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Friendship A:Log 1
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{{Logbuch | Log = 1 | Staffel = 1 | Autor = Yanas Edan | Titel = Amicus certus in re incerta cernitur | Anfangssternzeit = | Endsternzeit = | Anfangsdatum = | Enddatum = | Inhalt = '''03.06.2387''' Parmen Karnelo betrachtete zufrieden die langsam dahinziehenden Sterne. In der Zwischenzeit hatte er sich an das Reisen im Runabout gewöhnt. HĂ€ufig wurde er von Ensign Tappers, die neben ihm sass, von seinem Heimatplaneten nach Starbase 129 befördert. Einen guten Teil der Reise hatten sie bereits hinter sich gebracht, in etwas mehr als einer Stunde wĂŒrden sie die grosse Station am Rande des Föderationsterritoriums erreicht haben. Der alte Mann freute sich darauf, dass die Kolonien von Adraxia bald ein Bestandteil der grossen Föderation der Planeten sein wĂŒrden. Er war ĂŒber die vergangenen Jahre ein starker BefĂŒrworter eines Beitritts gewesen und hatte massgeblich an der Ausarbeitung der VertrĂ€ge mitgearbeitet, die bald unterzeichnet werden wĂŒrden. Im Grunde genommen war bis auf verschiedene kleine Details alles geklĂ€rt. Und gerade bezĂŒglich dieser kleinen Details hatte er VorschlĂ€ge im GepĂ€ck, die bei der weiteren Einigung helfen wĂŒrden, da war er sicher. Die dunkelhaarige Frau in der Uniform eines Navigators neben ihm warf einen Blick auf die Anzeigen vor ihr, als ein Blinken ihr anzeigte, dass ein unbekanntes Schiff in die Reichweite ihrer Sensoren eingetreten war und sich schnell nĂ€herte. Es befand sich offensichtlich auf einem Abfangkurs zu ihnen. Eine Kennung sandte es jedoch nicht aus. Alina aktivierte den Kommunikationskanal des Runabouts, das sie flog. âDarling an unbekanntes Flugobjekt. Bitte identifizieren Sie sichâ, sagte sie, in der Hoffnung, AufklĂ€rung zu erhalten. Die einzige Antwort bestand jedoch in dem leichten Rauschen, das ihr anzeigte, dass der Kanal zu dem anderen Schiff geöffnet war. Die Navigatorin fĂŒhlte leichte Panik in sich aufkommen. Der Neuankömmling konnte ihnen nichts Gutes wollen, sonst hĂ€tte er auf ihren Ruf geantwortet. Sie beschleunigte das Runabout auf Höchstgeschwindigkeit. Sie war sich jedoch sicher, dass ihr das nicht viel helfen wĂŒrde, denn der vermutete Angreifer war um einiges schneller als sie selber. Sie brauchte UnterstĂŒtzung von der Station. Fieberhaft betrachtete sie, was ihr die Navigationssensoren hergaben. Nur wenige Minuten von hier gab es ein System, das ĂŒber einen AsteroidengĂŒrtel verfĂŒgte. Ihr Runabout war viel wendiger als das grössere Schiff. Wenn sie es bis dahin schaffte, dann gelang es ihr vielleicht den grösseren Angreifer auszumanövrieren und sich im GĂŒrtel zu schĂŒtzen, bis die VerstĂ€rkung eintraf. Parmen warf einen besorgten Blick auf seine Sitznachbarin, die sich inzwischen völlig auf ihre Kontrollen konzentrierte. âFordern Sie bei der Station UnterstĂŒtzung anâ, forderte sie ihn auf. Das andere Schiff hatte inzwischen aufgeholt und war nun nahe genug herangekommen, dass sie erste Scans vornehmen konnte. Die Bauweise erinnerte an die eines leichten Breen-Zerstörers. Das Modell selber war ihr jedoch nicht bekannt. Möglicherweise eine Weiterentwicklung. In weniger als einer Minute wĂŒrde das Schiff in Feuerreichweite kommen. Aber dann wĂŒrde sie auch den Eingang des Systems erreicht haben, in dem sie gedachte, sich zu verschanzen, bis die VerstĂ€rkung eintraf. Parmen aktivierte das Kommunikationssystem des Runabouts. Er hatte Alina oft genug dabei zugesehen, um zu wissen, wie das ging. Der Ă€ltere, grauhaarige Mann fĂŒhlte, wie ihm der Schweiss ausbrach. Er war sein Leben lang Politiker gewesen. Solche Situationen wie diese hatte er sein Leben lang erfolgreich vermieden. Er war kein mutiger Mann, dafĂŒr aber allgemein fĂŒr seine Weisheit auf den Welten seiner Spezies anerkannt. WĂ€hrend Alina in das System einflog, zuckten bereits die ersten Disruptorsalven an dem Runabout vorbei. Die junge Frau war eine gute Pilotin, und so hatte sie geschickte Manöver ausgefĂŒhrt, um dem Angreifer zu entkommen. Sie ging ein hohes Risiko, indem sie so schnell wie es eben ging durch das System in einem Zickzack-Kurs manövrierte. Aber wenn sie das Risiko nicht einging, dann waren sie tot. âDarling an Starbase 129â, sagte der Adraxianer, wĂ€hrend Alina ein weiteres Ausweichmanöver vollfĂŒhrte. Diesmal leider nur mit beschrĂ€nktem Erfolg, denn das Runabout wurde durch einen ersten Treffer durchgeschĂŒttelt. Parmen hielt sich krampfhaft an seinem Sitz fest, um nicht auf den Boden zu fallen. Von den hinteren Sitzen traf ihn seine Tasche, die er dort abgestellt hatte an der Hand. Die kleine Wunde, aus der gelbliches Blut tropfe, beachtete er nicht weiter. âStarbase 129 hierâ, antwortete ihm fast augenblicklich eine Stimme. Alina vollfĂŒhrte ein weiteres Ausweichmanöver, das von ebensowenig Erfolg gekrönt war wie ihr letztes. Die Schilde brachen zusammen und der Rand des Asteroidenfeldes war noch immer nicht ganz erreicht. âWir werden angegriffen und brauchen dringend VerstĂ€rkung!â, rief die Navigatorin in dem Moment, als sie das Asteroidenfeld erreichte, dann musste sie sich wieder voll auf ihre Kontrollen konzentrieren, wĂ€hrend sie zwischen den beiden ersten Asteroiden hindurchmanövrierte. âWer ist der Angreifer?â, wollte Commander Soto wissen, wĂ€hrend in ihrem RĂŒcken Sean Cummings bereits die Almagest beauftragte in Richtung der Koordinaten aufzubrechen, die er gerade als Ausgangspunkt des Notrufs ausgemacht hatte. Das Schiff der Akira-Klasse wĂŒrde jedoch fast 20 Minuten bis in das fragliche System brauchen. âEnsign!â, verlangte die Commander eine Antwort. âWir haben die Verbindung verlorenâ, erklĂ€rte Lieutenant Saunders das offensichtliche. Linnea warf einen besorgten Blick hinĂŒber zu Captain Benetts BĂŒro. âSie haben die Ops, Lieutenant Cummingsâ, wies sie an, dann trat sie hinĂŒber vor die TĂŒren des BĂŒros. ---- '''03.06.2387''' âFliegen Sie uns raus, ereiÂŽArrain TâAenikâ, verlangte Shiong-Soon Leong. Die Romulanerin am Steuer bestĂ€tigte mit einem âAye, Sirâ, den Befehl ihres neuen Captains. Der Akzent, mit dem er ihren romulanischen Rang aussprach, hörte sich fĂŒr sie seltsam an. Noch immer kam es ihr ein wenig ungewöhnlich vor, von einem Föderationsoffizier Befehle entgegenzunehmen. Aber sie wĂŒrde sich wohl daran gewöhnen mĂŒssen, denn wenn keine Wunder geschahen, wĂŒrde sie vermutlich den Rest ihres Lebens im Raumgebiet der Vereinten Föderation der Planeten verbringen mĂŒssen, nachdem sie zuhause im Reich nunmehr die sogenannte Persona non grata war. Routiniert betĂ€tigte die Offizierin die ManövrierdĂŒsen und versetzte der Friendship damit einen sanften Stoss, der dazu fĂŒhrte, dass das Schiff sich langsam aus der Umarmung der Beta-Antares-Werft löste, in der es in den vergangenen Jahren entstanden war. Eine lange, schlanke Schönheit war das Schiff der Sovereign-Klasse, das von nun an 650 Personen als Heimstatt dienen sollte. Ebenso ungewohnt, wie es ihr vorkam, Befehle von dem Malayen mit dem zerfurchten Gesicht im Captainssessel hinter ihr entgegenzunehmen, fĂŒhlte sich die Uniform der Sternenflotte auf ihrem Körper an. An dem dunkelroten Kragen ihres Uniformhemdes prangten zwei Rangpins, ein voller und ein halber, der sie als Lieutenant junior grade auswiesen. Im Rahmen der GesprĂ€che zwischen der Föderation und dem Imperium war bestimmt worden, dass ihr romulanischer Rang dem eines Junior Lieutenants entsprach. Als die Struktur der Werft endgĂŒltig hinter ihnen zurĂŒckgeblieben war, und nur der dunkle, samtige Sternenhimmel noch zu sehen war, setzte Shiong-Soon Leong sich in seinem neuen Sessel etwas auf. Mit einem Blick auf die in seiner Armlehne eingelassenen Konsole vergewisserte er sich des Kurses, den es nun einzuschlagen galt. Dann befahl er seiner romulanischen Navigatorin: âKurs 156.331.298â Es war Zeit, auf die Reise zu gehen. Es wĂŒrde nicht allzulange dauern, bis sie ihr Ziel erreicht hatten. âWarp 9â, fĂŒgte er dann hinzu. Sie hatten es nicht eilig und deshalb wĂŒrde er die neuen Maschinen nicht gleich ĂŒber GebĂŒhr strapazieren. âKurs gesetztâ, bestĂ€tigte S'anra von ihrer Konsole, die Hand bereits ĂŒber dem Eingabefeld fĂŒr die Auslösung der eingegebenen Beschleunigung. ErwartungsgemĂ€ss antwortete ihr die dunkle Stimme ihres neuen Captains schnell. âEnergie!â, verlangte er, wie nicht anders zu erwarten. Zur BestĂ€tigung löste sie die Beschleunigung der Friendship auf Warp 9 aus, sich wohl bewusst, dass die Augen aller in diesem Moment auf dem Bildschirm vor ihr lagen. Auch sie selber nahm sich einen kurzen Moment Zeit, die Sterne vor sich zu betrachten, ehe sie sich wieder ihrer Arbeit zuwandte. ---- '''03.06.2387''' âWir fliegen jetzt in das System einâ, erklĂ€rte Net Casey, wĂ€hrend er die Almagest unter Warp fallen liess. Ohne weitere Aufforderung flog er in das Gebiet vor ihnen ein. âRufen Sie die Darlingâ, verlangte Captain Graham, wĂ€hrend sie aus ihrem Sessel aufstand. Gebannt beobachtete sie den auf dem Sichtschirm angezeigten Raumbereich. âKeine Antwortâ, erklĂ€rte Lieutenant Bundle von der Ops her einige Augenblicke spĂ€ter. Lauras Erster Offizier wandte sich zur wissenschaftlichen Station um. âOrten Sie die Darling?â, verlangte er von Commander Little zu wissen. Diese hatte natĂŒrlich bereits wĂ€hrend des Einflugs in das System die Sensoren alles abtasten lassen, was nicht niet- und nagelfest war. So konnte sie quasi sofort antworten: âNein, Sir. Allerdings befindet sich am Eingang des Asteroidenfeldes ein TrĂŒmmerfeld, nach dessen Masse und Zusammensetzung es sich um die Ăberreste eines Runabouts handeln könnte. Um es genau sagen zu können, benötige ich aber die Kurzstreckensensoren.â Laura Graham wandte sich einen Augenblick vom Sichtschirm weg der Sicherheitskonsole zu. âMiss Arliene, befinden sich Schiffe in Reichweite, die eine potentielle Gefahr darstellen?â, wollte sie von ihrer Sicherheitschefin wissen. Auch die hatte bereits die Antwort fĂŒr sie parat. âKeine, Sir. Allerdings kann ich die Asteroiden im Feld teilweise auf Grund ihrer Zusammensetzung nicht scannen. Ich rate daher zur Vorsichtâ, gab sie an. Laura nickte. âBringen Sie uns rein, Mr. Caseyâ, wies sie an, und liess sich wieder in ihren Sitz neben ihrem Ersten Offizier nieder. Langsam und vorsichtig manövrierte der Navigator das Kriegsschiff der Akira-Klasse nĂ€her an den Asteroidenring heran. Die Aufmerksamkeit aller Besatzungsmitglieder der BrĂŒcke war voll auf die Sensoren gerichtet. Wenn es etwas zu entdecken gab, dann wĂŒrde man es hier zuerst entdecken. Nur der Captain und sein Erster Offizier betrachteten stattdessen die visuelle Anzeige vor ihnen. âEs handelt sich in der Tat um die TrĂŒmmer der Darlingâ, erklĂ€rte Kiara Little nur wenige Augenblicke spĂ€ter. Sie hatte dies anhand Masse und Zusammensetzung eindeutig bestimmen können, nun, wo sie die genaueren Kurzstreckensensoren zur VerfĂŒgung hatte. âĂberlebende?â, verlangte die Captain zu wissen, was ihr von ihrer Wissenschaftlerin umgehend beantwortet wurde. âNein, Sirâ, gab sie an. Laura seufzte leise. âLeiten Sie die ĂŒblichen Untersuchungen ein, Commander. Ich bin in meinem BĂŒroâ, sagte sie, wĂ€hrend sie aufstand und die BrĂŒcke ĂŒberquerte auf dem Weg zu ihrem Bereitschaftsraum. Sie musste der Basis mitteilen, dass sie ein Runabout und eine Pilotin verloren hatten. Ăber die diplomatischen Konsequenzen wollte sie im Moment nicht nachdenken. Botschafter Parmen Karnelo war tot. ---- '''03.06.2387''' âWie haben Sie mich gerade genannt?