihre Mine gefror als sie den Iren vor sich argwöhnisch betrachtete. „Mr. Lincoln?“ Was machte er hier? Ausgerechnet er. Und was wollte er von ihr? „Captain, haben Sie einen Moment Zeit?“ – „Nein, die habe ich nicht.“ Es klang harsch, doch ihr fehlten in der Tat die Zeit und die Geduld, um sich auf ein Gespräch mit dem Sicherheitschef einzulassen. „Wenn Sie Zeit für eine Unterhaltung brauchen, dann suchen Sie mich in meinem Bereitschaftsraum auf, Mr. Lincoln und ich höre Ihnen gerne zu. Jetzt,“ sie deutete in Richtung Krankenstation „muss ich meinen Sohn abholen.“ Sie wollte sich an ihm vorbeischieben, doch er hielt sie sanft am Arm zurück. „Um den geht es.“ Geodis hielt inne, leises Entsetzen erfasste sie. War Eragon Schlimmeres passiert? „Was ist mit ihm?“

Lincoln registrierte die Sorge im Blick der Trill. „Ihm ist nichts passiert.“ Sie sah immer noch skeptisch aus. „Ich habe ihn auf die Krankenstation gebracht.“ Er machte eine Geste und führte sie einen Schritt weit vom Eingang zum Quarks weg. „Ich weiß, dass es mich nichts angeht, aber wir sind ins Gespräch gekommen und,“ er fuhr sich durchs Haar und suchte nach den richtigen Worten „er ist ein toller Junge.“ – „Ja, das ist er!“ es klang weder freundlich noch stolz. Es war eine Abweisung. „Hören Sie, ich will mich nicht einmischen, aber er macht sich Sorgen. Und ihm ist ziemlich elend zumute.“ – „Das sollte ihm auch sein. Er hat sich in eine Schlägerei verwickeln lassen und durfte das mit der Krankenstation bezahlen. Das ist weit weg von all den Dingen, die ihm in seiner Erziehung beigebracht wurden. Und für ein solches Verhalten werde ich sicherlich nicht stolz auf ihn sein.“ Erneut wollte sie ihn stehen lassen und ihren Weg fortsetzen, ohne, dass er sie diesmal aufhielt. „Das sollten Sie aber nicht, denn er hat seine Mutter verteidigt, und das sehr ehrvoll.“ Sie blieb stehen. „Was?“ “Eragon hat sich die Bemerkung, dass seine Mutter nur deshalb dieses Schiff befehlingen darf weil sie die Erinnerungen einer Toten trägt, nicht gefallen lassen.“ Er machte einen Schritt auf Natall zu und seine Gesicht kam dem ihren gefährlich nahe. „Und ich hätte das auch nicht!“ Ihr Blick glitt zur Krankenstation und dann wieder zurück zu ihm. „Ihr Sohn sitzt dort bei Bashir und kämpft mit der Angst, sie würden ihn wieder wegschicken. Das ist es, worüber ich mit Ihnen reden wollte. Denn scheinbar, sind Sie so sehr damit beschäftigt ein guter Captain zu sein, dass Sie das nicht registriert haben.“

„Ich bin Captain eines Kriegsschiffes!“ es kostete sie unglaublich viel Mühe Lincoln nicht anzufauchen. „Dies ist kein Platz für einen Neunjährigen. Die Gefahr, dass ihm etwas passiert...“ – „Die Gefahr, dass Ihre Sorge Sie lähmt zu handeln?“ sie musste zugeben, dass er recht hatte. Doch unabhängig davon war Eragon auf Vulkan besser aufgehoben. „Er muss seine Schule auf Vulkan fortsetzen. Er hat dort ein Heim und einen Vater.“ – „Der ihn nicht liebt.“ Ihr Blick verfinsterte sich doch Frank winkte ab. „Nicht so, wie Eragon sich das wahrscheinlich wünscht. Ich habe den Junge da auf der Krankenstation gesehen. Er hat vielleicht spitze Ohren, aber er ist kein Vulkanier.“ Er schürzte die Lippen. „Er möchte bei Ihnen bleiben, weil er sich bei Ihnen geborgen fühlt und weil er Sie liebt.“ Lincoln straffte die Schultern und richtet sich wieder auf. „Vielleicht sollten Sie mal ein bisschen Gefühl zulassen und daran denken, wenn Sie zu ihm gehen.“


Sonnenuntergang. Zwischen den hoch aufragenden Häusern in Boston war jedoch nicht viel davon zu sehen. Die letzten Sonnenstrahlen waren hinter zahlreichen Gebäuden verborgen und schon jetzt setzte langsam Dunkelheit ein.

Lieutenant Alexandra Black strebte zielsicher einem etwas zurückstehenden Eingang zu, der sie schließlich in eines dieser Gebäude führte. Die Tür hatte sich gerade vor ihr geöffnet, als sie sich abrupt umdrehte – alarmiert durch die schnellen Schritte, die sie hinter sich hörte.

„Alex!?“, hörte sie eine vertraute Stimme. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und die Frau, die soeben ihren Namen genannt hatte, tauchte hinter einer Häuserecke auf. Beide glichen sich wie ein Ei dem anderen. Die gleichen Lippen, die gleichen Nasen, die gleichen braunen, wachen Augen. Nur die Länge ihrer dunklen lockigen Haare war unterschiedlich und die Kleidung, die sie trugen.

„Sami!“, begrüßte Alexandra ihre Zwillingsschwester mit einem warmen Lächeln. Sie lief ihr entgegen, um sie fest in die Arme zu schließen.

„Es tut gut, Dich wiederzusehen.“, seufzte Samantha und drückte Alex ein Stück von sich weg, um sie genau betrachten zu können. „Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte. Ich dachte Du kommst erst nächste Woche an…“

„Immer mit der Ruhe. Ich hätte auch warten können… Erzähl erst mal, wie’s Dir geht.“, wollte Alex wissen. Über drei Jahre hatten sie sich nun nicht mehr gesehen. Höchstens einmal eine kurze Nachricht voneinander erhalten, denn Alexandra war im Rahmen eines Austauschprogramms im sogenannten ‚Stargate-Universum’ gewesen.