â, fragte Savvy NâDaye seinen Mitarbeiter entgeistert. Der baumlange Schwarze ĂŒberragte seinen Mitarbeiter um mehr als 30 Zentimeter, denn Carlos Martinez war eher bei den kleineren Vertretern der Spezies Mensch dabei. âJunge, ich habe einen Doktor in Warpfeldmechanik, nicht in Medizin. Es besteht kein Grund mich mit âHerr Doktorâ anzusprechenâ, setzte er hinzu, wĂ€hrend sein Mitarbeiter sich sichtlich unter dem direkten Blick seines neuen Vorgesetzten wandte. âJa, Sirâ, brachte Carlos die Anrede an, von der er sicher war, dass sie keinesfalls falsch war. Savvy entschloss sich, den armen Mann aus seinem Dilemma zu befreien, indem er ihm eine Aufgabe gab. âWir haben in der linken Warpgondel eine Abweichung von 0,035% im Vergleich zum Normwertâ, sagte er. Eine Tatsache, die ihn Ă€rgerte. Schliesslich hatte er an der Fertigung dieser Maschinen mitgearbeitet und noch bei den letzten Tests hatten die Triebwerke perfekt synchron gearbeitet. âFĂŒhren Sie eine entsprechende Analyse durch. Ich will was immer dafĂŒr auch verantwortlich ist noch heute behebenâ, brachte er hervor. Martinez nickte und verzog sich eiligst. Anscheinend war mit dem neuen Chef nicht gut Kirschen essen. Er hoffte, dass sich das VerhĂ€ltnis zu Commander NâDaye noch bessern wĂŒrde. Er musste in jedem Fall daran denken heute Abend im Starlight seine Kollegen zu warnen, dass sie den neuen Chief nicht auch mit seinem Titel ansprachen. Savvy sah seinem davoneilenden Techniker amĂŒsiert nach. Der Mann wĂŒrde schon noch frĂŒh genug lernen, dass er sich einen Scherz mit ihm erlaubt hatte. ---- '''05.06.2387''' Christopher Bennett stand in seinem BĂŒro am Fenster und beobachtete die Sterne. Dem Betrachter bot sich ein friedliches, vielleicht ein wenig nachdenkliches Bild des Stationskommandanten von Starbase 129, der Eindruck trog jedoch. Hinter Christophers Stirn arbeitete es fieberhaft. Zwei Tage war es jetzt her, seitdem das Runabout Darling zerstört worden war. Nicht nur, dass er dabei eine gute Pilotin verloren hatte und einen Botschafter, den er im vergangenen Jahr, seitdem die Station ihren Betrieb aufgenommen hatte, schĂ€tzen gelernt hatte, auch auf diplomatischer Ebene war ein Sturm der EntrĂŒstung auf ihn eingeprasselt, so, als habe er selber das Runabout in dem fraglichen Asteroidenfeld zerstört. Der Weltenrat von Adraxia hatte eine lĂŒckenlose AufklĂ€rung des Vorfalles von ihm verlangt. Nicht, dass er nicht sowieso eine Untersuchung hĂ€tte durchfĂŒhren wollen, aber der unfreundliche Blick, den der Stellvertreter von Parmen Karnelo ihm zugeworfen hatte, liess vermuten, dass der Fortgang der Verhandlungen mit den Adraxianern bezĂŒglich deren Aufnahme von nun an langsamer voran gehen wĂŒrde. Zumindest wenn Sin Radeb die Position ĂŒbernehmen wĂŒrde, die Parmen Karnelo bisher inne gehabt hatte. Das ĂŒbliche Piepsen machte ihm bewusst, dass jemand Einlass in sein BĂŒro begehrte. Dies kam fĂŒr ihn nicht unerwartet, da er Damon Richardson eigens zu einem GesprĂ€ch hierher bestellt hatte. Im Gegensatz zu seinem, war der Sicherheitschef der Friendship bereits vor drei Tagen hier eingetroffen. Wie einige andere Crewmitglieder auch, hatte er hier Quartier bezogen und wartete auf die Ankunft des neuesten Schiffs der Flotte. Der Sicherheitschef des Schiffes, der Erfahrung mit der Untersuchung derartiger VorfĂ€lle hatte, sollte ihm aus der BedrĂ€ngnis helfen, denn sein eigener Sicherheitschef, Robert Grey war noch nicht auf der Station eingetroffen. Es war, als ginge es mit dem Teufel zu, dass der Anschlag auf Botschafter Karnelo, und genau davon ging er derzeit aus, genau zu dem Zeitpunkt stattfand, an dem sein alter Sicherheitschef bereits die Station verlassen hatte und der neue noch auf der Reise hierher war. Christopher trat vom Fenster weg, hinter seinen Schreibtisch und öffnete dann die TĂŒren zu seinem BĂŒro mit einem: âHereinâ Durch die sich öffnenden TĂŒren trat ein etwas untersetzter, aber durchaus stĂ€mmiger Mann Anfang der Vierziger. Christopher hatte ihn bereits kennengelernt, so wie er es mit allen fĂŒhrenden Offizieren der Schiffe getan hatte, die hier dauerhaft stationiert sein wĂŒrden. Bereits wĂ€hrend der ersten Wochen seit der Eröffnung der Station hatte sich gezeigt, dass Stations- und Schiffspersonal zwangslĂ€ufig hĂ€ufiger miteinander zu tun bekamen. Da konnte man sich lieber von Anfang an miteinander bekannt machen, als erst auf eine brenzlige Situation zu warten, die sowohl Station als auch eins der Schiffe betraf. Und bei einer derartig grossen Station wie der ihren, war es nur immer eine Frage von wenigen Tagen, bis ein derartiger Vorfall eintrat. Christopher deutete auf einen der vor seinem Schreibtisch aufgestellten StĂŒhle und setzte sich dann gemeinsam mit Damon Richardson. âIch nehme an, Sie haben schon von dem Vorfall mit der Darling und Botschafter Karnelo gehört?â, kam er dann ohne grössere Umschweife zur Sache. Damon nickte. Der EnglĂ€nder war kein Freund grosser Worte und als solcher sprach er auch zumeist nur dann, wenn er etwas mitzuteilen hatte. HĂ€ufig liess er sich jedoch zu einer Art zustimmenden Grunzen herab, das er auch jetzt von sich gab, um seine stumme Zustimmung zu unterstĂŒtzen. âIch will nicht lange drumrumredenâ, sagte der auch eher direkte Stationskommandant. âSie haben vor einigen Jahren den Vorfall bei Delvani IV erfolgreich untersucht. Ich möchte Sie bitten, auch diesem Vorfall nachzugehen.â Damon setzte sich aufrechter in den Sessel. Damit hatte er nicht gerechnet. Er war davon ausgegangen, dass das Personal der Station die erforderlichen Untersuchungen durchfĂŒhren wĂŒrde. âIch benötige alles, was Sie bisher ĂŒber den Vorfall habenâ, meinte er. Richardson dachte nichtmal im Traum dran, den Auftrag abzulehnen. Er war seit mehr als 20 Jahren Offizier der Flotte, und als solcher stellte er nur selten Anweisungen eines höherrangigen Offiziers in Frage. Christopher Bennett schob ihm zur Antwort ein Padd mit den entsprechenden Informationen hinĂŒber, das er bereits von Linnea hatte vorbereiten lassen. Der Sicherheitschef der Friendship studierte die fraglichen Informationen kurz und meinte dann: âIch fange sofort an. Ich nehme an, mir steht Ihre Sicherheitszentrale zur VerfĂŒgung?â Christopher nickte. Damon grunzte wieder zustimmend, dann war er mit schnellen Schritten aus dem BĂŒro des Stationskommandanten verschwunden, mit den Gedanken lĂ€ngst bei der Untersuchung des Vorfalls bei Merica. ---- '''05.06.2387''' Ein wenig wehmĂŒtig sah Mac aus dem Fenster der Demeter. Der Z15-Schiffsfriedhof blieb langsam hinter dem Transportschiff zurĂŒck. Shane MacKenzie Maverick, die meist von allen nur âMacâ genannt wurde, stand in ihrer nach Achtern ausgerichteten Kabine. Sie war auf dem Weg zu ihrem neuen Posten. Sie war der Erste Offizier des neuesten Schiffs der Flotte. Eine Sovereign, ihr Name war Friendship, benannt nach einem im vergangenen Jahr zerstörten Schiff der Defiant-Klasse. Eine Geschichte, die innerhalb der Flotte fĂŒr einiges an Wirbel gesorgt hatte, wie es die meisten Zeitreisegeschichten nunmal taten. Schon bald wĂŒrde die Demeter den Rand des Qualor-Systems, in dem sich der Schiffsfriedhof befand, verlassen haben und dann auf Warp beschleunigen. Und damit blieb die Priamos hinter Mac zurĂŒck, die auf dem Schiff einige Jahre verbracht hatte. Sie hatte auf der alten Dame viel gelernt und so bedauerte sie es, dass sie das Schiff und die Freundschaften, die sie hier geschlossen hatte zurĂŒcklassen musste. Aber sie hatte stets gewusst, auf was sie sich eingelassen hatte, als sie die Laufbahn eines Sternenflottenoffiziers eingeschlagen hatte. HĂ€ufige und unvermutete Versetzungen waren in ihrem Job keine Seltenheit und so hatte sie eigentlich GlĂŒck gehabt, so lange auf der Priamos geblieben zu sein. Mac freute sich auf die Aufgabe, die sich ihr nun stellte. Die grosse Friendship stellte an sie ganz andere Anforderungen, als die Priamos es bisher getan hatte. Sie scheute die Herausforderung nicht, sie begrĂŒsste sie im Gegenteil sogar. Sie war sicher, mit allem zurecht zu kommen. Und die Tatsache, dass sie nicht mehr stĂ€ndig im All von einer Baustelle zur nĂ€chsten hetzen wĂŒrde, wĂŒrde es ihr möglich machen, auch Kontakte ausserhalb der Besatzung ihres eigenen Schiffes zu knĂŒpfen. Sie war gespannt auf die Basis, die von nun an auch ihr Heimathafen sein wĂŒrde. Fast 3 km lang und ca. 2,5 km breit. Sie hatte riesige Ausmasse, so dass selbst das grosse Schiff der Sovereign-Klasse winzig gegen sie wirken musste. Eine kleine Stadt im All. Bis zu 240.000 Individuen fanden dort Platz. Hinzu kamen noch die tĂ€glichen Besucher auf der Durchreise und die Besatzungen der Schiffe, die hier stationiert waren. Es hörte sich an, als könnten die nĂ€chsten Jahre sehr kurzweilig und interessant werden. Die Demeter erreichte die Grenze des Qualor-Systems und sprang auf die eher gemĂŒtliche Reisegeschwindigkeit von Warp 7,5. Da der Schrottplatz nĂ€her an der Station war, als an der Beta-Antares-Schiffswerft, von der aus die Friendship in Dienst gestellt wurde, wĂŒrde sie ihr neues Schiff und ihre Kollegen erst treffen, wenn das Schiff bei der Station ankam. Mac drehte sich von dem Fenster weg, das nun nur noch die hinter dem Schiff zurĂŒckbleibenden Sterne zeigte. Sie sah nun nach vorne, in Flugrichtung des Schiffes. Auf den neuen Abschnitt ihres Lebens hin. ---- '''06.06.2387''' âSirâ, begrĂŒsste Damon Christopher Bennett, kaum dass er durch die TĂŒren des BĂŒros des Stationskommandanten getreten war. Er war gestern Abend von einem Abstecher ins Merica-System zurĂŒckgekehrt. Seine Untersuchungen hatten keine stichhaltigen Hinweise zutage gefördert. Nach den von der Almagest gesammelten Daten könnte es sich bei dem Angreifer um ein Breen-Schiff gehandelt haben, sicher war dies aber keinesfalls, dazu waren die EnergierĂŒckstĂ€nde des Angriffs zu flĂŒchtig gewesen. Christopher deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und wartete, bis Damon vor ihm sass. "Haben Sie etwas ermitteln können?â, wollte er dann vom Sicherheitschef der Friendship wissen. Dieser konnte nur mit dem Kopf schĂŒtteln. ErgĂ€nzend fĂŒgte er hinzu. âIch habe leider weder bestĂ€tigen noch ausschliessen können, dass es sich bei dem Angreifer um ein Breen-Schiff handelte.â Damon rutschte in seinem Stuhl etwas vor, so dass er fast an der Kante sass. âEs erscheint mir sinnvoll, auf Pelgrim weitere Untersuchungen durchzufĂŒhren. Schliesslich ist der Botschafter von dort angereistâ, schlug er das weitere Vorgehen vor. Er stand erst am Anfang seiner Untersuchungen. Seiner Meinung nach handelte es sich um ein Verbrechen mit politisch motiviertem Hintergrund. Immerhin war Parmen Karnelo federfĂŒhrend bei den Verhandlungen zwischen der Föderation und den Kolonien von Adraxia gewesen. Christopher Bennett nickte. âDas trifft sich gut. Kontaktieren Sie dort Almir Saljaj. Er ist von den Behörden der Kolonien als Ermittler mit dem Fall betraut worden. Eine gute Zusammenarbeit kann sicherlich bei der AufklĂ€rung nicht schadenâ, gab er das weiter, was er erst vor einigen Minuten erfahren hatte. Damon war anderer Meinung. In dem Zusammenhang traute er dem zukĂŒnftigen Mitglied der Föderation nicht ĂŒber den Weg. Aber ein Einheimischer wĂŒrde dort sicherlich nĂŒtzlich sein. Also stand er auf und meinte: âIch reise noch heute Abend, wenn Sie mir ein Runabout zur VerfĂŒgung stellenâ Christopher nickte. Die AufklĂ€rung dieses Vorfalles hatte fĂŒr ihn im Moment absolute PrioritĂ€t. âSie können die Dnjepr haben, Mr. Richardsonâ, erklĂ€rte er. Damon nickte zufrieden. âIch halte Sie auf dem Laufenden, Sirâ, meinte er noch, dann war er aus Captain Bennetts BĂŒro verschwunden. ---- '''08.06.2387''' Ein wenig trĂ€ge schlenderte Yanas Edan ĂŒber den Marktplatz von Starbase 129. Sie liess sich in der Menge treiben. Ihre EinkĂ€ufe hatte die Ărztin bereits erledigt, jetzt war sie auf dem Weg nach Hause. In einer Tasche in ihrer Hand trug sie eine Hand voll DatenstĂ€bchen mit sich herum, die sie gerade bei Sims erworben hatte. Irgendwann spĂ€ter wĂŒrde sie ein Holodeck reservieren, um die neuen Landschaften anzusehen, die sie als Grundlage fĂŒr eines ihrer Hobbies, das Fallschirmspringen nutzen wĂŒrde. Sie war nach Ende ihrer Schicht auf der Krankenstation zur nĂ€chsten Haltestelle der Stationsbahn gegangen und hatte den grossen Marktplatz der Station angesteuert, auf dem Sims, der Anbieter bei dem sie ihre Holoprogramme bestellte, seinen Sitz hatte. Sie hatte unterwegs einmal umsteigen mĂŒssen, um hierher zu gelangen. Die Station verfĂŒgte ĂŒber verschiedene Linien, die regelmĂ€ssig verkehrten. Insgesamt glich das Transportnetz der Bahnen einem altmodischen System von Untergrundbahnen. Die Trill hatte eine ganze Weile gebraucht, um sich an diese Art des Transports zu gewöhnen. Sie hatte lange gebraucht, bis sie auswendig wusste, mit welchen Bahnen sie bis zu welchen Knotenpunkten fahren musste, um ihr Ziel zu erreichen. Inzwischen konnte sie das Schild des Hauptknotenpunktes etwa 50 Meter vor ihr erkennen. Es handelte sich um einen vom Rest des hohen Decks abgetrennten Bereich. Es gab 8 Bahnsteige, die zur Einfahrt der Bahnen und zur Aufnahme der wartenden FahrgĂ€ste dienten. Yanas quetschte sich mit den anderen die zurĂŒck in ihre Quartiere wollten durch die TĂŒren des Eingangsbereichs. An einem anderen Tag und unter anderen UmstĂ€nden hĂ€tte sie wohl eilig die langsameren Passanten ĂŒberholt, aber heute hatte sie es nicht eilig und gehörte so zu denjenigen, die ĂŒberholt wurden. Schliesslich hatte sie Bahnsteig 3 erreicht. Ein Blick auf die entsprechende Anschlagtafel machte deutlich, dass sie noch einige Minuten auf die Linie 5 warten musste. Sie lehnte sich an die Wand des Bahnsteigs und liess ihren Gedanken freien Lauf. Heute war ihr letzter Arbeitstag auf der Station gewesen. Sie hatte die vergangenen vier Wochen damit verbracht, ihren Nachfolger einzuarbeiten. Die meisten Ărzte hatten hier feste Patienten, sofern es sich nicht um NotfĂ€lle handelte. Sie hatte viele Stunden mit Tomm van Haaren, der hier ihr Ersatz wurde ĂŒber den elektronischen Akten ihrer Patienten verbracht. Sie war eine gewissenhafte Ărztin und als solche hatte sie ihm alles ĂŒber die Patienten erzĂ€hlt, was es zu erzĂ€hlen gab. Sie war zu dem Schluss gekommen, dass sie sich keine Sorgen machen musste. Der dunkelhaarige Mann hollĂ€ndischer Abstammung war genauso wie sie selber Arzt mit Leib und Seele. Wenn alles planmĂ€ssig lief, dann wĂŒrde bereits morgen ihr neues Schiff eintreffen, die Friendship. Sie war heute oft selber von ihrem Mut erstaunt. In den vergangenen Jahren hatte sie ihren Horizont so stark erweitert, dass dies zu grossen Schwierigkeiten in ihrer Familie gefĂŒhrt hatte. Ihre Mutter machte den Symbionten fĂŒr die VerĂ€nderungen in der Risikobereitschaft ihrer Tochter verantwortlich. Dementsprechend schlecht war das VerhĂ€ltnis zwischen den beiden Frauen der Marat-Familie. Schliesslich hatte dieses ZerwĂŒrfnis sogar zur Trennung ihrer Eltern gefĂŒhrt, weil ihr Vater nicht bereit gewesen war sich auf die Seite der Mutter zu stellen, sondern sie bei den VerĂ€nderungen, die sie in den vergangenen Jahren vorgenommen hatte, unterstĂŒtzt hatte. Ihre Bahn fuhr aus der Röhre, durch die sie glitt auf den Bahnsteig ein. Das Tempo war langsam, da hier immer die Gefahr bestand, dass ein Passagier von der Bahn verletzt werden konnte. Es hatte schon diverse UnfĂ€lle gegeben, die dazu gefĂŒhrt hatten, dass die Geschwindigkeit der Bahnen in der NĂ€he der Haltestellen stark reduziert worden war. Yanas stiess sich von der Wand ab und trat, wie viele andere Passagiere auch bis zur roten Linie auf dem Boden an die Bahn heran. Bereits durch die geschlossenen TĂŒren konnte sie sehen, dass einige Passagiere hier aussteigen wollten, die es zunĂ€chst galt heraustreten zu lassen. Geduldig wartete sie, dass die TĂŒren der Bahn sich öffneten und die ersten FahrgĂ€ste ausstiegen. Als letzte trat eine Frau in Sternenflottenuniform heraus. Am Kragen ihrer Uniform prangten drei Rangpins, die sie als Lieutenant Commander auswiesen. Einen Moment lang hatte Yanas den Eindruck ihr bliebe die Luft weg, und tatsĂ€chlich hatte sie einige Sekunden die Luft angehalten. Mit allem hatte sie gerechnet, aber nicht mit dieser Person. Mit offenem Mund starrte sie die blonde, hochgewachsene Humanoide an, die gerade die Bahn verliess. Sie hatte sich kaum verĂ€ndert. Ihr Haar hatte genau die selbe Farbe, ihre Bewegungen hatten sich nicht verĂ€ndert. Sie wirkte keinen Tag Ă€lter, auch wenn seit dem Tag, an dem sie sich hatten trennen mĂŒssen 37 Jahre vergangen waren. UnwillkĂŒrlich entrang sich ihr ein Name, als die Frau an ihr vorbeischritt, ohne grossartig Notiz von ihr zu nehmen. âYuna!â, sagte sie, kaum hörbar, jedoch laut genug, dass die schlanke Blonde sich zu ihr umwandte. Yuna Meridic musterte die Trill, die soeben ihren Namen genannt hatte neugierig. Sie hatte die Frau noch nie gesehen. Ihr Haar hatte einen hellen Blondton und ihre Augen waren von so einem klaren Blau, dass man glaubte, in einen Gebirgssee zu sehen. Sie war von mittlerer Grösse, schlank und die Flecken an Stirn und Hals wiesen sie eindeutig als Mitglied der symbiotischen Spezies aus, die auf Trill heimisch war. Die andere Frau sagte noch immer nichts, starrte sie nur unentwegt an. Irgendetwas an ihr kam Yuna seltsam bekannt vor, auch wenn sie sicher war, sie noch nie gesehen zu haben. Die ausgebildete Psychologin glaubte, dass es an der Art lag, wie die Frau sich aufrecht hielt und wie sie sie durchdringend musterte. Yanas Edan schluckte. Sie hatte gewusst, dass Yuna auf der Friendship ihre Kollegin sein wĂŒrde. Sie hatte gewusst, dass sie sich mit ihr und damit auch mit ihrer Vergangenheit wĂŒrde auseinandersetzen mĂŒssen. Es war 37 Jahre her, und doch war alles so frisch und vertraut, als wĂ€re es erst gestern gewesen, dass Yuna Meridic und Shivan Edan ein Paar gewesen waren. Edan hatte nie zuvor wieder mit einer Person aus einem seiner frĂŒheren Leben zusammenarbeiten mĂŒssen. Erst die Langlebigkeit der El-Aurianer machte dies ĂŒberhaupt nach all den Jahren möglich. Schliesslich rĂ€usperte sie sich und meinte: âIch bin Yanas Edan.â Yuna brauchte einen Moment, um die Information zu verarbeiten, dann klickte es bei ihr. âOhâ, brachte sie hervor. Sie hatte den Namen der neuen ChefĂ€rztin der Friendship gelesen, als sie die Crewliste ihres neuen Schiffs durchgegangen war. Eine entsprechende Verbindung hatte sie bis eben gerade jedoch nicht gezogen gehabt. Vermutlich, weil sie die Akte der SchiffsĂ€rztin noch nicht gelesen hatte. âShivan?â, fragte sie schliesslich. Yanas nickte zögerlich. Ein Teil von Shivan war bei Edan geblieben und nun auch in ihr. âLass uns etwas essen gehenâ, meinte sie schliesslich. Sie hatte gewusst, dass diese Begegnung bevorstand und sich deshalb etwas leichter gefangen. Yuna nickte. âAber wo?â, fragte sie. âIch bin gerade erst von der Erde angekommen und kenne mich ĂŒberhaupt nicht ausâ, fĂŒgte die El-Aurianerin hinzu. Yanas deutete in Richtung des Ausgangs. âWir fahren mit der 1 rauf auf Deck 1. Im Park gibt es ein kleines Kaffee, direkt am See gelegenâ, schlug sie vor. Yuna nickte und setzte sich dann gemeinsam mit der anderen Frau in Bewegung. âDu bist schon einige Tage hier?â, wollte sie dann wissen. Yanas grinste ihr schiefes Grinsen und meinte: âIch bin seit fast einem Jahr hier. Ich habe im medizinischen Stab gearbeitet.â Gemeinsam betraten die Frauen Gleis eins, auf dem gerade eine Bahn einfuhr, auf der gross und deutlich die Zahl 1 prangte. Nebeneinander verfielen sie in einen leichten Trab, um die Bahn noch zu erreichen. Kurz darauf liessen sie sich auf nebeneinanderliegende Sitze fallen. âEs dauert nicht lange. Hast Du Deck 1 schon gesehen?â, wollte Yanas wissen. Yuna schĂŒttelte mit dem Kopf. âAlles was ich bisher gesehen habe ist der Raumbahnhof und die Transportröhrenâ, erklĂ€rte sie. âDann wirst Du begeistert seinâ, meinte Yanas, wĂ€hrend sie aufstand, weil die Bahn bereits verlangsamte. Weniger als eine halbe Minute spĂ€ter traten sie hinaus in die GrĂŒnanlagen der Station. Man hatte nicht mehr den Eindruck, im Weltall zu sein. Yuna legte den Kopf in den Nacken und sah nach oben. Durch das Glas, das sich ĂŒber der Kuppel, die sich auf Deck 1 befand, wölbte, konnte sie den Sternenhimmel und in einiger Entfernung eine Sonne sehen, deren Licht jedoch zu schwach war, um das Deck zu beleuchten. Auf der Suche nach der Lichtquelle, liess sie ihren Blick die Kuppel entlang wandern und fand sie schliesslich etwa einen halben Meter unter dem Ăbergang zwischen Kuppel und Wand. Grosse Scheinwerfer erzeugten hier die Illusion eines sonnigen Sommertages im Park. Sie war beeindruckt. Yanas winkte sie weiter, einen Parkweg entlang. Sie folgte der Trill und stellte fest, dass sie jetzt nur noch BĂ€ume und BĂŒsche sehen konnte. Alles war so angepflanzt worden, dass die WĂ€nde vollkommen verdeckt wurden, wenn man erst einige Meter in den Park hineingegangen war. Bald hatten sie einen kleinen See erreicht, an dessen Ufer ein CafĂ©-Restaurant lag. Kellner wuselten geschĂ€ftig zwischen den GĂ€sten hin und her, die zum grossen Teil entspannt auf den See hinaus sahen. Die beiden Frauen liessen sich an einem der freien Tische nieder und sahen einander unsicher an. Sie hatten viel Zeit aufzuholen. Schliesslich meinte die impulsivere Yuna: âNun sag schon, was hast Du in all den Jahren gemacht?â Yanas musste lachen, ob der Frage, die so typisch fĂŒr die andere war. âNun ja, nach Shivans Tod habe ich die ersten 5 Jahre in den BruttĂŒmpeln verbrachtâ, begann sie dann ihre ErzĂ€hlung. ---- '''08.06.2387''' Shiong-Soon Leong lief ruhig durch sein Quartier. Er fĂŒhlte den Teppich unter seinen nackten FĂŒssen, wĂ€hrend er von einer GrĂŒnpflanze seines Quartiers zur nĂ€chsten lief. Ruhig und gewissenhaft fĂŒllte er jede der Schalen, in denen das geliebte GrĂŒn steckte, mit der erforderlichen Menge an Wasser und darin gelösten NĂ€hrstoffen. Gelegentlich zupfte er vorsichtig und beinahe liebevoll hier und dort ein vertrocknetes Blatt ab. Auch noch so liebevolle Pflege konnte nicht verhindern, dass gelegentlich etwas vertrocknete. Dies war, wie er wusste, der Lauf des Lebens. Alte BlĂ€tter starben ab und dafĂŒr entstanden weiter oben an der Pflanze frische BlĂ€tter, die mit ihrem helleren GrĂŒn sein Auge besonders entzĂŒckten. FĂŒr einen kurzen Augenblick dachte er wieder daran, wie dieser Lauf des Lebens in seiner eigenen Familie versagt hatte. Es war eher an ihm gewesen, das zeitliche zu segnen als an Zaidi. Er empfand es als besonders tragisch, wenn Eltern eins ihrer Kinder ĂŒberlebten. Auch heute wanderten seine Gedanken kurz zu Majid, dem Sohn, der ihm noch geblieben war. Er wĂŒnschte sich instĂ€ndig, dass ihr VerhĂ€ltnis zueinander sich wieder bessern wĂŒrde, aber dieser Wunsch war wohl utopisch. Wie sollte sein Sohn ihm fĂŒr etwas vergeben, fĂŒr das er selber sich mitverantwortlich fĂŒhlte. WĂ€re er, so wie sein Vater vor ihm und dessen Vater vor ihm bei der GĂ€rtnerei geblieben, die sich seit vielen Jahren in der Familie befand, hĂ€tte es seine Söhne wohl nicht hinaus ins All gezogen und Zaidi wĂŒrde heute vermutlich noch leben. Shiong-Soon stellte seine Giesskanne zurĂŒck an den dafĂŒr vorgesehenen Platz und wandte sich seinem Esstisch zu, auf dem sich ein einzelnes Padd befand. Die Reise nach Starbase 129 wĂŒrde schon morgen vormittag beendet sein. Er musste die Zeit nutzen, sich mit den Akten der dort an Bord kommenden Crewmitglieder zu beschĂ€ftigen. Ein Teil seines FĂŒhrungsstabs wĂŒrde hier auf ihn warten, und bis dahin musste er mit ihnen so vertraut sein, wie es nur möglich war. ---- '''08.06.2387''' Immer noch ein wenig verwundert sass Lieutenant TâPel in der 5. Der Captain des Passagierschiffs, mit dem sie von Vulkan aus hierher gereist war, hatte den FluggĂ€sten am Ende per Durchsage einen angenehmen Aufenthalt auf der Station gewĂŒnscht und ihnen empfohlen mit der 5 auf den Marktplatz der Station zu fahren. Sie hatte sich dem Strom der ĂŒbrigen Reisenden angepasst und sass nun in einer Art Transportkapsel, die durch eine Art von Röhrensystem fuhr. An verschiedenen Orten hatte die Kapsel, die Raum fĂŒr (vulkanisch) geschĂ€tzte 100 Personen Platz bot, angehalten und es waren FahrgĂ€ste aus oder eingestiegen. Beim letzten Halt waren in seltsame Kleidung gewandete Leute eingestiegen. Auf den Jacken, die alle den gleichen Schnitt und die gleiche Farbe hatte, prangte in nicht zu ĂŒbersehender Schrift der Aufdruck âHockey 129â. Auf dem RĂŒcken trugen die meisten eine Art von TragebehĂ€ltnis, das etwa einen halben Meter hoch und eher schmal war. Eine junge Frau aus der Gruppe hatte sich neben ihr niedergelassen, in ihren HĂ€nden hielt sie einen etwa 80 Zentimeter Holzstab, dessen unteres Ende in einer gebogenen Verdickung bestand. Offensichtlich irgendein SportgerĂ€t, wie TâPel vermutete. Etwa eine halbe Minute, nachdem die Frau sich neben ihr niedergelassen hatte, konnte sie ihre Neugierde nicht lĂ€nger bezĂ€hmen. Sie musterte das SportgerĂ€t inzwischen unverhohlen und meinte: âWas ist denn das?â, und zeigte dabei darauf. Die junge Frau lĂ€chelte und sagte: âDas ist ein HockeyschlĂ€ger, den kennt man heutzutage nicht mehr ĂŒberall.â TâPel sah sich in ihrer Vermutung bestĂ€tigt. âEin Sportutensil?â, vermutete sie. Die junge Frau nickte. âJa. Er wird benutzt um damit einen Ball ĂŒber das Spielfeld in das gegnerische Tor zu schlagenâ, erklĂ€rte sie. TâPel war das Konzept des Ballsports nicht unbekannt. Also gehörte die Frau wohl einer Art von Sportmannschaft an. Aber was tat die auf einer Basis der Sternenflotte? âSie sind auf der Durchreise zu einem Wettkampf?