Während Sam zu erzählen begann, ging sie ihrer Schwester voraus in das Gebäude hinein und führte sie den Korridor entlang zu einem Lift. Auf Etage 8 entließ er die beiden Frauen in einen weiteren Flur von wo aus Sam Alex zu einer stahlgrauen Tür brachte. Sie unterbrach ihre Erzählung und meinte: „Tja, das ist es. Ist nicht groß, aber Dein Kram hat locker rein gepasst.“

Alex legte ihre Hand auf eine dafür vorgesehene Schaltfläche und sagte: „Genehmigung Black – Alpha alpha acht eins drei.“ Ohne weitere Verzögerung öffnete sich die Tür. Dahinter verbarg sich ein einzelner Lagerraum, in dem gesammelt in fünf Kisten die gesammelten Habseligkeiten der Zurückgekehrten warteten.

Sie besaß keine Wohnung auf der Erde, wie ihre Schwester, die hier in einer medizinischen Forschungseinrichtung arbeitete. So hatte sie ihre persönlichen Sachen in einem von der Sternenflotte gestellten Lagerraum unterbringen müssen, als sie in das fremde Universum aufgebrochen war. Samantha hatte sich darum gekümmert und Alex war ihr sehr dankbar dafür.

Alex öffnete gleich die zweite Kiste und förderte ein paar Kleinigkeiten, darunter auch eine Uniform, zutage, die sie wahllos in die mitgebrachte Tasche stopfte. Dann verschloss sie die Kiste wieder sorgfältig und wandte sich Sam zu. „Fertig. Mehr brauch ich jetzt nicht. Die Sachen werden morgen wohl schon abgeholt.“, erklärte sie.

„Morgen? Du kriegst nicht mal ein paar Tage Pause? Weißt Du schon, wohin Du versetzt wirst?“, sprudelten die Fragen aus Sam nur so heraus.

Alex grinste sie an und vergewisserte sich, dass auch der Lagerraum sicher verschlossen war. Dann machten sich beide auf den Weg zu einem nahe gelegenen Transporter, der sie nach Brisbane bringen sollte, wo Sam wohnte.

„Also“, begann sie, um die Fragen nacheinander zu beantworten, „zu Deiner ersten Frage: Ja, schon morgen. Ich werde aber erst übermorgen abreisen. Ein bisschen Pause hatte ich schon auf dem Flug hier her – ich war zwei Wochen unterwegs. Und ich werde noch eine Woche frei haben, auf dem Weg nach Deep Space Nine, wo ich schließlich auf die Katana gehen werde.“

„Die Katana…“, echote Sam und ließ die Nachrichten, die sie zuletzt über das Schiff gehört hatte, kurz Revue passieren. Seit man neben dem eigenen noch andere Universen entdeckt hatte und das Katana-Projekt gestartet war, machte das Schiff gelegentlich Schlagzeilen. Auch hatte Sam einmal bei einem Vortrag den Wissenschaftschef der Katana, Dr. Lazarus, kennen gelernt, wie sie sich erinnerte.


Für einen Moment blieb Alexandras Blick auf ihrem Spiegelbild hängen. In einer Stunde würde sie mit einem Runabout zur USS Bernstein aufbrechen, welche sie schließlich nach DS9 bringen sollte. Aus diesem Grund, hatte sie bereits jetzt ihre Uniform angelegt und betrachtete sich prüfend im Spiegel.

Seltsam, dachte sie. Wie ungewohnt ihr zur Zeit noch der Anblick von Leuten in Sternenflottenuniform vorkam. Die Tok’ra trugen keine Uniformen. Es gab keine Kleidungsvorschriften und man hätte mit einem Huhn auf dem Kopf herum laufen können, ohne dass es jemandem seltsam vorgekommen wäre... naja, vielleicht doch.

Sie schüttelte schnaubend den Kopf und wandte sich schließlich mit einem Lächeln von ihrem Spiegelbild ab und der Life-Version davon – Sam – zu. „Fehlt nur noch der Kommunikator. Den bekomm ich auf der Katana.“

Ihre Schwester nickte. „Schade, dass Du schon weg musst. Ich hab noch soooooo viel zu erzählen.“, erklärte sie sehnsüchtig und breitete dabei die Arme weit aus.

Die beiden umarmten sich, denn Alex war bereits spät dran und musste sich beeilen. „Ich weiß, ich auch.“, antwortete sie. „Aber jetzt bin ich zumindest nicht mehr so weit weg. Oder besser gesagt – wenn ich so weit weg bin, dann sicher nicht mehr so lange am Stück.“

Noch einmal drückte sie Sam fest an sich und sagte: „Ich hab Dich lieb. Pass auf Dich auf!“

Sam lächelte. „Ich Dich auch. Komm gut an.“


Mit langen Schritten, die den Elan der Frau verrieten, betrat Rebecca Rogers, so wie an unzähligen Morgen zuvor, den großen Konferenzraum im Hauptquartier der Sternenflotte. Es war früh, so wie meistens. Sie trat an den Platz am Rednerpult und nickte den versammelten Admirälen kurz zu, bevor sie mit ihrem Vortrag begann.

„Wie Ihnen bereits bekannt ist, hat sich durch das Wurmloch am Rande des cardassianischen Raums ein neuer Unruheherd geöffnet. Aus einem uns bisher unbekannten Universum dringen roboterartige Wesen zu uns vor. Sie stellen eine hohe Gefahr für uns dar. Es gelang ihnen in einem Gefecht, die Hanoi zu zerstören. Einige andere unserer Schiffe wurden schwer beschädigt“, sagte sie und strahlte dabei eine Ruhe aus, die sie eigentlich so in dem Maße nicht empfand.

Ihr antwortete allgemeines Nicken aus den Reihen der hochdekorierten Flottenoffiziere. Sie waren ausnahmslos anwesend gewesen, als sie vor kurzem die Ereignisse geschildert hatte. Sie hatte weitere Nachforschungen durch den Nachrichtendienst, den sie hier repräsentierte, angekündigt. Nun waren die Nachforschungen wohl abgeschlossen.

„Der obsidianische Orden betrachtet das Wurmloch ebenfalls als Bedrohung. Die Cardassianer haben sich zur Zusammenarbeit in dieser Sache mit uns bereit erklärt“, sagte sie, winkte jedoch sofort ab, als die Admiräle ihre Verwunderung zum Ausdruck bringen wollten. „Im Klartext bedeutet dies, daß wir einen festen Flugkorridor durch das Gebiet der Cardassianischen Union bekommen, mehr nicht. Ihnen ist sicherlich genauso bewußt wie mir, daß die Cardassianer sich noch mitten im Aufbau befinden. Die Kontakte werden zunächst zwischen mir und einem entsprechenden Beauftragen des Ordens laufen. Ob diese Allianz von Dauer sein wird, wird sich noch zeigen“, fügte sie hinzu.

Damasco Gabrielle warf einen Blick auf den Monitor neben Captain Rogers. Er zeigte eine Karte des Raumgebietes, in dem sich das neu entdeckte Wurmloch befand. In seinem Gehirn begann es sofort ob der neuen Informationen zu rattern. Nach dem, was Rogers letzte Woche vorgetragen hatte, handelte es sich bei dem Wurmloch um ein multiples. Wie es entstanden war, und über wieviele Öffnungen in andere Universen es verfügte, wurde noch untersucht. Derzeit ging man von wenigstens 4 Öffnungen aus. Eine große Bedrohung für den gesamten Quadranten.

Schließlich blieb sein Blick auf einem Planetensystem in unmittelbarer Nähe des Wurmlochs hängen. Sein vierter Planet gehörte gerade so noch der Klasse M an. Heiße Tage, kalte Nächte, ein Klima ähnlich dem der Wüste Sahara. Aber eben doch noch bewohnbar. Insgesamt glich er Vulkan. Soweit er wußte, war der Planet jedoch abgesehen von der heimischen Flora und Fauna unbewohnt.

Er zeigte auf die Position des Planetens und sagte: „Wir brauchen dort einen Außenposten“, womit er wieder einmal eine heftige Diskussion auslöste. „Zu hohe Ressourcen“, „Verschlechterung der Beziehungen zu Cardassia“ und „Bei dem Klima nicht möglich“, waren die häufigsten Äußerungen der anderen Admiräle. Aber da sein Wort nach wie vor Gewicht hatte, verstummten die Zwischenrufe langsam. Sie hatten einen freien Planeten am Wurmloch und auch einen Zugang dorthin. Die Föderation mußte vor der Bedrohung durch die Zylonen geschützt werden, und daß dies ohne einen festen Stützpunkt dort nicht möglich war, das war allen Anwesenden im Grunde genommen auch klar.

Über eine Stunde später verließ Rebecca Rogers schließlich den Konferenzraum. Der Außenposten auf Gemini IV war beschlossene Sache. Sie würde umgehend ein Gespräch mit Karoma Atreides vom obsidianischen Orden führen müssen.


Natall war auf dem Weg zur Brücke, oder viel mehr auf dem Weg zu ihrem Bereitschaftsraum. Ein eingehender Ruf von Damasco Gabrielle. Ein Ruf, der ihr bereits vor zwei Tagen von Toreen angekündigt worden war. Diese Ankündigung wiederum hatte zu einem längeren Gespräch zwischen ihr und ihrer Nummer Eins geführt.

Die Trill war noch immer im Dunkeln über den Inhalt des Gesprächs. Das alleine hätte sie nicht gestört, wäre sie sich nicht sicher gewesen, dass Toreen das Thema bereits kannte. Er hatte sich jedoch beharrlich geweigert, sie darüber zu informieren. Und Natall wiederum erwartete von ihrer Crew in derlei Angelegenheiten absolute Offenheit.

Zischend öffneten sich die Türen des Turbolifts und entließen die Captain auf die Brücke, was auch sogleich von einem der Anwesenden mit dem üblichen „Captain auf der Brücke“ kommentiert wurde.

Natall ließ ihren Blick kurz über die Brücke schweifen. Sie hätte erwartet, dass Toreen – sonst meist überkorrekt – sofort von ihrem Platz aufgestanden wäre. Doch er war, wie doch recht häufig in letzter Zeit, in das in die Armlehne eingelassene Display vertieft und hob nur leicht den Kopf. Die Trill schluckte den darüber aufkeimenden Ärger hinunter. Der Ruf hatte Vorrang. Und so schritt sie gleich weiter in ihr kleines Büro – froh, dass der Türmechanismus inzwischen wieder funktionierte.

Schwungvoll setzte sie sich hinter ihren Schreibtisch und zog das Kommunikations-Display näher zu sich heran. Ein Tastendruck genügte, um die eingegangene Verbindung zu aktivieren.

„Captain“, begrüßte Gabrielle die Trill mit einem knappen Kopfnicken. Natall tat es ihm annähernd gleich und fügte ihrer eigenen Begrüßung gleich die Frage an „Was gibt es?“

Über Gabrielles Gesicht huschte ein amüsiertes Lächeln. Er hatte fast schon damit gerechnet, dass Geodis keine Umschweife machen würde und gleich wissen wollte, worum es ging. So zögerte er auch nicht weiter und begann seine Erklärung: „Ich habe neue Informationen über unser weiteres Vorgehen und damit einhergehend auch einige 'Anforderungen' an Sie.“

Er erzählte zunächst von der Besprechung der er noch vor wenigen Stunden beigewohnt hatte. Der Aufbau einer Station zur Sicherung des Wurmlochausgangs auf cardassianischer Seite würde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Es war gut möglich, dass die Katana nach ihrem baldigen Ausflug ins Galactica-Universum den Aufbau der Station mit absichern würde. Vielleicht.

„Wie auch immer“, schloss Gabrielle, „die wollen Lincoln dort haben.“ Er beobachtete Geodis um abschätzen zu können, wie oder was sie darüber dachte.

„Verstehe“, äußerte sie. Begeistert war sie davon nicht. Zwar hatte sie vor einigen Wochen bereits jemanden zu seiner Unterstützung angefordert. Lincoln kam mit seinen zwei Aufgaben als Sicherheitschef und Teamleader der Elite Force hervorragend zurecht. Dennoch hielt Geodis es für besser jetzt die beiden Aufgaben zu trennen, anstatt das erst dann zu tun, wenn ihnen in einem Kampf oder einer sonstigen brenzligen Situation bewusst gemacht wurde, dass dies notwendig war. Nicht zu vergessen, dass Lincoln dadurch teilweise mehr Überstunden auf seinem Konto zu verbuchen hatte, als jeder andere.

Ihn dann aber gleich ganz aus ihrem Führungsstab zu verlieren, hatte sie weder gehofft noch beabsichtigt. Gleichzeitig war ihr aber auch die Wichtigkeit einer solchen Station klar, wie sie angestrebt wurde und als Taktiker war vermutlich niemand besser für diesen Job geeignet als Frank Lincoln.