â, vermutete sie also. Die Dunkelhaarige lachte amĂŒsiert. Auch die anderen Mitglieder der Mannschaft, die natĂŒrlich der Unterhaltung der beiden Frauen lĂ€ngst zuhörten konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die Dunkelhaarige stellte das fĂŒr alle offensichtliche fest: âSie sind gerade erst angekommen?â, fragte sie nach, was TâPel mit einem Nicken nonverbal bestĂ€tigte. âSehen Sie, die Station ist der Heimathafen der Hockey 129â, erklĂ€rte sie. âWir leben alle hier. Unser Trainingsraum befindet sich hier und oben auf Deck 1 tragen wir unsere Heimspiele ausâ, gab sie weiter an. TâPel hatte Schwierigkeiten mit der Vorstellung, dass es hier ein Hockeystadion mit ZuschauertribĂŒnen gab. Auf einem Holodeck ja, aber auch dort war der Platz beschrĂ€nkt. Da passten nicht die zahllosen Fans, die solche Sportveranstaltungen ihres Wissens hatten, mit hinein. Sie brachte ihre Zweifel zum Ausdruck. âSicherlich passt auf Deck 1 kein komplettes Stadionâ, gab sie an. Die andere Frau nickte. âNatĂŒrlich nicht ein solch grosses, wie es auf Planeten ĂŒblich istâ, gab sie zu. âAber die Ingenieure waren sehr erfinderisch, als sie die Station entwarfen. Die SpielflĂ€che ist austauschbar, so dass bei anderen Sportveranstaltungen ein anderer Boden aufgelegt ist. Die TribĂŒnen sind auch eher bescheiden gehaltenâ, fĂŒgte sie dann zu. Gerade als TâPel weitere Fragen zu dem Thema stellen wollte, hielt die Bahn an und die dunkelhaarige stand als letzte aus ihrem Sitz auf. âIch wĂŒnsche Ihnen noch einen schönen Aufenthaltâ, meinte sie, wĂ€hrend sie sich bereits auf den Weg zum Ausgang machte. Offensichtlich hatte die Hockey-Mannschaft ihr Ziel erreicht. Die Vulkanierin sah der anderen Frau noch kurz hinterher, dann war sie wieder in ihren Gedanken versunken. Sie sollte sich wohl unbedingt Deck 1 ansehen. Sie wĂŒrde auf dem Marktplatz schon herausfinden, wie sie dorthin gelangte. ---- '''09.06.2387''' Felina Isaac stellte das Glas, das sie gerade geputzt hatte auf der Theke vor ihr ab. Das Starlight war nur wenig besucht, sie hatte erst seit einigen Minuten geöffnet und so hatte sie sich in Ruhe auf das MittagsgeschĂ€ft vorbereiten wollen. Jetzt wandte die Andorianerin sich dem grossen Panoramafenster zu, das sie von ihrem Platz hinter der Theke genau sehen konnte. Die vorbeirauschenden Sterne hatten wieder ihre Punktform angenommen, was, wie jeder wusste, ein Hinweis darauf war, dass das Sternenflottenschiff auf Unterlichtgeschwindigkeit verlangsamt hatte. Sie trat hinter der Bar hervor und betrachtete die Station, die langsam nĂ€her kam. ZunĂ€chst war sie mit blossem Auge kaum wahrnehmbar, gewann aber schnell an Grösse. Schliesslich fĂŒllte sie das gesamte Fenster aus. Sie musste riesig sein, wenn selbst so ein grosses Schiff wie die Friendship neben ihr so winzig wirkte. Der obere Teil, den sie sehen konnte war ĂŒber und ĂŒber von hellen Lichtpunkten ĂŒberzogen, die unzĂ€hlige kleine Fenster sein mussten. Obenauf auf dem Pils sass eine Glaskuppel. Es musste ein einmaliges GefĂŒhl sein dort vom All umgeben zu stehen. Sie nahm sich vor, diese Kuppel so bald wie möglich zu besichtigen, wenn dies möglich war. Die sich öffnenden TĂŒren zogen schliesslich ihre Aufmerksamkeit auf sich. Ihr erster Kunde fĂŒr heute war eingetroffen. Die Andorianerin wandte sich zu dem eingetretenen Ensign um und wĂ€hrend Sie ihn mit einem freundlichen âGuten Morgenâ, begrĂŒsste, trat sie wieder zurĂŒck durch den Raum hinter ihre Theke. Maxine schob sich derweil auf einen Stuhl und bestellte: âIch bin heute morgen spĂ€t aufgestanden. Bitte einen Teller RĂŒhrei.â Felina war einen letzten Blick aus dem Fenster auf die Station und konzentrierte sich dann ganz auf ihren Gast. âEine Tasse Kaffee dazu?â, fragte sie bei der Ensign nach, die in den vergangenen Tagen zu ihren Eiern stets einen Kaffee genommen hatte. âJa, bitte. Und eine Schreibe Brot mit Butter dazu.â Die Andorianerin nickte und trat zum Replikator hinĂŒber, um ihrem Gast das gewĂŒnschte zu bringen. ---- '''09.06.2387''' Robert Grey bog um die Ecke auf einen weiteren Gang. Er hatte eine Weile gebraucht, um mit seinen Kindern von den Docks aus hierher zu finden. Das System mit den Röhrenbahnen war auch fĂŒr die drei ungewohnt gewesen. Er wechselte die Tasche auf die andere Schulter und betrachtete die Nummern der Quartiere, an denen er vorbei kam. Das ĂŒbernĂ€chste musste ihres sein. Dort angekommen betrachtete er in der Mitte des Ganges stehend die Aufschrift der TĂŒr. Rechts von ihm öffnete sich die TĂŒr, an der er zuletzt vorbeigekommen war. âAnaki?â, hörte er eine weiche Stimme. Er trat vor die TĂŒr, die sich wunschgemĂ€ss fĂŒr ihn öffnete. Irritiert nahm er einen leichten Druck auf seine rechte Schulter zur Kenntnis. Ein Blick dorthin verriet ihm, dass darauf irgendein ihm unbekanntes Tier sass. Reflexartig wischte er das Tier, das einem irdischen Salamander glich, von seiner Schulter herunter. âWie können Sie nur?â, herrschte ihn eine vorwurfsvolle Stimme an. Er sah erst auf das Tier, das auf den Boden gefallen war und dann zu der Frau, die ihn fĂŒr sein Verhalten gerĂŒgt hatte. Das salamanderartige Tier krabbelte derweil in Windeseile an der Frau hinauf und sass schliesslich auf ihrer Schulter und betrachtete ihn aus blanken schwarzen Augen. Er hob eine Augenbraue und betrachtete seine Nachbarin. Dunkle Flecken schauten unter blondem Haar hervor. Die Trill trug eine Uniform der medizinischen Abteilung der Sternenflotte und die Rangpins wiesen sie als Lieutenant Commander aus. Die Tatsache, dass das Vieh auf ihrer Schultern sass, liess ihn davon ausgehen, dass es sich wohl um ein bizarres Haustier der Frau handeln musste. Andere Planeten, andere Sitten. âSie sollten ihn nicht frei durch die Gegend laufen lassen, wenn Sie nicht wollen, dass ihm etwas passiertâ, merkte er wenig feinfĂŒhlig an. Zumindest empfand die Frau seinen Kommentar offensichtlich so, denn sie trat aus der TĂŒr, in der sie vorher gestanden hatte auf den Gang zu ihm hinĂŒber. Sie brauchte nicht lange, um ihm ihre Meinung ĂŒber seinen Kommentar auf die Nase zu binden. âDas ist mal wieder typisch. Solche Leute wie Sie glauben auch, man mĂŒsste alles platt machen, was sich bewegtâ, stellte sie eine Behauptung auf. Den gelben Kragen seiner Uniform hatte sie aus einer Eingebung heraus der Sicherheitsabteilung zugeordnet. Er wirkte entschieden nicht wie ein Techniker, das sagten ihr 350 Jahre Erfahrung mit mĂ€nnlichen Humanoiden. GlĂŒcklicherweise enthob ihn sein Kommunikator einer Antwort, bevor er sich mit ihr ĂŒber Vorurteile gegenĂŒber fremden Menschen unterhalten konnte. âSoto an Greyâ, verlangte eine weibliche Stimme, die dem Ersten Offizier der Station gehörte, wie er wusste. Sie war seine neue direkte Vorgesetzte. âGrey hierâ, antwortete er, gespannt darauf, was man so kurz nach seiner Ankunft von ihm wollte. Yanas war insgeheim zufrieden damit, dass sie richtig vermutet hatte. Ihr war der Name des neuen Sicherheitschefs der Station gelĂ€ufig. Sie war froh, ihn nicht lange zum Nachbarn haben zu mĂŒssen. In ihrem Quartier stapelten sich bereits die Kartons, denn sobald die Friendship ankam, wĂŒrde sie umziehen. Es konnte sich eigentlich nur noch um einige Stunden handeln. âCommander, bitte melden Sie sich umgehend in der Zentrale. Captain Bennett möchte sie sprechenâ, erklang Sotos Stimme wieder aus dem Kommunikator an Roberts Brust. âAye, Ma'amâ, bestĂ€tigte er die Bitte, die eigentlich ein Befehl gewesen war. Er drĂŒckte Eric seine Reisetasche in die Hand und meinte: âBitte wartet auf mich, ich will sehen, was Commander Soto von mir will.â Sein Sohn trat durch die geöffnete TĂŒr in das gemeinsame Quartier, seine Tochter stand immer noch mit offenem Mund auf die Frau, die gerade wenig höflich zu ihrem Vater gewesen war starrend mitten im Flur. âBis spĂ€ter, Liebesâ, meinte er, und schob sie sanft in Richtung der TĂŒr. Als er sich wieder dem Flur zuwandte, war die streitbare Frau aus dem Nebenquartier verschwunden. Er war nicht gerade traurig darĂŒber. Dann trat er den RĂŒckweg in Richtung der Transportröhren an. ---- '''09.06.2387''' Mit federndem Schritt bog Yuna um eine KorridorkrĂŒmmung und wich gerade noch rechtzeitig dem hoch gewachsenen Mann aus, der ihr entgegen kam. Sie blieb einen Moment stehen und musterte den Mann mit der gelben Uniform, dessen mĂŒrrischer Gesichtsausdruck nichts Gutes vermuten liess. âBin schon aus dem Wegâ, murmelte sie und setzte ohne einen Blick ĂŒber die Schulter ihren Weg fort. Eine weitere Person kam ihr entgegen und Yuna erkannte die SchiffsĂ€rztin der Friendship. âZu dir wollte ich...â sie hielt inne âOh man, ist heute Tag der schlechten Laune?â Sie verschrĂ€nkte die Arme hinter dem RĂŒcken und wippte auf den Fussballen auf und ab. âIch muss was verpasst haben.â âDieser ungehobelte Holzklotz.â Yanas sah grimmig in die Richtung, aus der Yuna gekommen war und ballte die HĂ€nde zu FĂ€usten. Die Counselor folgte dem Blick der Ărztin und nickte schliesslich. âIch verstehe.â Sie sah wieder die Trill an. âMĂ€nner!â âGehen wir Essen?â unvermittelt wechselte sie das Thema und stubste der wesentlich kleineren Yanas in die Seite. âLass uns was VerrĂŒcktes ausprobieren...Ferengi oder so.â Auf dem Gesicht der Trill zeigte sich Skepsis. âDas halte ich fĂŒr keine gute Idee.â - âAch komm! Geröstete Made mit einem Schuss Schokolade! Das ist bestimmt ein kulinarischer Gaumenkitzler.â Sie zuckte zweimal kurz mit den Augenbrauen, doch Yanas Blick blieb kritisch. âIch kann dich da jetzt nicht wirklich fĂŒr gewinnen, oder?â Edan schĂŒttelte den Kopf. âGut, dann bajoranisch? Hier gibt es doch ein bajoranisches Restaurant, oder?â Yanas nickt. âIch zeigâs dir.â ---- '''09.06.2387''' Yanas liess die Karte sinken und griff nach ihrem Wasserglas. âIch werde Veklava nehmenâ, erklĂ€rte sie. Yuna lĂ€chelte. âAbsolute ReizĂŒberflutung. Ich kann mich nicht entscheiden. Ich nehme B20â, sagte sie entschieden und legte ihre Karte zur Seite. âUnd, was hat dich auf die Friendship verschlagen?â Die Trill legte die Karte endgĂŒltig zur Seite. âIch suchte eine neue Herausforderungâ, erklĂ€rte sie, was dazu fĂŒhrte, dass Yuna die Kinnlade herunterklappte. Die El-Aurianerin beeilte sich ihren Mund wieder zu schliessen. âDu?â, fragte sie dann nach. âAusgerechnet Du?â Sie ĂŒberlegte kurz und meinte dann. âIch bin erstaunt, Dich ĂŒberhaupt im All vorzufindenâ, fĂŒgte die Psychologin dann an. Yanas schmunzelte. âDas kann ich mir gut vorstellenâ, erklĂ€rte sie. Sie war sich in den vergangenen Jahren bewusst geworden, wie im Grunde genommen Ă€ngstlich Edan in seinen bisherigen Leben gewesen war. FĂŒr Shivan war es undenkbar gewesen, den Planeten ĂŒberhaupt zu verlassen, geschweige denn, im All zu leben, mit all den Gefahren, die dies bedeutete. âIch liebe meinen Berufâ, erklĂ€rte sie dann. âUnd gerade hier draussen kann ich am meisten tun und gerade hier gibt es die grössten Herausforderungen. Vermutlich habe ich mich deshalb auf Exobiologie spezialisiert. Und das Leben hier draussen hilft definitiv Ăngste abzubauenâ, fĂŒhrte sie weiter aus. Yuna wĂŒrde sich wohl daran gewöhnen, dass dieser Edan-Wirt anders war als die anderen. Aber sie wusste, dass VerĂ€nderungen zum Leben gehörte, dass sie wichtig waren. Und so wĂŒrde sie sich sicherlich an die VerĂ€nderung, die vor sich gegangen war gewöhnen. Der Kellner kam zu den beiden Frauen hinĂŒber. Sie bestellten und sahen sich dann einen Moment an, ehe Yanas nachfragte: âUnd was treibt Dich von einem schönen Posten auf der Erde weg?â, wollte sie dann im Gegenzug wissen. Die blonde El-Aurianerin setzte einen verschmitzten Gesichtausdruck auf. âMan könnte es als persönliche GrĂŒnde bezeichnenâ, erklĂ€rte sie dann. Yanas konnte sich ein LĂ€cheln nicht verkneifen, wenn ihr lebensfrohes GegenĂŒber dies sagte, dann war vermutlich ein Mann im Spiel. Sie sollte sich nicht getĂ€uscht haben. âIch war eine Weile mit einem der anderen Dozenten liiert. Das Ende war sehrâ, sie machte eine Pause und schloss ihren Satz schliesslich, âhĂ€sslich.