Nachdenklich zog Natall die Stirn kraus. „Während der Galactica-Mission bleibt er noch an Bord?“, vergewisserte sie sich.

Gabrielle nickte. „Korrekt. Er wird noch genug Zeit haben die Elite Force an Lieutenant Black zu übergeben. Und Sie können in aller Ruhe einen neuen Sicherheitschef auswählen. Einige Akten schicke ich Ihnen gleich im Anschluss an die Übertragung. Die aktualisierte Akte von Lieutenant Black ist ebenfalls dabei. Sie ist im übrigen schon auf dem Weg zu Ihnen…“

„Ich weiß“, versetzte Geodis. „Man hat mich darüber informiert, dass sie schon morgen hier sein wird.“


Fast eine Woche hatte der Flug nach DS9 gedauert. Viel Zeit, in der Alex Black sich hauptsächlich mit lesen und dem obligatorischen Training beschäftigt hatte. Alles in allem hatte es einfach genug gegeben, was die junge Frau davon abgehalten hatte, sich konkrete Gedanken über ihre Ankunft auf dem neuen Schiff zu machen. Nun jedoch trat sie in den Transporterraum der Bernstein. Man würde sie auf die Katana beamen, denn die Bernstein flog quasi nur vorbei, ohne auf DS9 einen Zwischenstop einzulegen.

„Aufgeregt?“, fragte der Transporterchief verschmitzt. Doch er deutete Alex’ leichtes hin und her tribbeln von einem Fuß auf den anderen falsch.

„Ein bisschen“, verriet sie. „Aber neugierig und gespannt würde es eher treffen.“ Und doch mischte sich eben ein bisschen Aufregung dazwischen. Die Katana war schließlich ein sehr großes Schiff. Wesentlich größer als die Maryland, auf der Alexandra zuletzt Dienst getan hatte, ehe das Austauschprogramm begonnen hatte. Die Maryland war ein Schiff der umgebauten Nebula-Klasse gewesen, das inzwischen längst ausgemustert worden war.

Für einen kurzen Moment keimten viele Erinnerungen an das alte Schiff auf, auf dem sie vieles erlebt hatte. An die Freunde, die sie dort gefunden hatte; an Cole… Sie erlaubte sich nicht, dass sie weiter in diese Erinnerungen abdriftete und fokussierte ihren Blick auf den Transporterchief. Routinemäßig checkte er seine Konsole noch einmal durch. Das tat er nun zwar bereits zum vierten Mal seit Alex den Raum betreten hatte, aber viel mehr gab es für ihn im Augenblick auch nicht zu tun.

„Wie lange noch?“, wollte sie wissen. Weniger weil sie so ungeduldig war, als in der Hoffnung die paar Minuten noch mit einem kurzen Gespräch überbrücken zu können. Auch wenn es nur die banale Frage nach der Restdauer ihrer Reise an Bord der Bernstein war.

„Wir sind in drei Minuten in Reichweite.“, antwortete der Chief lächelnd. Offensichtlich war dem jungen Offizier ebenfalls danach die Zeit noch zu überbrücken. „Haben Sie eigentlich nicht mehr Gepäck?“, fragte er daher.

„Doch, aber das sollte bereits auf der Katana angekommen sein. – Hoffe ich zumindest.“, antwortete Alex. „Es ist mit einem Versorgungs-Transporter letzte Woche nach DS9 gebracht worden.“

„Ah“, der Chief nickte verstehend. „Die Versorgungsschiffe haben ja ihre ganz eigenen Routen. Dann sind die Sachen sicher schon da.“ Seine Finger huschten beständig über seine Konsole mit der er den Status überwachte und die Anzeigen aktualisierte. „Und da sind wir auch schon.“, meinte er kurze Zeit später, was die Lieutenant dazu veranlasste, endgültig auf die Transporterplattform zu steigen.

„Viel Glück.“, wünschte der Chief, nachdem Alex den obligatorischen „Energie“-Befehl gegeben hatte, der signalisierte, dass sie bereit war, hinüber gebeamt zu werden.

In einem Reigen bunten Glitzerns entmaterialisierte sie auf dem einen Schiff und erschien fast augenblicklich auf dem anderen. Rasch wurden die Umrisse des Katana-Transporterraums deutlicher und mit ihm auch die beiden Personen, die die neue Elite Force-Leaderin an Bord der Katana empfingen: Captain Geodis hatte es sich nicht nehmen lassen, das neue Crewmitglied persönlich hier willkommen zu heißen, auch wenn ihre Zeit nur knapp bemessen war. An ihrer Seite wartete Frank Lincoln, der Lieutenant Black schon bald einarbeiten sollte.

Als der Transportvorgang beendet war, straffte sich Blacks Haltung. Sie hatte die Vorgesetzte erkannt. „Bitte um Erlaubnis, an Bord kommen zu dürfen“, sagte sie förmlich.

Natall nickte ihr leicht zu. „Erlaubnis erteilt“, erwiderte sie. Sie wartete, bis die junge Offizierin von der Plattform getreten war und meinte: „Willkommen an Bord, Lieutenant Black. Ich bin Captain Natall Geodis und dies ist der Sicherheitschef Frank Lincoln.“

Die drei begrüßten einander, ehe Geodis fortfuhr. „Mr. Lincoln ist auch ihr Vorgänger als Elite Force-Leader und wird sie daher ein wenig in dem Gebiet einweisen.“


Der erste Stop an Bord war für Alex Black ihr Quartier. Lieutenant Commander Lincoln hatte angekündigt sie zum anberaumtem Briefing hier abzuholen und ihr schließlich kurz das Schiff zu zeigen, bevor ein erstes Training mit den Elite Force-Teams geplant war.

Bis dahin blieben ihr jedoch noch fast zwei Stunden. Zeit, um die Kisten auszupacken, die schon mitten in dem Quartier gestapelt standen. Die schwarze Schultertasche, die einige wenige Freizeitkleider enthielt, wurde das erste Opfer ihrer Auspackwut, welcher sie sich ohne weitere Umschweife hingab. Einzige Unterbrechung stellte das kurze Aktivieren ihrer Musikauswahl dar – Rock- und Pop-Musik aus den letzten 300 Jahren, dazwischen wenige instrumentale Stücke.

Zwar war die junge Frau alles andere als ein Ordnungsfanatiker, aber jetzt wo sie endlich an Bord war, wollte sie sich so schnell wie möglich hier einleben. Schon in den nächsten Stunden sollte aus dem unpersönlichen und noch leeren Quartier ihr zu Hause werden. Das bedeutete neben dem Auspacken an sich, dass die meisten Möbel einen neuen Platz brauchten, oder zumindest ein Stück verschoben werden mussten. Und natürlich bekamen die persönlichen Dinge, wie zum Beispiel die 37 Kerzen aus Alexandras umfangreicher Sammlung, ihren eigenen Platz.

Als sie, um zunächst die Möbel in Position zu bringen, die Kisten aus dem Weg schob – sie musste sich dabei mit aller Kraft dagegen stemmen, denn einige der Kerzen darin waren nicht unbedingt klein – fühlte sie sich unwillkürlich an den letzten Umzug erinnert. Damals war sie auf der Maryland mit ihrem Verlobten Cole in ein gemeinsames größeres Quartier gezogen. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, die Möbel persönlich umzustellen und Cole und sein bester Freund, der bei der Aktion geholfen hatte, standen daneben. „Tja“, hatte Liam sich einen Kommentar nicht verkneifen können, „ich habe es Dir ja gesagt.“ Er hatte Cole auf die Schulter geschlagen und mit der anderen Hand auf Alexandra gedeutet. „Das ist typisch weibliches Verhalten. Aber immer wieder interessant das Weibchen beim Nestbau zu beobachten.“

Das Quartier, wie sie es damals eingerichtet hatte, war in etwa das, was Alex auch für dieses vorschwebte. Zwar war dieses Einzelquartier natürlich ein wenig kleiner, aber dennoch würde es sich zumindest sehr ähnlich umsetzen lassen.

In der ersten Kiste verbarg sich ein großer Stapel von Kissen. Denn wenn es neben den Kerzen etwas gab, wovon sie viel brauchte, dann waren es Kissen. In Alex’ Augen waren Kissen nicht nur zum Platz füllen auf dem Sofa geeignet, sondern auch zum Knuddeln, drücken, hineinsinken und nicht zuletzt durch die Gegend werfen, wenn man sich abreagieren musste. Letzteres vor allem auch deshalb, weil man eben nicht immer mal schnell auf’s Sportdeck rennen und dort in den Ring steigen konnte. Alex grinste innerlich. Mehr als einmal hatten ihre geliebten Kissen Federn gelassen, wenn sie sie quer durch den Raum geschleudert hatte. Meist war das der Fall, wenn sie sich über sich selbst und ihre Leistungen aufregte. Obwohl sie über eine durchaus gesunde Portion Selbstvertrauen verfügte, war sie selten mit ihren Leistungen absolut zufrieden und bewahrte sich somit den Ehrgeiz, sich weiter zu verbessern und zu steigern. Und wenn das eben einmal langsamer ging als erwartet, mussten ihre Kissen herhalten…

Das letzte Kissen, dem man den ein oder anderen Wutausbruch durchaus ansah, fand seinen Platz auf einem Sessel in der Ecke. Dann kamen die beiden nächsten Kartons an die Reihe. Beide waren mit Kerzen gefüllt. Davon hatte sie bei weitem nicht alle mitgebracht, denn viele lagerten schon seit Jahren in einer Vitrine bei ihrer Schwester. Einige waren nicht einmal mehr die Originale, sondern nur replizierte Fälschungen, weil die echten Kerzen bei einem Kampf, in den die Maryland verwickelt gewesen war, zerstört worden waren. Ohne groß darüber nachzudenken verteilte sie die Objekte ihrer Sammelleidenschaft auf Kommoden, Tisch und ein Regal.

Das Regal schließlich wurde zusätzlich von den in Kiste Nummer 4 verstauten Büchern eingenommen. Einige als digitalisierte Version, die sich unter einem altmodischen Cover verbarg, oder auch echte auf Papier gedruckte Lektüren. Bei den meisten handelte es sich um Krimis, aber dazwischen waren auch Nachschlagewerke zum Thema ‚Kampfkunst im 24. Jahrhundert’ und dergleichen zu finden und außerdem zwei Skizzenbücher.

Alex rieb sich die Hände und warf einen Blick auf den letzten Karton. Er war nicht so schwer wie sein Vorgänger und ließ sich leicht unter der leeren Kiste, die darauf stand, hervorziehen. Sein Inhalt waren die restlichen Kleidungsstücke, die Alex nicht mit ins ‚Handgepäck’ hatte nehmen wollen. Einige Uniformen, Trainingssuits unter den Freizeitsachen, die sie nicht mit ins SG-Universum hatte nehmen können. Dazwischen gut und sicher verstaut, einige Fotos von ihrer Familie. Auf der Kommode im Wohnbereich fand ein Foto Platz das ihre ganze Familie zeigte. Die Eltern, die Großmutter und natürlich die Zwillinge. Gleichzeitig war es das jüngste Bild das sie von der Familie besaß. Es war kurz vor ihrem Aufbruch zum Austauschprogramm gemacht worden. Ein anderes Foto zeigte sie mit Samantha Seite an Seite während eines Sommerurlaubs beim Picknick. Dieses Foto hatte sie gleich zwei Mal, denn es sollte nicht nur im Wohnbereich stehen, sondern auch auf die kleinere Kommode ins Schlafzimmer, wo es neben dem letzten Foto einen Ehrenplatz erhielt.

Cole war derjenige, der sie von dem letzten Foto anlächelte. Liebevoll strich sie am Rahmen entlang, und betrachtete die weichen Gesichtszüge ihres verschwundenen Verlobten.

Dann riss die Türklingel sie aus den aufkeimenden Erinnerungen. Ein Blick zur Uhr verriet der neuen Elite Force-Leaderin, dass es Lincoln sein musste, der sie zu dem anberaumten Briefing abholte. Wer sollte es auch sonst sein? Noch kannte sie niemanden an Bord, der sie hätte besuchen können.

„Herein“, gab sie dem Computer den Befehl zu öffnen. Das vertraute Zischen der Tür wurde durch die vor dem Eingang gestapelten, inzwischen leeren Kisten gedämpft und Alex hörte das leise Geräusch, mit dem der Sicherheitschef seine Überraschung zum Ausdruck brachte.

„Lieutenant Black?“, fragte er etwas zaghaft und versuchte über die Kartons hinweg sehen zu können.