â Das Gesicht ihres GegenĂŒbers verzog sich. âNicht schönâ, meinte die Ărztin schlicht und die Counselor nickte. âGar nicht schön. Ich zog es vor, mir eine andere Stelle zu suchen, möglichst weit weg von der Erde. Und die Friendship war das nĂ€chste, was in Frage kamâ, erklĂ€rte Yuna. An dieser Stelle wurden die beiden Frauen vom Kellner unterbrochen, der erschienen war, um die Bestellung aufzunehmen. âB20â, erklĂ€rte Yuna und schenkte dem Mann ihr umwerfendstes LĂ€cheln, der daraufhin um ein Haar sein Tablett hĂ€tte fallen lassen. Als der Bajoraner auch ihre Bestellung aufgenommen hatte, zog er sich eilig zurĂŒck. Yanas Edan grinste in sich hinein. Der Aufenthalt auf der Friendship versprach amĂŒsant zu werden. ---- '''09.06.2387''' Shiong-Soon betrat Captain Benetts BĂŒro als letzter. Er war erst vor einigen Minuten angekommen und war wenig ĂŒberrascht gewesen, gleich von Captain Bennett zu einer Besprechung eingeladen worden zu sein. Ein Höflichkeitsbesuch gehörte einfach dazu. Es erstaunte ihn jedoch ein wenig, dass neben ihm noch sein neuer Erster Offizier und ein ihm unbekannter Mann anwesend waren. Er liess sich seine Verwunderung jedoch nicht anmerken und trat hinĂŒber zu den Offizieren, die sich um die kleine Sitzgruppe in einer Ecke des BĂŒros versammelt hatten. HĂ€nde wurden gedrĂŒckt, dann sass auch Captain Leong in einem der Sessel. âCaptain, ich nehme an, Sie haben bereits davon gehört, dass ein Botschafter der Adraxianer auf der Reise zu uns ums Leben gekommen ist?â, wollte Christopher dann wissen. Shiong-Soon nickte und fĂŒgte dann höflich hinzu: âIch will nicht behaupten, dass es die Spatzen von den DĂ€chern pfeiffen, aber die Tatsache war mir bekannt.â âWas die Spatzen aber noch nicht von den DĂ€chern pfeiffen, ist, dass ich Mr. Richardson mit der Untersuchung des Vorfalles betraut hatte, da mein eigener Sicherheitschef erst heute eingetroffen istâ, fĂŒhrte Christopher aus und zeigte dabei auf Robert Grey, der sich bisher noch nicht weiter geĂ€ussert hatte. Auch jetzt bestand noch keine Veranlassung dazu. âWas hat Mr. Richardson denn bisher herausgefunden?â, wollte Shane wissen. Christopher Bennett zuckte beinahe etwas unbehaglich zusammen. âBisher noch gar nichts. Wir haben den Kontakt zu ihm vor zwei Tagen verlorenâ, erklĂ€rte er, was dazu fĂŒhrte, dass die ĂŒbrigen Offiziere sich aufrechter hinsetzten. âWir werden uns das ansehenâ, bestimmte Shiong-Soon. Sein Blick glitt zu Shane McKenzie Maverick. âBitte veranlassen Sie, dass alle Besatzungsmitglieder umgehend an Bord kommen. Wir brechen in 2 Stunden aufâ, veranlasste er. Christopher Bennett schaltete sich nochmals ein. âIch gebe Ihnen Mr. Grey mit, er wird Ihnen als Sicherheitschef zur VerfĂŒgung stehen, bis Mr. Richardson wieder wohlbehalten an Bord istâ, bestimmte der Stationskommandant. Robert Grey nickte. Die veranschlagten zwei Stunden wĂŒrden genĂŒgen dafĂŒr zu sorgen, dass seine Kinder gut versorgen waren, wĂ€hrend er weg war. Damit war die Besprechung beendet, es gab nun noch einiges zu tun, bevor die Friendship aufbrechen konnte und so ging man eilig auseinander. ---- '''09.06.2387''' Exakt zwei Stunden spĂ€ter steuerte TâAenik die Friendship von der Station weg in Richtung auf die Grenze. Alle Besatzungsmitglieder waren an Bord. Ein Teil der EinrichtungsgegenstĂ€nde, die auf der Station zwischengelagert worden waren musste bis zur RĂŒckkehr des Schiffes dort verbleiben, aber das sollte niemanden vor Schwierigkeiten stellen. WĂ€hrend die Friendship auf Warp ging, verliess Yanas Edan ihr neues Quartier. Sie wollte nun dringend auf die Krankenstation, um sich dort mit ihrem Stab vertraut zu machen, den sie dorthin beordert hatte. Sie rechnete zwar nicht mit Kampfhandlungen, aber es konnte sicherlich nichts schaden, sich so schnell wie möglich miteinander vertraut zu machen, denn wenn der Ernstfall erstmal eintrat, dann konnte jede verschwendete Sekunde Leben kosten. Gut gelaunt und voller Elan trat sie hinaus auf den Flur, ohne so recht darauf zu achten, was sich dort abspielte und lief deshalb beinahe in einen Passanten hinein, der gerade vorbeiging. Das freundliche âEntschuldigungâ blieb ihr im Halse stecken, als sie in das Gesicht der Person blickte, die sie da so vortrefflich fast ĂŒber den Haufen gelaufen hĂ€tte. âSie!â, brachte der Mann heraus, der offensichtlich nicht erfreuter ĂŒber das Wiedersehen war als sie selber. âWas tun Sie hier?â, wollte sie dann von dem Mann wissen, mit dem sie erst vor etwas mehr als zwei Stunden unangenehme Bekanntschaft auf dem Flur vor ihrem alten Quartier gemacht hatte. Robert Grey meinte: âIch wurde fĂŒr die Dauer der Mission als Sicherheitschef eingesetzt und ich war gerade auf dem Weg in mein Quartierâ Dabei deutete er auf die am nĂ€chsten liegende TĂŒr. HĂ€tte Yanas an so was wie Götter geglaubt, hĂ€tte sie sich wohl gefragt, was sie verbrochen hatte, es zu verdienen, den Mann erneut als Nachbarn zu bekommen, wenn auch nur auf Zeit. Sie beschloss, ihn einfach zu ignorieren, soweit es möglich war. Die Mission wĂŒrde vorbei gehen, und danach brauchte sie sich mit dem ungehobelten Kerl, der Anaki durch die Gegend geschleudert hatte, hoffentlich nie wieder auseinanderzusetzen. Robert Grey hatte jedoch nicht vor, sie einfach so weggehen zu lassen. Auch wenn die Aufgabe, auf die Schnelle eine vernĂŒnftige Versorgung fĂŒr seine Kinder zu finden ihn eine Weile abgelenkt gewesen war, hatte ihn das Verhalten der Blonden doch erbost. Soweit es ihn anging hatte sie ihn völlig zu unrecht angemault. Und genau das wĂŒrde er ihr jetzt sagen. âSind Sie eigentlich immer so unfreundlich zu Leuten, die sie ĂŒberhaupt nicht kennen?â, wollte er dann von ihr wissen. Sie hatte die passende schnippische Antwort gleich parat: âNur, wenn sie mein Haustier durch die Gegend werfen.â Er dachte nichtmal im Traum daran, sich hier den schwarzen Peter zuschieben zu lassen. âWenn ihr Haustier nicht auf Leuten herumkrabbeln wĂŒrde, auf denen es nichts verloren hat, dann wĂ€re es auch nicht durch die Gegend geflogenâ, brachte er vor. Dann betrat er sein Quartier und liess diesmal sie so stehen, wie sie ihn auf der Station hatte stehen lassen. Einen Moment lang erwog sie erbost, ihm nachzugehen, setzte dann jedoch ihren Weg zur Krankenstation fort, da sie den Verdacht hatte, wegen der weiteren Auseinandersetzung sonst zu spĂ€t zu kommen. ---- '''09.06.2387''' Shiong-Soon Leong sass am Ende des langen Tischs im Besprechungsraum. Zum ersten Mal hielt er an Bord der Friendship ein Missionsbriefing ab. Er hoffte, dass viele weitere folgen wĂŒrden. âEs ist mir eine Ehre, Sie alle an Bord Willkommen zu heissen. Ich hoffe auf eine angenehme und produktive Zusammenarbeit fĂŒr die folgenden Jahreâ, eröffnete er die Besprechung mit dieser kurzen BegrĂŒssung und liess seinen Blick dabei ĂŒber seine Senior-Offiziere gleiten. Es waren ausnahmslos fĂ€hige Fachleute, von denen er nur die besten Leistungen erwartete. âWir befinden aus auf dem Weg nach Pelgrim. Der Planet gehört zu den Kolonien von Adraxia, die zur Aufnahme in die Föderation der Planeten anstehen. Derzeit werden die letzten Details von den diplomatischen Vertretern geklĂ€rt. Da das Raumgebiet der Adraxianer sich unweit von Starbase 129 befindet, wurden die meisten Verhandlungen dort durchgefĂŒhrtâ, erklĂ€rte Shiong-Soon, wĂ€hrend er das in die Wand eingelassene Display aktivierte. Sichtbar wurde ein entsprechendes Raumgebiet, in dem sich 12 bewohnte Planeten befanden. Derjenige, der der Grenze am nĂ€chsten war trug den Namen Pelgrim. âParmen Karnelo war fĂŒr die Adraxianer federfĂŒhrend in den Verhandlungenâ, erklĂ€rte Shiong-Soon weiter und wechselte die Anzeige auf das Bild eines Ă€lteren Mannes. Er wirkte insgesamt wie ein Grossvater, der nichts lieber tat als seine Enkel auf dem Schoss zu schaukeln. âVor sechs Tagenâ, fĂŒhrte Shiong-Soon weiter aus, âwurde das Shuttle, auf dem er sich befand in der NĂ€he des Merica-Systems zerstört.â Erneut wechselte die Ansicht und zeigte nun wieder die schematische Darstellung des fraglichen Systems. âDie Almagest war das erste Schiff vor Ort. Nach den Sensorauswertungen handelte es sich bei dem Angreifer möglicherweise um einen Breen-Zerstörerâ, fĂŒhrte der Captain weiter aus. TâPel fĂŒhlte sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit der Angabe unwohl. Sie hatte zu viel auf dem Breen-Schiff gesehen, das ihr altes Schiff gekapert hatte gesehen. Sie unterbrach ihren neuen Captain jedoch nicht. âDa Mr. Greyâ, Shiong-Soon deutete auf den Sicherheitschef der Station, der mit am Tisch sass, âzum fraglichen Zeitpunkt noch nicht auf der Station war, wurde Mr. Richardson mit der Leitung der Untersuchung beauftragt. Leider konnte auch er nicht verifizieren, um wen es sich bei dem Angreifer handelte. Er brach also nach Pelgrim auf, um den Vorfall dort vor Ort zu untersuchenâ, fĂŒhrte er weiter aus. âLeider brach der Kontakt zu ihm gestern ab. Unsere Aufgabe wird es nun sein seinen Verbleib zu ermitteln und die Untersuchung des Vorfalls bei Merica weiterzufĂŒhren. Mr. Grey wird die Untersuchung leitenâ, erklĂ€rte der Captain das weitere Vorgehen. âBitte informieren Sie Ihre Abteilungen entsprechend und bereiten Sie sich vor. Wir erreichen Pilgrim morgen frĂŒh um 5.45 Uhrâ, verlangte Shiong-Soon. Als keiner seiner Seniors eine Frage Ă€usserte löste er die Besprechung mit dem ĂŒblichen: âWeggetretenâ auf. ---- '''10.06.2387''' Shane betrachtete ihre Umgebung, kaum, dass der Transportvorgang abgeschlossen worden war. Die Einrichtung wirkte exotisch, wie man es von einem anderen Volk erwartete, aber durchaus funktionell. Sie trat vor den Schreibtisch und reichte einem hochgewachsenen Adraxianer die Hand. âMr. Saljajâ, grĂŒsste sie und stellte sich dann vor. âIch bin Commander Maverick von der Friendship, das hier ist unser derzeitiger Sicherheitschef Commander Grey.â âErfreut Sie kennenzulernen, Commanderâ, erwiderte der hagere Mann und reichte dann auch Robert Grey die Hand. âSie natĂŒrlich auchâ, fĂŒgte er an und machte dann eine einladende Geste, die quasi das ganze BĂŒro einschloss. âBitte setzen Sie sichâ, forderte er die beiden Offiziere der Friendship auf. Mac liess sich in den ihr am nĂ€chsten stehenden Stuhl sinken und wartete, bis die beiden MĂ€nner im Raum auch sassen, dann kam sie zur Sache. âWir hörten, dass Mr. Richardson sich nicht mehr meldet. Hat sich das wĂ€hrend unserer Reise hierher geĂ€ndert?â, wollte sie eingangs wissen. Almir Saljaj schĂŒttelte den Kopf. âLeider nein. Heute vor drei Tagen wollte er sich mit einem Informanten treffen, der ihn kontaktiert hatte. Er machte ein ziemlich grosses Geheimnis um die Sacheâ, erklĂ€rte Almir. Ein Schmunzeln trat auf sein Gesicht. âEr traute mir wohl nichtâ, fĂŒgte er dann an, was auch bei Mac zu einem leichten Schmunzeln fĂŒhrte. Robert verzog kaum eine Miene. Er selber war von der VertrauenswĂŒrdigkeit des Mannes noch nicht ĂŒberzeugt. Immerhin war er der letzte, der Mr. Richardson gesehen hatte. âWo wollte er sich denn mit seinem Informanten treffen?â, wollte er stattdessen wissen. âWie ich bereits sagte, Commanderâ, erklĂ€rte Saljaj, nun nicht mehr schmunzelnd, âhat Commander Richardson mich nicht ins Vertrauen gezogen. Es hörte sich fĂŒr mich so an, als habe der Informant Angst vor irgendwelchen Ăbergriffen, vermutlich hat Mr. Richardson deshalb niemanden nĂ€her ins Vertrauen gezogen.â Das klang logisch. âSie haben gar keinen Anhaltspunkt fĂŒr uns?â, hakte Mac nach. âDas einzige, was ich Ihnen anbieten kann ist, dass er vermutlich noch auf dem Planeten ist. Er taucht auf keiner Passagierliste der vergangenen drei Tage auf und auch sein Runabout befindet sich noch im Orbitâ, teilte Almir Saljaj mit. Er hatte in den vergangenen drei Tagen selber nach Damon Richardson gesucht, nachdem dieser nicht von seinem Treffen mit dem Informanten zurĂŒckgekehrt war. Er hatte die Vermutung, dass der Mensch in eine Falle getappt war und tot war. Sonst hĂ€tte er vermutlich bereits irgendwas von ihm gehört. Mac stand auf und reichte ihrem GegenĂŒber erneut ihre Hand. Sie glaubte nicht, dass sich hier noch mehr ergeben wĂŒrde. âVielen Dank fĂŒr Ihre Hilfe, Mr. Saljajâ, sagte sie, auch wenn er nicht wirklich eine grosse Hilfe gewesen war. Auch Robert erhob sich aus dem Stuhl, in den er sich erst vor einigen Minuten gesetzt hatte. Einen HĂ€ndedruck spĂ€ter hatten er und Mac wieder Aufstellung fĂŒr den RĂŒcktransport bezogen. Einige Sekunden nach einer entsprechenden Anfrage an die Friendship dematerialisierten sie wieder. ---- '''10.06.2387''' Keine halbe Stunde spĂ€ter sassen die FĂŒhrungsoffiziere wieder im Besprechungsraum zusammen. Mac berichtete das wenige, was es zu berichten gab. Anschliessend gab Shiong-Soon die Diskussion frei. Sebastiao Andrade wollte wissen, warum es nicht möglich sei, den Kommunikator des vermissten Commanders anzupeilen. Mac klĂ€rte ihn darĂŒber auf, dass sie dies natĂŒrlich bereits versucht hatten. Als nĂ€chste meldete Yanas Edan sich zu Wort. âIch habe mich auf dem Herflug mit der Physiologie der Adraxianer auseinandergesetzt. Die Daten sind zwar noch spĂ€rlich und lĂŒckenhaft, jedoch kann ich bereits jetzt sagen, dass es Unterschiede zwischen Menschen und Adraxianern gibt, wie ja nicht anders zu erwarten bei verschiedenen Spezies. Einer der Hauptunterschiede besteht in der Anreicherung von verschiedenen Metallen in den Knochen. Zwar findet eine Anreicherung auch bei den Adraxianern statt, jedoch vermutlich mit anderen Metallen als bei Menschen, da, wenn ich recht informiert bin, nicht alle Metalle auf allen Planeten vorkommen.