„Bin schon da.“, antwortete Alex und wuselte herbei. Die Kunststoffkartons verfügten alle über einen flachen grauen Knopf an der Seite. Gedrückt von der Person mit den richtigen Fingerabdrücken – und die gehörten in diesem Fall zu Alexandra – schienen die Kisten förmlich ineinander zusammenzufallen, bis nur noch kleine 10 cm³ große Würfel übrig waren, die leicht zu verstauen waren.


„Sag mal, möchtest Du unbedingt im Rollstuhl landen?“, fragte Winnie entgeistert. Seine Patientin ließ sich jedoch nicht beirren und kletterte weiter von ihrer Bioliege runter. „Ich kann nicht den Rest meiner Tage hier verbringen, Winnie“, erklärte Seeta und stellte sich auf ihre Beine. Ein Stechen in ihrem Rücken machte ihr eindrucksvoll deutlich, wie stark die Verletzung gewesen war, die sie sich während des Gefechts am Wurmloch zugezogen hatte.

Der Arzt sah davon ab, sie mit Gewalt wieder auf die Liege zu verfrachten, die sie gerade verlassen hatte, stattdessen versuchte er erneut mit Engelszungen auf sie einzureden. „Wir haben gerade erst mit der Reha angefangen. Wenn Du jetzt zu viel und falsch machst, dann könnte sich schneller ein Rückschlag ergeben, als Du denkst“, beharrte er. „Ich bin jetzt seit fast vier Wochen hier“, sagte sie, und hielt ihm vier der Finger ihrer linken Hand unter die Nase. „und Du hast gesagt, ich würde gute Fortschritte machen“, fügte sie hinzu.

„Aber so große Fortschritte nun auch wieder nicht. Du bleibst auf der Krankenstation, im Notfall mache ich einen Befehl daraus“, drohte er. Sie grinste ihn zur Antwort an. „Das sagst Du doch nur, weil Du Dich ohne mich hier langweilen würdest“, stellte sie dann eine ihrer üblichen wahnwitzigen Behauptungen auf. Er verdrehte die Augen. „Natürlich unterhalte ich mich gerne mit Dir, aber es geht mir hier in erster Linie um Deine Genesung und nicht um mein Vergnügen“, stieg er auf ihren Scherz nicht ein.

„Ob es Dir nun paßt oder nicht. Ich gehe jetzt in den Maschinenraum und sehe mir die Schaltkreise dieses Toasters an, den Maggie erlegt hat. Wir fliegen bald ins Territorium der Biester und da brauchen wir jede Information, die wir brauchen können. Mein Technikerstab ist sehr gut, aber es wäre sicherlich von Vorteil, wenn ich mir das Ding auch einmal ansehe“, argumentierte sie. Eine Argumentation, der er nicht viel entgegensetzen konnte. „Was wirst Du denn noch nutzen, wenn Du einen Rückfall erleidest und Deine Wirbelsäule dieses Mal nicht so gut heilt?“, hielt er lediglich entgegen.

Sie war bereit einen Kompromiß einzugehen. „Ich bin in zwei Stunden wieder hier und lege mich brav wieder auf meine Liege“, versprach sie. Er seufzte. Er hatte in den vergangenen Wochen genügend Gelegenheit gehabt, Miss Yadeel kennenzulernen. Und er hatte herausgefunden, daß sie über ein ausgesprochen willensstarkes, um nicht zu sagen starrköpfiges Wesen verfügte. Aber gerade das machte sie so interessant. Das und diese fast leuchtenden gelben Augen unter schwarzem Haar.

Er wußte, wann er sich auf direktem Wege nicht durchsetzen konnte und versuchte es daher auf einem anderen Weg. „Na, meinetwegen. Du bist in einer Stunde wieder hier, verstanden?“, sagte er. Wie lange konnte sie sich in der Zeit schon in gebückter Haltung über dem Zylonen hängen? Sie mußte den Maschinenraum erreichen und dann würde sie sicherlich erstmal mit ihren Technikern über alles mögliche reden müssen. Maggie würde ihr nochmal erzählen, was sie bereits herausgefunden hatte und dann war die Stunde sicherlich auch bald rum.

Sie nickte. „Einverstanden“, erklärte sie. „Und keine Klettereien auf Leitern, oder dergleichen, klar?“, hängte Winnie an. Sie grinste, machte einen albernen Knicks, wie kleine Kinder ihn machen und sagte: „Jawoll, der Herr Doktor!“ Dann wandte sich von ihm ab, um die Krankenstation zu verlassen. Er schmunzelte und ging dann hinüber in sein Büro. Zeit sich mit den Lagerbeständen zu befassen, die er seit ihrem Eintreffen hier immer wieder hinausgeschoben hatte.


„Gib mir mal bitte den Phasenumwandler rüber“, verlangte Seeta Yadeel. Bisher hatten die Nachforschungen der Technikercrew keine Ergebnisse gebracht. Sie hatte die Daten bereits auf der Krankenstation durchgesehen gehabt und auch keinen plausiblen Grund gefunden, aus dem der Impuls des Phasenumwandlers die Schaltkreise des Zylonen hatte zusammenbrechen lassen. Aber genau das mußte passiert sein. Das war auch der Grund gewesen, warum sie unbedingt in den Maschinenraum zurückgewollt hatte. Ihre Neugierde und vor allem ihr beruflicher Ehrgeiz waren geweckt worden. Sie würde herausfinden, was mit dem Ding passiert war, selbst wenn es sie Jahre kosten würde.

Es war quasi unmöglich, daß das unscheinbare, kleine Gerät verantwortlich war. Die üblichen Spezifikationen hatten keinerlei Zusammenhang mit dem Zylonen. Und wenn es nicht an dem Zylonen lag und nicht an einem Normgerät, dann war an diesem vielleicht irgendetwas anders. Also spannte sie das Gerät in die Diagnoseeinheit vor ihr ein und studierte aufmerksam die Zahlenkolonnen, die ausgespuckt wurden. Für jeden x-beliebigen wäre dies des reinste Kauderwelsch gewesen, nicht so für die beiden Technikerinnen, die hier standen.

„Er weicht von der Norm ab. Wenn ich damit an eine Plasmaleitung gegangen wäre, wäre sie mir um die Ohren geflogen“, stellte Maggie verwundert fest. Sie war erstaunt ob des ungewöhnlichen Gedankenganges ihrer Vorgesetzen. Auf der anderen Seite war die kleine und zierliche Zanderianerin schon immer eine Anhängerin der „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muß der Berg eben zum Propheten kommen“-Einstellung gewesen. Und so dachte sie auch jetzt in andere Richtungen, als der Rest der Technikercrew es getan hatte.

Diese zeigte mit dem Finger erst auf eine der Zahlen, dann auf eine andere und gab eine erneute Abfrage ein, die ähnlich erfreuliche Ergebnisse zustande brachte. Die Frequenz des Gerätes war eine völlig andere, als sie eigentlich sein sollte.

Das Piepsen des Kommunikators an Seetas Brust riß die beiden Frauen aus ihren Überlegungen. „Maddigan an Yadeel“, ertönte die dunkle Stimme des Bordarztes. Seeta zog ein Gesicht und duckte sich unwillkürlich. „Yadeel hier“, antwortete sie kurz darauf. „Miss Yadeel, Sie wollten bereits vor fünf Minuten wieder auf der Krankenstation sein“, merkte Winnie an, den Tadel in seiner Stimme unüberhörbar.

„Ich bin auf dem Weg“, gab sie zur Antwort, und deaktivierte den Kanal, bevor er weitere Rügen verteilen konnte. Sie richtete sich vorsichtig aus der gebückten Haltung auf und preßte ihre Hände sofort auf ihren Rücken. Es tat fürchterlich weh. Scheinbar war sie nur halb so einsatzbereit, wie sie es gerne gewesen wäre. Sie unterdrückte einen Seufzer und meinte: „Ihr habt ja jetzt einen Ansatzpunkt, an dem ihr weitermachen könnt. Halt mich auf dem Laufenden, Du weißt ja, wo Du mich die nächsten Wochen antreffen kannst“ Dann drehte sie sich herum und machte sich auf den Rückweg auf ihr Krankenlager.


Es war verhältnismäßig spät als Winnie Maddigan sein Quartier betrat. Die Kinder lagen schon im Bett. Eigentlich hatte er nicht so viel zu tun, daß er so lange hätte arbeiten müssen, aber im Moment mied er sein Heim förmlich. Er wußte nicht so recht warum, aber in den vier Jahren seitdem er mit seiner Familie an Bord des Schiffes gekommen war, hatte sich viel verändert. Er selber hatte sich verändert und damit auch seine Beziehung zu seiner Frau. Gerade in letzter Zeit erschien ihm alles irgendwie hohl. Nach außen hin war alles prima, aber unter der Oberfläche stimmt irgendetwas definitiv nicht.

Sein Quartier war inzwischen völlig wiederhergestellt worden. Eleyne saß am Eßtisch, neben ihr mal wieder Adana Lazarus. Er konnte sich kaum noch erinnern, wann er die beiden Frauen nicht beeinander gesehen hatte. Sie waren enge Freundinnen geworden. Manchmal hatte er es leid. Neben den Kindern, der Arbeit und ihren Freundinnen blieb für ihn scheinbar kaum noch Zeit. Wenn er ehrlich war, mußte er jedoch zugeben, daß es bei ihm auch nicht viel anders war. Er vergrub sich in letzter Zeit viel zu sehr in seiner Arbeit, anstatt mit seiner Frau offen über seine Gefühle zu sprechen.

Winnie ging zu seiner Frau hinüber, bückte sich, gab ihr einen Kuß auf die Wange und sagte liebevoll „Guten Abend, Liebes“, wie er es seit 14 Jahren jeden Abend tat. Freundlich lächelte er Adana an. „Hast Du schon gegessen, Winnie?“, wollte sie von ihm wissen. Er nickte und ging dann hinüber ins Schlafzimmer, um sich seiner Uniform zu entledigen. Nachdenklich hing sein Blick einen Moment lang auf dem Bett, das er nach wie vor mit seiner Frau teilte. Sie war noch immer eine Schönheit, aber viel hatte sich in diesem Bett in der letzten Zeit nicht mehr abgespielt.

Er fuhr sich nochmal durchs Haar und zog seine Zivilkleidung gerade. Dann ging er zurück hinüber in den Wohnbereich. Adana Lazarus war inzwischen gegangen, seine Frau saß am Eßtisch, ganz in ihre Arbeit vertieft. Er fühlte einen kleinen Stich in seinem Herzen. Dann setzte er sich neben sie, warf ihr ein Lächeln zu, als sie kurz zu ihm aufsah und zog sich dann ein Padd mit einem Fachartikel heran.


„Geht das nicht etwas weniger schmerzhaft?“, keuchte Seeta. „Du bist selber Schuld. Ich hab Dir gesagt, bleib auf Deinem Krankenbett, aber wolltest Du auf mich hören?“, fragte Winnie Maddigan die Chefingenieurin, die vor ihm auf dem Boden im Trainingsraum des Schiffes lag, die Hände hinter ihrem Hals verschränkt, die Ellbogen neben dem Kopf nach oben gerichtet. „Wenn ich noch einen einzigen Tag faul auf der Krankenstation rumliege, werde ich das gesamte Schiff auseinander und anschließend wieder zusammenbauen“, moserte sie, während sie ihren rechten Ellbogen erneut in Richtung ihres linken nach oben gestreckten Knies führte, sich dann nach rechts bewegte und sich schließlich wieder in ihre Ausgangsposition zurückfallen ließ. Tröpfchenübung nannte er das – und es tat verdammt weh.

„Ich meine, Winnie, wir leben im 24. Jahrhundert, bestimmt gibt es irgendeine medizinische Gerätschaft, mit der sich der selbe Erfolg erzielen läßt“, keuchte sie, während sie diesmal ihren linken Ellbogen in Richtung ihres rechten Knies führte. Er schmunzelte nur und meinte: „Oft sind die althergebrachten Dinge die besten“, sagte der Mann, während er seine Brille ein Stück die Nase hinauf an die rechte Stelle schob. Eine Aussage, die bei der Technikerin nicht auf fruchtbaren Boden fiel. „Was für ein Quatsch. Wenn es nach Dir ginge, dann würden die Menschen heute noch in Höhlen leben“, schimpfte sie, während sie sich langsam auf den Boden zurücksinken ließ und leise stöhnte.