â Sie warf einen fragenden Blick hinĂŒber zu TâPel, in deren ZustĂ€ndigkeit so etwas fiel. Die Vulkanierin nickte zustimmend und sagte: âDas ist korrektâ Die Ărztin fuhr fort. âWenn ich die Möglichkeit hĂ€tte, einen Adraxianer zu untersuchen, der möglichst noch nie den Planeten verlassen hat, könnte ich genau bestimmen, welche Metalle bei Adraxianern ĂŒblicherweise nicht vorkommen. Ich könnte anschliessend einen Abgleich mit den medizinischen Werten des Commanders durchfĂŒhren.â Savvy NâDaye nickte. Der lange Chefingenieur hatte verstanden. Wenn wir die Sensoren entsprechend kalibrieren können wir eine Suche auf dem Planeten nach den entsprechenden Metallen durchfĂŒhren. Möglicherweise spĂŒren wir Commander Richardson so aufâ, fĂŒhrte er die Idee weiter aus. âVorausgesetzt, er ist noch auf dem Planetenâ, gab TâPel zu bedenken. Shiong-Soon hielt die Idee fĂŒr gut genug, um sie auszuprobieren. âIch besorge Ihnen einen Testkandidaten, Doktor. Einen besseren Handlungsplan haben wir derzeit nicht. Arbeiten Sie trotzdem weiterhin alle an alternativen Möglichkeitenâ, wies er an. Danach beendete er die Besprechung und begab sich in seinen Bereitschaftsraum, um den Statthalter von Pelgrim zu kontaktieren. ---- '''10.06.2387''' Yuna Meridic stellte die SchĂŒssel mit dem Schokopudding zurĂŒck, nachdem sie den letzten Rest herausgekratzt hatte. Yanas sah ihrer wiedergefundenen, alten Freundin amĂŒsiert dabei zu. Manche Dinge Ă€nderten sich nie. Die El Aurianerin war schon seinerzeit eine echte Naschkatze gewesen. Es war Shivan damals ein RĂ€tsel gewesen, wie sie bei den Mengen, die sie verdrĂŒckte so schlank blieb, wĂ€hrend er selber sich jedes Essen scheinbar mĂŒhsam wieder vom Körper hatte trainieren mĂŒssen. Der Rechtsanwalt war zu eitel gewesen, auch nur den Ansatz eines Bauches an sich zu tolerieren. Einen Teil der Essen hatte er mit ihr abtrainiert â im Bett. âWas grinst Du denn so?â, wollte Yuna von ihr wissen. âNichts bestimmtesâ, log sie, denn sie wollte sich ungerne mit ihr ĂŒber die lebhaften erotischen Erinnerungen eines frĂŒheren Wirtes mit ihr unterhalten. GlĂŒcklicherweise gab die El Aurianerin sich mit der Auskunft zufrieden, was eher untypisch fĂŒr sie war. Stattdessen schaute sie tadelnd auf den Teller der Trill. âDu isst immer noch wie ein Spatzâ, beschwerte sie sich, woraufhin die andere ihr den Teller hinĂŒberschob, den sie kaum angerĂŒhrt hatte. Sie war das Abendessen ĂŒber mit ihren Gedanken sowieso mehr auf der Krankenstation als in ihrem Quartier gewesen. Yuna grinste und fĂŒhrte sich als erstes die Pasta darauf zu GemĂŒte. Ein Klingeln an der TĂŒr liess die beiden Frauen die Köpfe wenden. Yanas erhob sich und ging hinĂŒber zur TĂŒr und verlangte: âĂffnenâ, was die TĂŒr auch prompt tat. Ihr gegenĂŒber stand ihr Nachbar, der offensichtlich erbost war. In seiner Hand hielt er den sich windenden Anaki umklammert. Sofort verfinsterte sich auch Yanas Blick. âHalten Sie ihn aus meinem Quartier fern. Mich hĂ€tte beinahe der Schlag getroffen, als er sich auf einmal neben meinem Teller bewegteâ, erklĂ€rte er und hielt ihr den Salamander hin. Automatisch streckte sie den Arm aus und hielt ihn vor Roberts Hand. Der Sicherheitschef öffnete seine Hand und flugs kletterte ihr Haustier an ihr hoch und versteckte sich schliesslich auf ihrer Schulter unter der FĂŒlle ihres Haares. âSie haben hoffentlich nicht auf ihn geschossen?â, entrĂŒstete sie sich. Robert verdrehte die Augen. âNatĂŒrlich nicht. Im Gegensatz zu dem, was Sie glauben schiesse ich nicht auf alles, das sich bewegtâ, meinte er sĂ€uerlich und drehte sich um, um davonzustapfen. WĂ€ren da nicht die kleinen Stiche gewesen, die ihr ihr Gewissen in den letzten Tagen versetzt hatte, weil sie so unfreundlich zu ihm gewesen war, hĂ€tte sie ihn sicherlich wortlos davonstapfen lassen. So jedoch rief sie ihm kleinlaut ein âDanke. Und Entschuldigungâ nach. Er drehte sich nicht um, blieb jedoch einen Moment stehen. âKeine Ursache. Halten Sie ihn einfach aus meinem Quartier fernâ, meinte er, dann ging er weiter. âDas werde ichâ, antwortete sie kleinlaut wĂ€hrend die TĂŒren seines Quartiers sich bereits wieder zuschoben. âWas fĂŒr ein Vieh ist das eigentlich?â, holte eine Stimme in ihrem RĂŒcken sie wieder in ihr Quartier zurĂŒck. âEine auf Trill heimische Salamanderartâ, erklĂ€rte sie und setzte sich zurĂŒck an den Tisch. Yuna betrachtete das putzige hellgefĂ€rbte Tierchen, das auf der Schulter der Ărztin sass. âIch kann nicht verstehen, wie er sich erschrecken konnte. Den sieht man doch meilenweit, wenn er nicht gerade auf Deiner Schulter sitztâ, meinte sie. Yanas lĂ€chelte. âSeine Art ist ein VerwandlungskĂŒnstlerâ, erklĂ€rte sie, und ging mit ihm hinĂŒber zu der Stelle, wo sein gerĂ€umiges Terrarium stand. Sie setzte das Tierchen hinein und fast augenblicklich verĂ€nderte sich seine Farbe in ein dunkles GrĂŒn, das perfekt mit dem ihn umgebenden GrĂŒnzeug harmonierte. âWie sĂŒssâ, meinte Yuna, dann wandte sie sich wieder dem Teller vor ihr zu, auf dem sich immer noch ein Rest der Pasta befand. Yanas ging zu ihr zurĂŒck und setzte sich wieder an ihren Platz. WĂ€hrend sie ihrer Freundin dabei zusah, wie sie die letzten Reste verdrĂŒckte war sie in Gedanken bereits wieder bei ihrer Arbeit auf der Krankenstation. ---- '''11.06.2387''' Sin Radeb schnaubte durch die Nase. Der Diplomat war innerlich nahezu entsetzt, dass Statthalter De Bache ausgerechnet ihn ausgewĂ€hlt hatte, den Leuten von der Föderation als Versuchskaninchen zur VerfĂŒgung zu stehen. Aber wenn der Statthalter entschied, dann entschied der Statthalter und so hatte Radeb sich eines Grossteils seines Protestes selbst enthoben. Nun sah er einem Menschen in nicht mehr ganz taufrischem Alter entgegen und reichte ihm, wie es der Sitte der Menschen entsprach die Hand. âGuten Tag, Sirâ, begrĂŒsste er Captain Leong, der ihn aus Transporterraum 1 geleitete. Er wĂŒrde den Adraxianer zur Krankenstation bringen, wo er ihn den fĂ€higen HĂ€nden Dr. Edans ĂŒberlassen wĂŒrde. Der Captain versuchte Small Talk zu betreiben, stiess jedoch schnell an die Grenzen des machbaren, weil Botschafter Radeb nicht sonderlich kommunikativ war. Insgesamt wirkte der Mann unangenehm zugeknöpft, obwohl er vollendet höflich war. Shiong-Soon war froh, als er die Krankenstation betrat und damit nicht mehr krampfhaft nach einem Thema suchen musste. Die ChefĂ€rztin erwartete die beiden glĂŒcklicherweise bereits und so konnte er sich bereits einige Sekunden spĂ€ter mit einem gemurmelten âPapierkramâ und âkomme spĂ€ter wiederâ absetzen, nachdem er die Schiffsmedizinerin vorgestellt hatte. Die deutete jetzt auf die Bioliege mit Diagnoseeinheit, auf der sie den Adraxianer den erforderlichen Scans und Untersuchungen unterziehen wollte. Der reagierte auf die Aufforderung indem er sich wortlos auf der Bioliege niederliess. Als die Ărztin neben ihn an das Bedienfeld trat sprach er sie doch noch an. âIch nehme an, dass Sie nur die Tests durchfĂŒhren, die mit Statthalter Bache besprochen wurden?â, fragte er reichlich steif. Yanas sah erstaunt auf ihn herab. âNatĂŒrlich. Mehr als das zu tun, verbietet mir schon alleine die IntegritĂ€tâ, antwortete sie ebenso steif. âGutâ, erklĂ€rte er. Der Tonfall machte deutlich, dass er von der Untersuchung an sich nicht sonderlich erbaut war. Die Counselor, die den seltsamen Fortgang der Geschehnisse von ihrem BĂŒro aus verfolgt hatte, trat an die TĂŒr heran und besah sich das Spektakel genauer. Sie hatte den deutlichen Eindruck, dass Sin Radeb weder seine Anwesenheit auf der Krankenstation, noch die Anwesenheit der Friendship im Orbit seines Planeten willkommen war. Sie wollte nicht so weit gehen, ihn fĂŒr Xenophob zu halten, aber er gehörte sicherlich nicht zu den aufgeschlossenen Typen. In der Zwischenzeit hatte Yanas die erforderlichen Eingaben fĂŒr die Scans gemacht. Sie informierte Sin Radeb darĂŒber mit einem: âIch fange jetzt anâ, und wartete das bestĂ€tigende Nicken ihres unfreiwilligen Patienten ab, bevor sie die Diagnoseeinheit aktivierte. Ein gelblicher Strahl erschien von der Decke her und tastete den auf der Liege befindlichen Botschafter ab. Der gesamte Vorgang dauerte kaum eine halbe Minute, dann hatte Yanas sĂ€mtliche erforderlichen Daten gesammelt. Sie ĂŒberspielte das ganze in ihr BĂŒro und deaktivierte die Liege wieder. âWir sind fertigâ, verkĂŒndete sie und verzichtete darauf, Radeb beim Aufstehen zu helfen, da er dies sicherlich nicht geschĂ€tzt hĂ€tte. âBitte informieren Sie Ihren Captain, ich wĂŒrde gerne auf den Planeten zurĂŒckkehrenâ, verlangte Sin Radeb von der Ărztin. Bevor diese jedoch auch nur eine Chance hatte, der Bitte nachzukommen, hatte Yuna sich bereits von dem TĂŒrrahmen, an dem sie gelehnt hatte abgestossen. âIch geleite unseren Gast gerne zum Transporterraumâ, erklĂ€rte sie. Sin Radeb nahm das Angebot der schönen Frau nur zu gerne an, denn es bedeutete, dass er schneller wieder zurĂŒck war. Und so folgte er ihr aus dem Raum, ohne zu bemerken, dass die Schiffscounselor die Gelegenheit beim Schopfe gepackt hatte zu prĂŒfen, inwieweit man ihm trauen konnte. ---- '''11.06.2387''' TâPel drehte sich zu der TĂŒr in ihrem RĂŒcken zu, als das Zischen verkĂŒndete, dass sie sich gerade geöffnet hatte. Sie sah sich der Ărztin gegenĂŒber, die ein Padd mit sich trug. âAh, Commanderâ, grĂŒsste sie und streckte dann die Hand nach dem DatentrĂ€ger aus, den die Ărztin bei sich trug. Sie ging davon aus, dass es sich um die medizinischen Daten der Adraxianer handelte, die sie jetzt mit den geologischen Scans abgleichen musste. Die Chefmedizinerin reichte das kleine GerĂ€t hinĂŒber und verabschiedete sich dann schnell wieder, wĂ€hrend TâPel einen Abgleich der gewonnen Daten und der geologischen Scans durchfĂŒhrte. In einem zweiten Arbeitsschritt wĂŒrde sie diese mit den Daten von Mr. Richardson vergleichen, die Dr. Edan ihr bereits zur VerfĂŒgung gestellt hatte. So wĂŒrde sie Mr. NâDaye hoffentlich eine vernĂŒnftige Grundlage fĂŒr die Kalibrierung der Sensoren liefern können. Die vulkanische Wissenschaftlerin benötigte nicht lange zur DurchfĂŒhrung der entsprechenden Abgleiche mit dem Computer. Schon bald konnte sie ihre Ergebnisse auf ein weiteres Padd einspielen und verliess damit ihr Labor. ---- '''11.06.2387''' Savvy hatte sich bereits diverse Gedanken ĂŒber die Rekalibrierung der Sensoren gemacht. Er hatte einige Ideen, wie er die Leistung im hochauflösenden Bereich noch verbessern konnte. TâPel kam wie gerufen, als sie endlich den Maschinenraum betrat. Er benötigte ihre Ergebnisse um endlich tĂ€tig werden zu können. Die Vulkanierin hielt sich nicht lange auf. Small Talk war sowieso nicht ihr Ding und Commander NâDaye machte den Eindruck, sich gleich auf die Aufgabe stĂŒrzen zu wollen, und so verabschiedete die Lieutenant sich mit der bei ihrem Volk ĂŒblichen schlichten und zurĂŒckhaltenden Art. Savvy bekam das kaum noch mit. Er war bereits damit beschĂ€ftigt die Daten zu sichten. TâPel hatte ihm drei verschiedene Elemente benannt, nach denen er zugleich suchen sollte. Wenn sie gemeinsam an dem selben Ort vorkamen, dann war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie Mr. Richardson gefunden hatten. Der baumlange Schwarze kratzte sich nachdenklich am Kopf. Das wĂŒrde schwieriger werden, als gedacht. Er musste entweder die Sensorenleistung aufteilen oder drei DurchgĂ€nge vorschlagen, wobei ihm letztere Version wenig erfolgversprechend erschien. Schliesslich bewegte sich Mr. Richardson womöglich auf dem Planeten fort. Damit wurde es umso wichtiger jedes QuĂ€ntchen aus der Sensorenphalanx herauszuholen. Er trat aus seinem BĂŒro heraus an die grosse Diagnoseeinheit und rief: âBitte alle verfĂŒgbaren Leute zu mirâ, was zu einem einsetzenden Gewusel fĂŒhrte. Als endlich jeder aus seinem Team einen Platz gefunden hatte, begann er damit das Problem zu erlĂ€utern, das es zu lösen galt. ---- '''12.06.2387''' Erneut sassen die FĂŒhrungsoffiziere um den Besprechungstisch in der Beobachtungslounge. MajestĂ€tisch drehte sich der grĂŒnlich schimmernde Planet unter der Friendship weg. Die Routinesachen waren bereits besprochen, jetzt wandte man sich der gegenwĂ€rtigen Mission zu. âNun, wie sieht es aus, Mr. NâDaye?