„Ob Du es nun glaubst, oder nicht“, sagte er, „diese manuellen Übungen helfen mehr als jede maschinelle Anwendung es je könnte. Weil Du nur hierdurch den richtigen Übungseffekt erzielen kannst. Du mußt jetzt lernen, mit Deiner lädierten Wirbelsäule umzugehen. Ich kann Dir leider keine neue anbieten, also wirst Du wohl lernen müssen, auf Dauer mit dem, was Du jetzt hast umzugehen“ Zur Antwort verdrehte sie lediglich die Augen.

„Beine hoch“, kommandierte er, „Du bist noch lange nicht fertig.“ Sie streckte ihre Beine in die Höhe. Sie wußte genau, was jetzt kam. Sie hob ihren Oberkörper an, so weit sie konnte und griff an ihre Fußgelenke, so hoch wie es eben ging. „Noch ein paar Zentimeter höher“, verlangte er. Sie warf ihm einen giftigen Blick zu, kam seiner Aufforderung jedoch nach. „Ich schwöre, Du genießt es, mich zu quälen. Du bist ein Sadist“, zischte sie zwischen ihren Zähnen hervor. Die Antwort bestand in einem strahlenden Lächeln und der Aussage: „Es ist nur zu Deinem eigenen Besten.“ Sie hätte ihn würgen mögen.


Die Katana hatte abgelegt. Langsam blieb Deep Space Nine zurück, denn erst in ordentlichem Abstand zur Station konnte Tomm Lucas das Schiff auf Warp beschleunigen. Die Techniker des Reparaturschiffs hatten ganze Arbeit geleistet. Alles blitzte und blinkte förmlich, alle Systeme funktionierten tadellos. Die Systeme waren mit einer dreifachen Firewall ausgestattet worden, um gegen einen neuerlichen Angriff der Zylonen gewappnet zu sein. Diese Firewall wurde von der neuen Taktikerin des Schiffes, der Elite-Force-Leaderin Alexandra Black peinlich genau überwacht. Sie hatte die Missionsberichte studiert und wußte, worauf es zu achten galt. Alle Schiffe erhielten permanent Fluchtkoordinaten, bei denen sie diese bei Bedarf neu aufsetzen konnten.

Hinter der Katana flogen die Schiffe, die ihr zur Erkundung des neu entdeckten Universums beigestellt worden waren. Man hatte es „Galactica-Universum“, genannt, nach dem Führungsschiff der kleinen Menschenflotte, auf die man hier getroffen war. Neu dabei war die Colombo unter der Führung von Captain Khatereh Salim-Shirazi, einer Frau persischer Abstammung. Das Schiff der Galaxy-Klasse hatte die zerstörte Hanoi ersetzt.

„Mr. Lucas, bringen Sie uns zum Wurmloch“, verlangte Natall, als die Station weit genug zurückgeblieben war. Der Navigator bestätigte den Befehl mit dem üblichen „Aye, Ma’am“, und beschleunigte dann, nachdem er eine entsprechende Bestätigung der übrigen Schiffe erhalten hatte. Natall ließ sich in ihren Sitz sinken. Sie rechnete mit keinen Schwierigkeiten bis zum Eintreffen dort. Sie nahm sich einen kurzen Augenblick, um die Gedanken zu ihrem Sohn abschweifen zu lassen, den sie in Sicherheit auf einem Transport nach Vulkan wußte. Dort war er besser aufgehoben, als auf diesem Schiff, das hatte ihr der erste Einsatz deutlich vor Augen geführt. Und auch wenn sie ihn am liebsten bei sich gehabt hätte, wußte sie, daß ihre Arbeit ihr dies derzeit nicht erlaubte. Aber vielleicht würde sich auf der Basis, die bald gebaut werden würde, eine Gelegenheit ergeben, ihn regelmäßiger zu sehen. Die Katana würde zwangsläufig häufiger hierhin zurückkehren, da das Schiff vermutlich häufiger das neue Wurmloch verwenden würde.


Admiral William Adama, Vater von Lee Adama, der das Kommando über die Pegasus hatte, stand am Fenster seines eigenen Schiffes. Als Befehlshaber über das Schiff Galactica, welche eine kleine Flotte der Menschen führte.

Viel war zur Zeit wirklich nicht von ihnen übrig. Nicht seitdem die Zylonen jenen Planeten aufgespürt hatten, den die Menschen besiedeln wollten. Und es war den Roboterwesen noch immer nicht genug. Ihr Ansinnen war es, alle Menschen zu vernichten. Und so wurden die Galactica und die Pegasus weiterhin gejagt; das Schicksal der Siedler war bisher ungewiss... Genug Probleme, so sagte sich Admiral Adama, um sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Und es mochte ihm nicht passen, dass sein Sohn dem Verband der fremden Schiffe gefolgt war, um ihnen im Kampf gegen die Zylonen beizustehen.

Natürlich konnten sie neue Verbündete brauchen. Aber was nützten einem Verbündete in einer Schlacht, wenn man selbst nicht mehr dabei war?

In einem Nebel versteckt wartete die Galactica nun schon seit mehreren Wochen auf die Rückkehr der Pegasus. Immerhin hatte Lee Nachricht gegeben, dass er den fremden Flottenverband noch für eine kurze Weile begleiten wollte, um später zurück zu kehren. Und vor wenigen Tagen endlich, war eine neue Nachricht eingetroffen, dass man inzwischen auf dem Rückweg war und bald hier sein würde – zusammen mit dieser Flotte.

William Adama war nach wie vor skeptisch, war aber auch überaus gespannt darauf, was für Neuigkeiten sein Sohn mitbringen würde.

Er hatte den Gedanken kaum zu Ende gebracht, als er in weiter Entfernung das schwache Aufleuchten des sich öffnenden Wurmlochs in diesem Universum wahrnahm. Sofort war er wieder voll bei der Sache. Keinerlei Erinnerungen oder was auch immer, würden ihn jetzt ablenken.

Wenige Minuten später betrat er C & C, das Galactica-Äquivalent zu einer Brücke, um herauszufinden, wer oder was soeben durch das Wurmloch gekommen war. Als er schließlich erfuhr, dass das erste Schiff, die Pegasus gewesen sei, war er mehr als nur beruhigt. Nach wochenlangem Warten, war es jedenfalls eine große Erleichterung die Pegasus und ihre Besatzung wohlauf wieder hier zu wissen.

William wandte sich seinem Ersten Offizier zu. „Setzen Sie Kurs auf die Pegasus“, verlangte er, und nur wenig später schob sich das Schiff behäbig aus dem Nebel hervor.