â, wollte Shane vom Chefingenieur wissen. Der schenkte dem Ersten Offizier ein breites Grinsen, das zwei Reihen von strahlend weissen ZĂ€hnen entblösste. Dann erklĂ€rte er: âDie entsprechenden Einstellungen sind vorgenommen, obwohl es mein Team vor eine Herausforderung gestellt hat. Wir können jederzeit mit dem Scanvorgang beginnen.â Shiong-Soon sah zufrieden aus. âWie lange werden Sie fĂŒr die komplette Abtastung des Planeten brauchen?â, wollte er wissen. Savvy hatte seine Hausaufgaben gemacht und konnte so berichten: âNicht ganz 12 Stunden.â Und er war sichtlich stolz darauf, wie effizient die Sensoren jetzt arbeiteten. Allerdings nur in der Suche nach den drei fraglichen Elementen. Wenn sie fertig waren, musste er die Modifikationen rĂŒckgĂ€ngig machen, damit sie nicht blind durchs All fliegen mussten. âBeginnen Sie sofortâ, wandte Shiong-Soon sich an TâPel, die die ungenaue Aussage im Stillen um ein ânach Ende der Besprechungâ ergĂ€nzte, wĂ€hrend sich der Captain bereits Shane McKenzie Maverick zugewandt hatte. âBitte stellen Sie ein Aussenteam zusammen. Ich will, dass es zur VerfĂŒgung steht, sobald wir erste Koordinaten haben. Die Zeit drĂ€ngt immer mehrâ, verlangte er, und hatte damit nicht unrecht. Noch immer hatte sich Damon Richardson nicht von selber gemeldet. Es stand zu vermuten, dass er entweder gefangen gehalten wurde oder tot war. Dann erhob der Captain sich und beendete damit die Besprechung. Nach und nach leerte sich der Besprechungsraum und blieb schliesslich still im dunklen zurĂŒck. ---- '''12.06.2387''' Frustriert trat Mac gegen eine Dose Heyniesâ Fisch. Selbst hier hatte die Industrialisierung nicht halt gemacht. Noch immer wurden viele Lebensmittel in Dosen verkauft, denn nicht jede Welt bezog die Nahrung alleine aus dem Replikator. Und so exportierte die englische Firma ihre Fischkonserven so wie vor Jahrhunderten schon in alle möglichen Gebiete. Bereits zum fĂŒnften Mal fand sie statt des gesuchten Sicherheitschefs der Friendship die fragliche Konservendose vor, die genau ĂŒber die gesuchten Elemente verfĂŒgte. Auch Robert Grey und die beiden SicherheitskrĂ€fte der Friendship waren sichtlich frustriert. Beim ersten Mal waren sie fast sicher gewesen, Damon Richardsons Leiche vorzufinden, da die Dose sich auf dem Meeresboden nur wenige Meilen vor der KĂŒste eines der Kontinente Pelgrims befunden hatte. Die vier Mitglieder des Aussenteams hatten sich vor dem Beamen in TaucheranzĂŒge kleiden mĂŒssen. Ein Umstand, der Gerardus Ramakers einen ĂŒblen Fluch in seiner hollĂ€ndischen Muttersprache entlockt hatte. Die drei Male, wo sie keine Konservendose vorgefunden hatten, hatten sich Einwohner von Pelgrim fast zu Tode erschreckt, als das Aussenteam aus dĂŒnner Luft vor ihnen materialisierte. Befragungen der fraglichen Personen hatten ergeben, dass diese samt und sonders einmal einen ausgedehnten Urlaub auf der Erde gehabt hatten. Mac aktivierte ihren Kommunikator. âMaverick an Friendship. Vier Personen bereit zum Beamenâ, erklĂ€rte sie, dann blieb der Wald, in dem sie sich befunden hatten im sanften Licht der AbenddĂ€mmerung zurĂŒck. ---- '''12.06.2387''' Yuna Meridic betrat den Bereitschaftsraum des Captains. Sie hatte einige Zeit ĂŒber ihr eher kurzes GesprĂ€ch mit Sin Radeb nachgedacht. Jetzt wollte sie ihre Erkenntnisse mit dem Captain teilen. Der Malaye stand am Fenster und betrachtete den grĂŒnen Planeten unter sich. Bereits von hier oben konnte man erahnen, wie frisch und gesund die Flora dort unten war. Er hĂ€tte gerne einen ausgiebigen Besuch dort gemacht. Er war sicher, dass sich ein andermal eine Gelegenheit ergeben wĂŒrde, da der Planet von der Station aus quasi um die Ecke lag. âBitte setzen Sie sich doch, Counselorâ, meinte er, und zeigte dabei auf die Couch, die sich in einer Ecke des Raumes befand. Gemeinsam mit ihr liess er sich kurz darauf in die weichen Kissen sinken. âCaptain, ich habe Botschafter Radeb gestern nach der Untersuchung von der Krankenstation zum Transporterraum begleitetâ, eröffnete die blond El Aurianerin das GesprĂ€ch. Falls der Captain erstaunt von ihrer Initiative gewesen war, zeigte er dies nicht. Statt einer direkte Antwort meinte er lediglich: âStatthalter Bache hat mir heute morgen mitgeteilt, dass Mr. Radeb den Platz des verstorbenen Botschafters Karnelo einnehmen wird.â Yuna nickte. âDann war es sicherlich gut, dass wir bereits erste Kontakte zu ihm geknĂŒpft habenâ, meinte sie. Dieses mal neigte Shiong-Soon den Kopf. âWie lautet nun Ihre EinschĂ€tzung, Miss Meridic?â, wollte er dann von ihr wissen. Sie fing an mit den HĂ€nden zu gestikulieren. âNun, er ist Fremden gegenĂŒber offensichtlich nicht sonderlich aufgeschlossenâ, formulierte sie das, was Shiong-Soon bereits ebenfalls aufgefallen war. Dann fuhr sie fort: âEr scheint mir insgesamt sehr korrekt zu sein, vom Wesen her steif und mit einer gewissen Arroganz versehen.â Shiong-Soon stellte die Frage, die fĂŒr ihn von hoher Bedeutung war. âKönnen wir ihm trauen?â, fragte er nach. Yuna wackelte etwas abschĂ€tzend mit dem Kopf hin und her. âUm eine wirklich fundierte Empfehlung abzugeben, mĂŒsste ich mich lĂ€nger mit ihm unterhalten. Aber nach dem Eindruck, den ich jetzt habe, können wir das durchaus. Er wird vermutlich nie zu einem grossen Freund von uns werden, aber Misstrauen wĂ€re fehl am Platzeâ, spekulierte sie. Shiong-Soon erhob sich aus dem Sofa und meinte abschliessend: âVielen Dank fĂŒr Ihre Initiative und EinschĂ€tzung, Counselorâ, was dazu fĂŒhrte, dass Yuna sich ebenfalls erhob. âNichts zu danken, Sir, das gehört ja zu meinem Job hierâ, meinte sie und machte sich dann aus dem Bereitschaftsraum davon. ---- '''12.06.2387''' âSirâ, verschaffte Learoy Price sich Gehör. Sofort machten sich drei Beinpaare auf dem Weg zu seinem Standpunkt. Noch bevor die anderen den Sicherheitsoffizier erreicht hatten meinte der: âIch glaube, wir könnten hier etwas gefunden haben.â Einige Augenblicke spĂ€ter gingen Mac und Robert neben ihm in die Hocke. Einen Moment musterten vier Augenpaare eine Art von Schlackehaufen. WĂ€hrend Mac ihren Tricorder aufklappte, um sich von ihm bestĂ€tigen zu lassen, dass es sich hier um die von den Sensoren angezeigten gesuchten Elemente handelte, fischte Robert mit spitzen Fingern einen Gegenstand aus dem Haufen heraus. âIch denke, wir haben Mr. Richardson gefundenâ, erlĂ€uterte er und drehte den Gegenstand in das Licht der Lampe, die an seinem Arm befestigt war. Das Funkeln war nur noch matt und der Gegenstand deformiert. Dennoch konnte man gut erkennen, dass es sich um die Ăberreste eines Kommunikators der Sternenflotte handelte. ---- '''12.06.2387''' Sebastiao Andrade schlenderte ins Starlight. Seine Schicht an der Ops war seit einer halben Stunde zu Ende und jetzt war ihm nach Gesellschaft, am besten angenehmer. Sein Blick schweifte durch die Bar, die verhĂ€ltnismĂ€ssig gut gefĂŒllt war. Es gab derzeit hier im Orbit nicht wirklich viel zu tun und der Captain hatte AusflĂŒge auf die OberflĂ€che nicht gestattet, da die Beziehungen zu den Kolonien von Adraxia derzeit durch den Tod Parmen Karnelos in einem Föderationsshuttle belastet waren. An einem Tisch am Fenster sass der Wissenschaftsoffizier, Lieutenant TâPel und tat so, als wĂŒrde sie ein Padd studieren. Immer wieder musterte sie jedoch fĂŒr eine Vulkanierin verdammt neugierig die Anwesenden, wenn sie sich unbeobachtet fĂŒhlte. Sie unterschied sich offensichtlich von den Vulkanierinnen, die er bisher kennengelernt hatte. Der junge Brasilianer nahm nicht zum ersten Mal zur Kenntnis, dass sie sowohl gut aussehend als auch gut gebaut war. Ihr kurzes Haar harmonierte perfekt mit ihrer bronzefarbenen Haut. Da es ihm nicht an Selbstbewusstsein mangelte, schlenderte er hinĂŒber zu ihrem Tisch und meinte mit dem umwerfendsten LĂ€cheln, das er zu bieten hatte: âIst hier noch frei?â Er wartete nicht gross auf eine Antwort sondern liess sich ihr gegenĂŒber in einen Stuhl fallen. Die Vulkanierin quittierte dies mit einem Hochziehen ihrer rechten Augenbraue, bevor sie, mit einem leicht ironischen Unterton meinte: âBitte setzen Sie sich doch, Lieutenant.â Felina hatte ihren neuen Kunden erspĂ€ht und so sah Sebastiao sich bald der Herrin ĂŒber die Bar der Friendship gegenĂŒber. âWas kann ich Ihnen bringen, Lieutenant?â, fragte sie nach und wartete dann auf seine Antwort. Sebastiao ĂŒberlegte, wie er TâPel wohl am ehesten beeindrucken konnte und meinte schliesslich: âBringen Sie mir einfach, was die schöne Frau auch hat.â Felina sah ihn verwundert an, meinte dann aber: âEinen Vulcan Sunriseâ, kommt sofort. Sebastiao ĂŒberfielen spĂ€te Zweifel, ob es geschickt gewesen war, etwas zu bestellen, von dem er nicht wusste, was es war und so musterte er ein wenig zu spĂ€t die gelbliche FlĂŒssigkeit im Glas seines GegenĂŒbers. âNun, Lieutenant, da wir beide zur BrĂŒckenbesatzung gehören, sollten wir uns besser miteinander bekannt machen, das wird die Arbeit miteinander sicher erleichternâ, versuchte Sebastiao ein GesprĂ€ch in Gang zu setzen. TâPel, die sich fast sicher war, dass der Mensch versuchte, bei ihr zu landen, wie man so schön sagte. Ihr Interesse am Paarungsverhalten fremder Spezies hatte sich seit ihrer Beobachtung auf der damals noch nicht fertiggestellten Station nicht vermindert, und so antwortete sie: âDa haben Sie sicherlich recht.â Sebastiao, der eher mit einer Abfuhr gerechnet hatte, klappte um Haaresbreite der Mund herab. Er war von seinem Charme ĂŒberrascht. Dass der selbst bei gewöhnlich so spröden Vulkanierinnen funktionierte, hĂ€tte er nicht gedacht. Felina Isaac unterbrach das GesprĂ€ch kurz, indem sie an den Tisch zurĂŒckkehrte und ein weiteres Glas mit der gelblichen FlĂŒssigkeit hinstellte. Sie lĂ€chelte kurz, dann kehrte sie schnell zurĂŒck hinter ihre Theke, von wo aus die einen guten Blick auf den Tisch hatte, an dem das ungleiche Paar sass hatte. Um nichts auf der Welt hĂ€tte sie das, was nun unweigerlich kommen musste, verpassen wollen. Die Andorianerin war lange genug Barkeeper, um zu wissen, dass die Geschmacksknospen von Menschen und Vulkaniern sich grundlegend unterschieden. Das meiste, was Menschen zubereiteten war Vulkaniern zu scharf und andersherum empfanden Menschen die vulkanische KĂŒche meist als fad. Der Vulcan Sunrise bildete da eine Ausnahme. Niemand wusste genau warum, und es war Felina auch völlig egal, aber wĂ€hrend Menschen den Vulcan Sunrise als widerlich empfanden, kam er bei Vulkaniern an. Sie war gespannt, wie der Mensch auf das GetrĂ€nk reagieren wĂŒrde. Halb erwartete sie, dass er es zurĂŒck spucken wĂŒrde, auf der anderen Seite schien er entschlossen, die Vulkanierin fĂŒr sich zu erobern â was ihr insgesamt wie ein wenig erfolgversprechendes Unterfangen erschien. Sebastiao hĂ€tte es sicherlich getröstet, hĂ€tte er gewusst, dass Felina ihm von der Theke her heimlich Hochachtung zollte, denn er trank aus seinem Glas, ohne sich den Ekel, den er zweifellos verspĂŒren musste zu zeigen. Sie war sicher, dass TâPel sich innerlich königlich amĂŒsierte, denn auch ihr war zweifellos die Wirkung ihres Drinks auf menschliche Geschmacksknospen bekannt. Schliesslich wandte Felina sich Ensign Enders zu, die gerade zu ihr an die Theke getreten war, um sich ihr Glas nachfĂŒllen zu lassen. ---- '''13.06.2387''' âDie DNA stimmt zu 100% ĂŒbereinâ, erklĂ€rte Yanas Edan abschliessend. Sie hatte einen kurzen, medizinischen Abriss ĂŒber ihre Untersuchungen an der Probe, die Commander Maverick aus der Höhle mitgebracht hatte gehalten. Ihr war dabei, wie ĂŒblich, nicht bewusst gewesen, dass das meiste, was sie von sich gab fĂŒr die anderen reines Kauderwelsch gewesen war. Sie hĂ€tte den kurzen Vortrag genauso gut in ihrer Muttersprache statt in Föderationsstandard halten können. Ihren letzten Satz jedoch hatte jeder verstanden. Es war so gut wie sicher, dass es sich bei dem HĂ€ufchen, das das Aussenteam in der Höhle gefunden hatte, um die Ăberreste von Mr. Richardson handelte. Betretenes Schweigen trat ein. Auch wenn niemand Damon Richardson gekannt hatte, traf die Erkenntnis von seinem Tod trotzdem. Shiong-Soon und Shane McKenzie standen zudem vor der Aufgabe, einen neuen Sicherheitschef aussuchen zu mĂŒssen. Auch die Frage nach dem weiteren Vorgehen stellte sich. Auch wenn sie Mr. Richardson jetzt gefunden hatten, verblieb immer noch die Frage nach den Zerstörern der Darling. âIch habe mir mit meinem Team die Höhle bereits genauer auf der Suche nach Spuren angesehenâ, fuhr Robert fort, selber ein wenig erstaunt, dass er von seinem Team sprach. Er war vorĂŒbergehend hier und sollte nach der RĂŒckkehr der Friendship seinen Job als Chef der Stationssicherheit antreten. âWas hat die Untersuchung ergebenâ, wollte der Captain wissen. Robert hob beinahe etwas entschuldigend die Schultern. âWir haben leider keinerlei verwertbare Spuren gefunden. Es ist nicht mal sicher, ob der Informant ĂŒberhaupt erschienen ist. Derzeit gibt es alle möglichen Theorien. Entweder es gab nie einen Informanten und Mr. Richardson wurde nur in eine Falle gelockt, oder der Informant bekam Wind von der Falle und erschien nicht. Ein Kampf hat jedenfalls nicht stattgefunden, davon wĂ€ren verwertbare Spuren zurĂŒckgebliebenâ, erklĂ€rte er. Shiong-Soon seufzte. Es hörte sich absolut nach einer Sackgasse an. âWir könnten eine eigene Falle aufstellenâ, meinte Mac, was ihr die Aufmerksamkeit der anderen einbrachte. âWir könnten einfach jemanden die Untersuchungen weiterfĂŒhren lassen. Vielleicht wird auch er kontaktiertâ, erlĂ€uterte sie ihre Idee nĂ€her. T'Aenikh, die bisher in den Besprechungen nie viel gesagt hatte, meldete sich zu Wort. Sie schĂŒttelte heftig mit dem Kopf. âDas wird nicht funktionierenâ, meinte sie. âAn einen alleine operierenden Ermittler traut man sich heran. Bei einem, der ein ganzes Schiff im RĂŒcken hat, tut man das nicht. Da bleibt man in Deckung und wartet, bis er wieder weg ist.â Yuna nickte zustimmend. âIch sehe das auch soâ, meinte die Frau, die einige Zeit Profiler beim Nachrichtendienst der Föderation gewesen war. Shiong-Soon entschied. âUnser originĂ€rer Auftrag lautete, Mr. Richardson zu finden. Wenn Mr. Saljaj keine weiteren Anhaltspunkte fĂŒr uns hat, werden wir zur Station zurĂŒckkehrenâ, sagte er und wandte sich dann Mac zu. âSie fĂŒhren nochmals eine Unterhaltung mit Mr. Saljaj. Sollte sich dabei nichts ergeben, werden wir den Orbit verlassenâ, fĂŒgte er hinzu. Danach drehte er sich Savvy zu. âMr. N'Daye, wann sind sie mit dem RĂŒckbau der Modifikationen fertig?â, wollte er wissen. Der Afrikaner schĂŒrzte abschĂ€tzend die Lippen und meinte dann: âEtwa 6 Stunden.â Shiong-Soon nickte. âFangen Sie sofort anâ, ordnete er an. Dann folgte eine kurze Pause. âWeggetretenâ, sagte der kommandierende Offizier, worauf das ĂŒbliche StuhlgerĂŒcke einsetzte und der Besprechungsraum sich leerte. ---- '''13.06.2387''' Mac betrat den Bereitschaftsraum ihres neuen Captains und liess sich nach einer auffordernden Geste ihm gegenĂŒber in einen der StĂŒhle vor seinem Schreibtisch sinken. Sie hatte bereits angefangen, sich auf dem neuen Schiff wohlfĂŒhlen. Die ersten Tage waren interessant verlaufen. Wenn dies so blieb, wĂŒrde sie hier sicherlich nie unter Langweile zu leiden haben. âNun, Commander?â, wollte Shiong-Soon von ihr wissen, wie ihr GesprĂ€ch mit Almir Saljaj verlaufen war, von dem sie zweifellos gerade zurĂŒckgekehrt war. Mac begann ihre ErzĂ€hlung mit der Schlussfolgerung zuerst: âUns bleibt hier wohl nichts weiter zu tunâ, was dazu fĂŒhrte, dass Shiong-Soon sie fragend ansah. âMr. Saljaj hat die Untersuchung abgeschlossen. Sein offizieller Bericht endet mit: TĂ€ter unbekannt. Er legt den Fall zu den Akten mit den ungelösten FĂ€llen. Er deutete an, dass er von seiner Regierung gedrĂ€ngt wurde, die Untersuchung abzubrechen. Inzwischen sei zu viel Zeit vergangen, um noch zu einem positiven Abschluss fĂŒr die Untersuchung zu kommenâ, erlĂ€uterte sie. Shiong-Soon sah sie fragend an. âEntspricht das auch Ihrer EinschĂ€tzung, Miss Maverick?â, fragte er nachdenklich nach. Sie zuckte zur Antwort mit den Schultern. âEs deckt zumindest mit dem, was Mr. Grey wĂ€hrend eines der Aufenthalte auf dem Planeten sagteâ, antwortete sie dann. âMr. Greyâ, meinte Shiong-Soon, âscheint mir ein exzellenter Sicherheitschef zu sein. Ich wĂ€re froh, wenn wir ihn fĂŒr die Friendship gewinnen könntenâ, fĂŒgte er zu. Mac nickte. Sie hatte den Mann wĂ€hrend der vergangenen fĂŒnf Tage ebenfalls zu schĂ€tzen gelernt. Er hatte sich als aufgeschlossener und geselliger Zeitgenosse entpuppt. Allein warum er zu der BordĂ€rztin, die selber recht angenehm erschien, ein gespanntes VerhĂ€ltnis zu haben schien war ihr schleierhaft. Shiong-Soon verschob die Gedanken ĂŒber einen neuen Sicherheitschef bis zur RĂŒckkehr zur Station. Stattdessen aktivierte er sein Interkom und verlangte: âLeong an Maschinenraumâ, was ihm gleich darauf von Savvy mit einem: âMaschinenraum hierâ, beantwortet wurde. âWie weit sind Sie, Mr. N'Dayeâ, wollte der Captain wissen. Die Antwort kam umgehend. âWir sind vor einigen Minuten fertig gewordenâ, gab der Chefingenieuer an. âSehr schön. Leong, Endeâ, schloss der Captain den Kanal in den Maschinenraum wieder, ehe er sich erneut Mac zuwandte. âLassen Sie Kurs nach Hause setzen. Hier sind wir fertigâ Der Erste Offizier nickte und verliess dann das BĂŒro des Captains. ---- '''14.06.2387''' Nachdenklich betrachtete Robert Grey die Sterne, die hinter der Scheibe der Friendship dahinzogen. Er hatte einen Beruf gewĂ€hlt, bei dem er zwangslĂ€ufig viel von seiner Zeit im All verbrachte. FrĂŒher hatte er das gerne getan, nach dem Tode seiner Frau jedoch vorgezogen, seine Kinder auf einer Basis der Flotte weiter grosszuziehen. Dies erschien ihm ein geeigneterer Platz als ein verwundbares Schiff, das auf sich selber gestellt durch den Raum flog. Dieser Aufenthalt auf der Friendship hatte ihm jedoch viel Freude bereitet. Gerade die Möglichkeit an viele verschiedene Orte reisen zu können, hatte ihn einst fasziniert und dazu gebracht, sich an der Akademie der Flotte einzuschreiben. âIst hier noch frei?â, holte ihn eine Stimme aus seinen Gedanken. Die blonde SchiffsĂ€rztin stand neben seinem Tisch und lĂ€chelte ihn freundlich an. Er zeigte auf den anderen Stuhl am Tisch und nickte. Sie liess sich darauf nieder und faltete dann die HĂ€nde zusammen. âMr. Grey, ich bedauere, dass ich in den letzten Tagen so unhöflich zu Ihnen warâ, erklĂ€rte sie, wĂ€hrend sie dabei ihre HĂ€nde musterte, als gĂ€be es an ihnen etwas unglaublich interessantes zu sehen. âJa, das waren Sie in der Tatâ, meinte er. Er dachte nicht daran, ihr ihre Entschuldigung noch leicht zu machen. Sie unterdrĂŒckte ein Seufzen und machte dann einen neuen Versuch. âIch weiss, dass er oft an Orten ist, an denen er nichts verloren hat. Ich versuche, ihn in meinem Quartier zu behalten, aber er geht immer wieder auf Erkundungstourenâ, sagte sie. Er lachte zum ersten Mal. âDas hört sich an, als redeten sie von einem Kindâ, meinte er. Zu seiner Verwunderung nickte sie. âEr ist auch so was wie ein Kind. Als ich ihn fand, hatte er gerade seine Metamophose durchlaufen und war verletzt. Er scheint mich seither als eine Art von Muttertier zu betrachtenâ, erklĂ€rte sie. âDann sollten Sie besser auf ihn acht gebenâ, wiederholte er, was er bereits bei ihrem ersten Aufeinandertreffen zu ihr gesagt hatte. Sie zuckte die Schultern. âIch tue was ich kann, aber ich muss eben gelegentlich auch meinen Dienst verrichten. Und da kann ich ihn nicht mitnehmenâ, erklĂ€rte sie. Als alleinerziehender Vater wusste er, wie schwierig es war, der Familie und dem Dienst gleichermassen gerecht zu werden. âHatten Sie mal Kinder?â, fragte er dann aus einem Impuls heraus. Sie nickte. âJa, ich habe zwei Nachkommenâ, erklĂ€rte sie. Er betrachtete sie verwundert ob der Ausdrucksweise. âAuch Symbionten pflanzen sich fortâ, erlĂ€uterte sie dann. Einen Moment herrschte Schweigen am Tisch. Dann meinte sie: âSie haben eine bildhĂŒbsche Tochter.â Er lĂ€chelte. Er war sehr stolz auf Tara, die ihrer Mutter von Tag zu Tag Ă€hnlicher sah. âJa, durchausâ, meinte er. Sein Blick glitt wieder hinaus zu den Sternen. Waren seine Kinder wirklich zu klein? Tara wurde 13 und Eric war seit ein paar Wochen 15. Sie waren nicht mehr zu klein, ein paar Tage auf der Station zu bleiben, wenn es erforderlich wurde. âFanden Sie es schwierig, sich von ihnen zu trennen, als es an der Zeit war?â, wollte er dann von ihr wissen. Er hatte es schwierig gefunden, als Holly zum Studium nach Tokio gegangen war. Yanas schĂŒttelte mit dem Kopf. âNein, ĂŒberhaupt nicht. Symbionten bleiben etwa 30 Jahre in den BruttĂŒmpeln, bevor sie ausgewachsen sind. Vorher kann eine Symbiose nicht zustande kommen. So lange bleiben ausgewachsene Symbionten nicht unvereinigtâ, erklĂ€rte sie den Fortpflanzungszyklus der Symbionten. âAber ich glaube, dass man Kindern Freiraum zum Wachsen geben muss. Und sie sind viel robuster als ihre Eltern glaubenâ, fĂŒgte sie hinzu. âWoher wollen Sie das wissen, wenn keiner ihrer vorherigen Wirte je Kinder hatte?â, fragte er skeptisch nach. âAvari Edan war PĂ€dagogin. Sie hat ihr ganzes Leben lang mit Kindern gearbeitet. Sie und ihr Mann hĂ€tten gerne eigene gehabt, es war ihr jedoch nicht möglich Kinder zu bekommenâ, klĂ€rte sie ihn auf, woher ihre Erfahrungen rĂŒhrten. Dann stand sie auf und reichte ihm ihre Hand. âIch denke, dass wir uns hĂ€ufiger sehen werden, Mr. Grey. Wir werden zwar keine direkten Nachbarn mehr sein, aber Sie werden irgendwann feststellen, dass die Station manchmal ein richtiges Dorf sein kannâ, verabschiedete sie sich von ihm. Er nahm ihre Hand, die sich kĂŒhl anfĂŒhlte und drĂŒckte sie. âWir werden uns sicher wiedersehen, Miss Edanâ, erwiderte er. Einen kurzen Augenblick sah er ihr hinterher, dann wandte er seinen Blick wieder dem Fenster und den Sternen dahinter zu. ---- Auf der BĂŒhne stand eine schlanke dunkelhaarige Frau in einem roten Kleid. Ihre blasse Haut hob sich als milchiger Kontrast vom Rest ihrer Erscheinung ab. Samtweich war die Stimme, mit der sie einen sehr alten Song prĂ€sentierte. Ihre Bewegungen strahlten eine Eleganz aus, die ihresgleichen suchte. âFirst of all must go Your scent upon my pillow And then I'll say goodbye To your whispers in my dreams.â âAnd then our lips will part In my mind and in my heart Cos your kiss Went deeper than my skin.â Yanas Blick lag auf Cassandra Spiros, einer der Inhaberinnen einer der Bars auf der Station, die so was wie ein Geheimtipp war. Einmal in der Woche sang die Chefin fĂŒr ihre GĂ€ste und dabei spĂŒrte man deutlich das Talent, ĂŒber das die Griechin verfĂŒgte. âPiece by piece Is how I'll let go of you Kiss by kiss Will leave my mind one at a time One at a time.â Die Ărztin spĂŒrte, wie sich die Bank, in der sie sass, sich neben ihr leicht hinunterbeugte. Offensichtlich hatte irgendjemand neben ihr Platz genommen. Sie drehte den Kopf und sah in das Gesicht von Robert Grey. âFirst of all must fly My dreams of you and I There's no point in holding on to those And then our ties will break For your and my own sake Just remember This is what you choseâ âIch hĂ€tte nicht gedacht, dass die Station so ein Dorf istâ, flĂŒsterte sie ihm zu, wĂ€hrend Cassandra auf der BĂŒhne ihren Vortrag schloss. âPiece by piece Is how I'll let go of you Kiss by kiss Will leave my mind one at a time One at a time One at a timeâ Applaus setzte ein und Cassie verneigte sich vor ihrem Publikum, bevor sie von der BĂŒhne stieg und sich wieder zu ihrer Partnerin hinter die Theke gesellte. Robert winkte nach einem Bier, das ihm umgehend auf die Theke gestellt wurde. Er nahm einen langen Schluck und drehte das Glas dann in seinen HĂ€nden. âWir werden direkte Nachbarn bleibenâ, meinte er. Sie sah ihn zur Antwort fragend an. âMeine Versetzung auf die Friendship ist mit sofortiger Wirkung genehmigt wordenâ, meinte er erklĂ€rend. Sie reichte ihm die Hand und sagte: âHerzlich Willkommen an Bord.â }}
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